Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 47 (15.6.1899)
- Date
- 1899-06-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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mm XL. Jahrgang. ^Y'r"^J7'::g^': M 47. Der Israelit. Ein Aentrat-Hrgan für das orthodore Iudenthum Begründet von Dr. Xtfymutm in IKftinf Donnerstag, de» 15. Juni 5659 (1899), Leitender Artikel. Dr. Israel Hildesheimer y'j. Rabb. und Seminar-Director in Berlin. Mainz, 13. Juni. Die unbefangen und von historischer Treue geleitet den Griffel der Geschichte führen, werden die zweite Hälfte unseres Jahrhunderts als die Zeit bezeichnen, in welcher der gesunkene religiöse Geist innerhalb Israels wieder erwachte; sie werden die Männer feiern, deren glühende Liebe zum Judenthum die Eisrinde löste, unter deren Hülle die Herzen Israels zu erstarren drohten; sie werden dankbar bekennen, daß deren Feuerwort gleich mächtigem Posaunenklang in die jüdische Welt hinaustönte, um Schlummernde zu erwecken und die Verirrten zur Gottesthat zurückzurufen. Sie werden zählen die berühmten Häupter Israels, aber auch wägen und erwägen, welchen Großen und Weisen der Wurf gelungen ist. Der unbefangene Geschichtsschreiber wird gleich einem trockenen Rechner die Familien, Gemeinden und Kreise zählen, an welchen der gewaltige Einfluß jener Männer seine Kraft erprobte. Da wird die Summe der Hildes he im er'schen Mitarbeit eine Höhe gewinnen, die den Fernstehenden zum Erstaunen und zur Bewunderung hinreißett wird. Man wird sich fragen, was ist aus dem Anhang und den Verehrern derer geworden, die mit dem Geiste unseres Zeitalters wandelten und ihm zum Liebe ein Stück Gotteslehre nach dem anderen opferten, um ein Capitel der jüdischen Lehre aus dem Brande der Zeiten zu retten. Man wird nach ihren Gemeinden, wie nach den Spuren ihrer Erfolge vergeblich forschen. Die Schwächlinge, die Grundlehren, ja Bücher der Thora Preisgaben, haben sich jeder Autorität entäußert, haben dem Rabbiner als Lehrer und geistigen Führer der Gemeinde den gesetzlichen Boden entzogen; was Wunder, daß ihre Schutzbefohlenen dann alle Bande mit dem Glauben lösten und nur solange äußerlich mit ihm vereint blieben, als ihre weltlichen Interessen nicht gestört wurden. Winkte ihnen Gewinn, da schleuderten sie ihr Judenthum, das zu einem bloßen Schein herabgesunken war, weitab, um sich einer anderen Confession anzuschließen, die ihnen mehr Vortheil bietet. Da traten sie als glaubenslose Menschen ein, um das Gift ihrer Ungläubigkeit weiterzuverbreiten und dadurch die Gehässigkeit gegen das Judenthum zu befördern. Die jüdischen Ueberläufer, die ehrlosen Pfründenhascher, haben uns viel Elend gebracht, ihre lästerliche Ungläubig« keit wird uns zur Last gelegt, und ihre Gottlosigkeit gewann diesen erschreckenden Umfang, weil ihnen von den Kanzeln herab gepredigt und in den Geschichtswerken erzählt wurde, daß man ohne die göttliche Lehre Israels ein treuer Jude bleiben könne. — Hildesheimer und Genoffen hielten unentwegt auf dem Boden des geoffenbarten Glaubens, lehnten jeden Schacher mit dem Wandel der Zeiten ab, rügten schonungslos die Schäden ihres Volkes, gaben nicht einen Satz preis von dem unantastbaren Vermächtniffe unserer Väter. Sie haben die Getreuen um die Gottesfahne geschaart und ihren Gemeinden die reine sinaitische Lehre erhalten. Diese unschätzbaren Verdienste Hildesheimers um das Gesammtjudenthum, werden in die Annalen unserer Nation mit goldenen Lettern eingegraben werden, sie werden nicht schwinden, so lange eine Geschichte der göttlichen Religion bestehen wird. Die Quelle, aus welcher dieses unablässige Streben Hildesheimers, Religiösität zu r- -fordern