Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 48 (19.6.1899)
- Date
- 1899-06-19
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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936 sei ihm auch gelungen in dem letzten Vierteljahrhundert, eine geordnete Schule einzurichten, die der Mittelpunkt der gesetze-treuen Judenheit werde und werden müsse. Er habe die Früchte seine- Wirkenan den Schülern gesehen, die in demselben Sinne wie er die Treue geweckt hätten. Dasei eine Mizwoh ledaur daurim. welche bestehen bleiben solle und welche mehr werth sei. alder Stein, den man auf sein Grab setzten werde. Durch seine Schüler werde da- Wort der Thora wieder lebendig werden, auf daß man nicht von tobten Gebeinen rede, die Schüler werden den Geist wecken, den der Herr über die todten Gebeine ansgießcn werde, auf daß sie wieder von neuem leben. Der Spruch: „So Jemand gäbe den ganzen Schatz seines Hauses um die Liebe zu erkaufen, man würde ihn verachten," werde auf einen Frommen der alten Zeit angewendet. Wenn man dem Verstorbenen alle Schätze der Welt geboten hätte, um ihm die Liebe abznkaufen, mit der er seinen Gott geliebt habe, er würde sie verächtlich bei Seite geschoben haben, und wenn man ihm alle Schätze der Welt geboten hatte für die Liebe, mit der er alle alle Menschen und zunächst die Kinder Israels geliebt hatte, er würde sie verächtlich bei Seite geschoben haben. Viele Ströme können nicht auslöschen die Liebe, die er gesäet im Herzen feiner Freunde, seiner Gemeinde, seiner Schüler und ganz Israels, die Liebe, die man ihm bewahren werde für alle Zeit. Sein Andenken werde gesegnet sein für und für. Herr Oberrabbiner Kuttna- Eisenstadt, ein ehrfnrcht gebietender Greis, der die lange und beschwerliche Reise nicht gescheut, widmete alsdann seinem Amtsvorgänger innige Worte der Erinnerung und gab der tiefen Trauer zugleich im Namen seiner Gemeinde beredten Ausdruck. Er überbrachte den Dank seiner Gemeinde für die Liebe und große Verehrung, die der Verstorbene dort ausgefäet. Herr Biberfeld sen. sprach im Ranen des Beth Hamidrasch, dessen Dirigent der Dahingeschiedene früher gewesen war, Herr Rabbiner Dr. H o r o w i tz—Frankfurt a. M. im Nanien' der Eisenstadter Schüler. Dr. Horowitz schilderte in glänzenden Worten, wader Verllärte in Effenstätt geleistet hat. „Tawär eine trübe, eine düstere Zeit, und die Männer, die diese Zeit geschaffen haben, waren ihres Siegeganz gewiß und haben eine Unduldsamkeit und eine Verachtung über das gesetzestrene Judenthum gehäuft, daß ein Mnth dazu gehörte, sich zu diesem Judenthum öffentlich zu be kennen. Ein neue- Ghetto, ein neues Mittelaller hatte man geschaffen für die treuen Bekenner des JudenthumS. Da hätten nüchterne Gestalten, wie unsere Zeit sie hervorbringt, nichts ausgerichtet. Da mußte es Stürmer geben, feurige, ungeduldige Stürmer und der feurigsten einer, das war unser Rabbi J-rael H i lde s h e i m e r, der mit elementarer Gewalt alle Gemüther aufrüttelie. Man nannte ihn einen Träumer, man schalt ihn einen Phantasten, man sagte, er bewege sich in den Wolken. Ja, er bewegte sich in Wolken. Aber aus diesetk Wolken rollte es wie der Donner, wenn er sprach, zuckte es wie weithin leuchtende Blitzeans seinen Gedanken, lind wir, voll Jubel gingen wir hin zu ihm, der mit