Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 47 (15.6.1899)
- Date
- 1899-06-15
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
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912 Werke betreiben, vorgeschriebe» worden, falls sie ihr Gewerbe fortsetzen wollen, folgenden Bedingungen nachzukommen: sie müssen russische Unterthanen und christlichen Glaubens sein, ferner das Zeugniß eines Zunftmeisters besitzen. Viele Handwerker, natürlich alle jüdischen Bekenntnisses, sind dadurch in die ärgste Nothlage versetzt worden. — Im Ministerium für Volksaufklärung wird gegenwärtig über die Einführung der russischen Sprache für den Unterricht in den israelitischen Religionsschulen beratden. Zu diesem Zwecke find vorher die gutachtlichen Meinungsäußerungen der Curatoren der Lehrbezirke, respective der Volksschul-Jnspectoren einverlangt worden. Sprechsaal. (Für diesen Theil übernimmt die Redaktion dem Leserkreis gegenüber nur dir preßgeseyliche Verantwortung.) Die Aufforderung des Herrn Victor Weil in der vorletzten Nummer Ihres geschätzten Blattes klingt sehr gefährlich! Sollte die Aufforderung vielleicht eine Forderung auf Säbel oder Pistole sein -' Dann verschweige ich erst recht meinen Namen, denn ich bin Duell-Feind. Hat die Hitze in den letzten Tagen es verschuldet, daß sein Blut in so drohende Wallung gerathen ist? Wie kommt der eifrige Herr, der sich zum Sprachrohr der Kölner jungen Leute macht, dazu anzunehmen, daß meine Ausführungen sich speziell auf die Verhältnisse dort beziehen? Ist er denn so kurzsichtig, nicht zu begreifen, daß wenn als Ueberschrift „Vom Rhein" steht, sich dieses lediglich auf den Wohnort des Referirenden bezieht, während aus dem Inhalt doch ersichtlich, daß von der Allgemeinheit die Rede ist und die ganze Angelegenheit rein sachlich behandelt ist. Aus allen diesen Gründen wird sich Herr W. wohl den Schluß ziehen können, daß ich absolut keine Veranlassung habe, seinen persönlichen Wünschen zu entsprechen und mich in eine Unterhaltung mit ihm einzulassen, für die ich im Uebrigen auch gar keine Zeit habe. Idem. (Wir betrachten die Diskussion über diesen Gegenstand als geschlossen. Red, d. Jsr.) vermischtes. Köln *. Rh, 11. ^uni. Für jüdische Patienten, welche im hiesigen Bürgerspital oder in der Krankenheil- und Pflege- Anstalt (Severinstr. 71/73 Heilung suchen, haben ungenannte Wohlthäter die Mittel zur Ein ichtnng von Küchen bewilligt, aus welchen rituelle Beköstigung verabreicht werden kann. Näheres ist bei Herrn Rabbiner Dr. Plato, St. Apernstraß« 29. zu erfahren. Letzte Nachrichte». 8. Berlin, 14. Juni. Die Beerdigung des am Montag verschiedenen Rabbiners Dr. Israel Hildesheimer gestaltete sich zu einer großartigen Trauerkundgebung und legte beredtes Zeugniß ab von der großen Liebe und Werthschätzung, deren sich der VeMickeste weiteste« Kretfeu erfreute. Von MhuüMGrts Md dWNMhE^Me^-Mt im Amt befindliche Rabbiner, und andere Vertreter auswärtiger Gemeinden herbeigeeilt, um dem Tobten die letzte Ehre zu erweisen. Bis Mittag waren folgende Herren hier eingetroffen: Ackermann— Brandenburg, Auerba ch—Halberstadt, Auerbach— Rogasen, Bäe r—Prenzlau, B a m berger—Burgbreppach, Bamberger—Schrimm, Berlinger— Braunsbach, Bond i—Mainz, Breuer—Frankfurt a. M., Brody—Nachod, Car leb ach—Lübeck, Chodowsky-Oels, Ehrentreu-München, Kuttna—Eisenstadt, Emmerich—Beuthen, Horo - Witz—Frankfurta. M., Höxter—Berlin, Hirsch— Hamburg, Jacobsohn—Gnesen, Kaatz—Zabrze, Kahn—Wiesbaden, Kahn—Fulda, Kohn—Ansbach, Kohn—Basel, Kohn—Jchenhausen, Kohn — Kattowitz, Lewin—Wreschen, Loewenthal—Tarnowitz, Manne s—Posen, Marx—Darmstadt, Meyer —Regensburg, Nobel—Köln, Nobel—Halberstadt , Norde n—Neustet tin, Olitzki—Allenstein, Petuchowski — Berlin, Rosenberg — Thorn, Rosentha l—Breslau, Rofenthal—Köln, Rosenthal—Stargard, Schlesinger—Bingen, Schiffer —Karlsruhe, Silberberg—Grätz, Stein—Berlin, Unna — Mannheim, Warszawski—Posen, Weil—Filehne, Eppenstein—Brisen, Lerner— Altona, F ei l ch enfe ld—Posen, W ei l—Guxweiler, Ba m berger—Sulz unterm Wald, Bach—Wien, Funk—Preßburg. Von der Berliner Hauptgemeinde bemerkten wir die Rabbiner DDr. May bäum und Rosenzweig, vom Gemeindevorftand die Herren Justizrath Meyer und Martin Simon, vom Repräsentanten - Kollegium Geheimrath Blumenthal, Julius Oppenheimer, Moritz Manheimer, Maurermeister Frankel. Der osftziellen Feier ging eine nur für den engeren Familienkreis veranstaltete voraus, bei der Herr Dr. Meyer Hildesheimer gesprochen haben soll. Zur öffentlichen Feier in der Synagoge waren in Anbetracht des kleinen Raumes Eintrittskarten ausgegeben worden; doch zählte die übrige Cmlaß begehrende Menge noch nach Hunderten. In der Synagoge sprachen die Herren Docenten des Rabbinerseminars DDr. Berliner, Hoffman», sowie Dr. Auerbach— Halberftadt im Namen des Kuratoriums und Dr. Biber selb im Namen der Schüler. Sämmtliche Redner sprachen mit vor Thränen erstickter Stimme, sodaß cs unendlich schwer fiel, den Wortlaut der Reden zu fixiren. Einen ausführlichen Bericht über die einstündige Trauerfeier in der Synagoge, und über die Reden, welche auf dem Friedhofe gehalten werden, behalten wir uns, soweit wir dieselben aufnehmen konnten, für die nächste Nummer vor. Für die Feier aus dem Friedhofe, sollen, wie uns mitgetheilt wird, noch , sechs Reden vorgesehen sein, doch ist wohl anzuyehnym/