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Der Israelit · 1899-06-05 · Heft 44 (5.6.1899) · p. Seite 845

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 44 (5.6.1899)
Date
1899-06-05
Page
Seite 845 (sequence 11)
Language
German
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845 Feiertage hin eine Zunahme der Petenten und somit eine steigende Inanspruchnahme der Vereinskasse; die in der Umgebung von Mainz wohnenden Armen, über deren Würdigkeit wir uns erkundigten — denen jedoch der Hausbettel dahier von uns untersagt ist — empfangen ebenfalls um die gleiche Zeit Unterstützungen, per Post von uns eingesandt. Im Laufe des Geschäftsjahres fand in Nürnberg eine Versammlung einer großen Anzahl süddeutscher Almosenvereine statt, um Mittel und Wege zu besprechen, in welcher Weise die Armenpflege in die richtigen Bahnen zu leiten sei und dem Schwindel und Betrug von Seiten Unwürdiger entgegen getreten werden könne. Die Versammlung wurde von dem stellvertretenden Vorsitzenden unseres Vereins, Herrn Eduard Simon, besucht und werden auch wir höchst wahrscheinlich dem zu bildenden „Süddeutschen Verbände" beitreten. Die Anzahl der Mitglieder betrug 176, die Beiträge betrugen Mk. 4233, Geschenke Mk. 415. Verausgabt wurden an 1628 Unterstützungen Mk. 2160.70, für Fahrscheine Mk. 730.10, 182'Posteinzahlungen Mk. 992.05, im Ganzen Mk. 3882.85. Per Kopf durchschnittlich Mk. 2.05 ca. Abgewiesen wegen ungenügender Papiere u. s. w. wurden 27 Personen. Mainz, 4. Juni. (Der Nevisionsbesch luß des Kas sati onshofes in Paris im Falle Dreyfus.) Nach dem gestrigen Beschluß des vereinigten Kassationshofes in Paris, der die Verurtheilung des Dreyfus aufhob und ihn vor ein Kriegsgericht in Rennes verweist, ist vorläufig ein Drama seinem Ende nahe geführt, das seit Jahren die gespannteste Aufmerksamkeit und größte Erregung der ganzen eivilisirten Welt in Anspruch genommen hatte. Alle vorurt Heils lose Kreise des ganzen Erdenrundes werden diesen Beschluß, welcher der G e r e ch t i g k e i t zu ihrem Recht verschafft hat, mit großer und inniger Be fr ied igung aufnehmen. Für uns Juden aber gereicht er zum Gegenstände der größten und innigsten Befriedigung, wobei uns jeder Gedanke des Rachegefühls oder nur der Schadenfreude gegenüber unseren Gegnern ferne bleiben wird. Im Mittelalter beschuldigten die Judenfeinde uns der Brunnenvergiftung und verfolgten uns mit dem Märchen des Christenblutes, letzteres bis in die neueste Zeit. Allein diese Märchen hatten in unserer Zeit in den gebildeten Kreisen ihren Zug verloren; da kamen die Antisemiten auf eine neue Beschuldigung, welche die Gefährlichkeit des Judenthums darthun sollte. In einem Lande, in dem die Gleichstellung der Juden nicht blos auf dem Papiere ausgesprochen, sondern auch in der Praxis ausgeführt wurde, sollte der Beweis geliefert werden, daß der Jude, selbst wenn er eine hohe Stellung im Staate erreicht hat, v at erlandslos und ein Berräth er des ihn so hochgestellten Landes ist. Große und starke Machthaber und Mächte halten sich vereinigt und sind vor Fälschung von Documenten und Beugung des Rechtes nicht zurückges hreckt, um diese für die Juden und das Judenthum höchst gefährliche Anschuldigung des Verraths den Regierungen und den Völkern plausibel zu machen. Wenn Dreyfus auch nur eine einzelne Person ist, für dessen etwaigen Verrath das Judenthum in seiner Gesammtheit nicht verantwortlich hätte gemacht werden können, so wären, wenn man die Beschuldigung gegen ihn hätte aufrecht erhalten und beweisen können, doch alle Jitden als Verräthcr hingestellt worden. Danken wir Gott, daß er den Rathschluß unserer Feinde vereitelt hat und hoffen wir, daß die neueste Schattirung des Judenhasses, der clericale Antisemitismus, in Oesterreich ebenso zu Schanden wird, wie er auf gallischer Erde aufs Haupt geschlagen wurde. Leipzig, 27. Mai. Für das Schächten verwendet sich in einer Zuschrift ein Rittmeister a. D. v. Kobylinski zu Wörterkeim in Ostpreußen, er schreibt an die „Internationale Fleischer-Zeitung": „Das Schlachten eines SäugethiereS geschieht am schmerzlosesten vermittelst eines Schnittes mit recht scharfem Messer durch die Aorta am Halse. Das Laufen des Blutes ist vollständig schmerzlos, wie jeder an sich bei Nasenbluten u. f. w. empfunden haben wird. Nur das Fleisch, welches vollständig ausgeblutet hat, ist zu Konserven geeignet. Vieh, welches zuerst betäubt wird, kann nicht ausbluteu. Der Schlag mit der Art vor den Kopf des zu schlachtenden Tbieres, zum Betäuben desselben, ist eine der rohesten und grausamsten Handlungen, besonders wenn der Schlag zur vollständigen Betäubung des ThiereS mehrfach wiederholt werden muß. Eine solche Handlung verroht den Menschen und ist entschieden unchrtstlich. Nur nervösen Menschen, die kein Blut sehen können, erscheint es grausam, wenn ein Thier sich verblutet. Sie halten die Reflexbewegungen desselben für den Ausdruck des Schmerzes. Ein Huhn, deni der Kopf abgedreht ist, tanzt noch lange ohne denselben herum, man wird unmöglich dem Thier ohne Kopf Bewußisesu zumessen können. In alten Zeiten wurde viel zur Ader gelassen. Jeder, der es sich hat machen lassen, weiß, daß es ganz schmerzlos ist. Das Verbluten galt früher für den schönsten und sanftesten Tod. weil er vollständig schmerzlos ist. Weshalb will man dem Thier diesen sansren Tod nicht gönnen und allgemein zu dieser Schlachtmethode übergehen, zumal es die rationellste Art ist, da nur vollständig auSgeblutetes Fleisch haltbar und bekömmlich ist." Oesterr.- Ungar. Monarchie. Wien, 2. Juni. Die Scencn, die sich im nieder-österreichischen Landtage abspielten, haben auch das Aeußerste überboten, was man seit einer Reihe von Jahren in der nieder österreichischen Landstnhe zu sehen gewohnt war. Die Gesellschaft, die heute oen Landtag beherrscht, hat den Ton der BraNntweinboutiquen in die parlamentarische Behandlung

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