den Frohen jauchzte, feine Brust entgegenwarf den Pfeilen der Gegner und so lange aushielt, bis wenigstens der Gesichtskreis sich klärte." Der Name de- Verewigten, so schloß der Redner, möge alle mit neuer Liebe erfüllen zum Judenthüme, das Andenken an ihn zur Liebe gegen Gott, dem allein er allegeweiht hätte, was in ihm edel gewesen sei. Gleichzeitig mit dieser Rede widmete, da er Kohen, abseits vorn Zelte Herr Rabb. Dr. E ah n—Fulda dem Verklärten einen längeren warm empfundenen, bedeutungsvollen Nachruf, den wir, wenn es der Raum gestattet, in einer späteren Nummer gefondert zum Abdruckbringen werden. AlSdann sprachen Herr Dr. Wohlgemuth im Namen deS Lehrerkollegiums und Herr Dr. W'olff tot Namen der Seminaristen. Mit dem in der Halle verrichteten Kaddischgebet endete gegen 7 Uhr Abends die würdige und erhebende Trauerfeier um den großen Todten, dessen Andenken in der Geschichte des Judenthums niemals verlöschen wird. Berti«, 16. Juni. Bis zum Abgang dieses Berichts widmeten im Trauerhause noch lachrnke: Mittwoch Abend: Herr Rabbinatsaffessor Elias Munk—Altona; Donnerstag früh: Rabbiner Nobel—Halberstadt: Donnerstag Mittag, zwischen 12 und 1 Uhr, Rabbiner Silberberg—Grätz, vor dem Minchagebet: Rabbiner Tr. S ch i ff er—Karlsruhe, vor dem Maarifgebet« Rabbiner Dr. Car leb ach Lübeck. Der Vollständigkeit Halver theile Ihnen mit, daß Mittwoch früh außer den genannten Herren Eollegen schon da waren: Dr. E p p enstein- Breslau, Dr. B. Kö n igsb erg er—Pleschen; ebenso Hr. Salo Gellest als Vertreter der Pleschener Gemeinde: außerdem Dr. Baneth — Berlin, Dr. Blumenthal -Ratibor u. v. A, sämmtlich Schüler von n"rr?r5i5»,T -noiN. Berti«. 16. Juni. Die Kinder von Rabbiner Dr. Israel Hildesheimer }"SiT bitten uno, bekannt zu geben, daß eine Vervielfältigung der Bilder deö unvergeßlichen 7"' >:n nich t gestattet ist. Uersonakien Gestorben: Oberrabbiner Weil in Straßbnrg i. E., Rabbiner A. S ondheimer in Heidelberg und Oberkantor G old stein in Wien. Literarische Notiz. Herrn Dr. M. Ginsbttrger hat in der Vorrede seines Fragmeittenlargums in Bezug auf eine Handschrift in der Vaticana bemerkt: „Die von mir benutzte Abschrift ist von Herrn Dr. A. Berliner angefertigt und mir gegen eine entsprechende Entschädigungssumme überlassen worden." Diese Bemerkung ist incorrect, und bedarf daher einer Berichtigung meinerseits. Ich habe vor etwa 2" Jahren die Copie von meinem damaligen Abschreiber Angela di Casma in Rom anfertigen lassen und die Copialien, die ich dafür bezahlt habe, hat mir Dr. Ginsburger, dem ich aus Gefälligkeit die Abschrift später überlassen habe, wieder erstattet. Dies zur Vermeidung von Mißverständnissen. Dr. A. Berliner. Zurückgesetzte Sommerstoffe fO Prozent extra Rabatt auf alle schon reduzirten Preise, wegen vorgerückter Saison Master auf Verlangen franco. Modebilder gratis. lui Ausverkauf. b Met. solid. Mestor-Zephir z. Kid. f Mk. 1.50 0 „ ,, Araba-Sommerstoff „ „ „ 1.80 6 „ „ Niava-Sommerstotr „ „ „ % io 0 „ „ Dollar-Carreaux „ „ „ r.70 Ausserordentliche Gelegenheitskäufe in modernsten Kleideru. Blousenstoffe zu extra reduzirten Preisen vers. i. einz, Metern, bei Aufträgen von 20 Mk. an franco. OettInger n. Co., Frankfurt a. M. Versandthans. Mod. Herrenstoffe z. ganz. Anz. f. M. 3.60 Pfg. „ Cheviotstoffe „ „ „ 4.85