Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 44 (5.6.1899)
- Date
- 1899-06-05
- Page
- Seite 835 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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WWWWW . -- »■ XL Jahrgang. 'M 44. Ein Der Israelit Gentrak-Hrgan für das orthodore Iudenlhum. Begründet von Br. ftefttttann in SK «ins Montag, de« 5. Juni 86SS (18S9). Leitender Artikel. ■m»s Juni ßnpilel non den Mnnderdewern. Wer möchte bestreiten, daß es ein recht ärgerliches Gefühl ist, hintergangen zu werden? Der Aerger wurmt um so mehr, wenn der Betrug auSgeübt wird von Menschen, welche die edleren Gefühle im Menjchenherzen, Treue, Glauben und Mitgefühl, für sich anrufen; wenn der Betrogene sich nicht selbst ob seiner sorglosen Unbedachtsamkeit als Mitschuldigen anklagen kann, weil er zu einer genauen Prüfung keine Handhabe hat, und wenn er endlich sich sagen muß, daß der Betrüger sein ebenso leichtes, wie verwerfliches Handwerk wahrscheinlich nicht eben erst begonnen, und sicher auch noch weiter fortsetzen und noch viele Andere beschwindeln wird. Sollte es da nicht ein gerechtes und sogar verdienstliches Werk sein, wenn es einmal gelingt, einen Schwindler auf frischer That zu ertappen, ihn dem strafenden Arme der Gerechtigkeit zu überliefern, damit er für seinen Frevel büße, damit Andere vor ihm geschützt bleiben, und damit die übrigen Betrüger an ihm sich ein warnendes Beispiel nehmen? Wie erhaben muß eine religiöse Anschauung sein, welche ihre Bekenner lehrt, ein solches Vorgehen nicht nur nicht zu billigen, sondern zu verpönen und die noch dazu verlangt, dem Betrüger dankbar zu sein, weil man seiner Pflicht gegen die ehrlichen Leute nur genügen kann, in dem durch die Betrüger gerechtfertigten Argwohn, daß man es in jedem vorliegenden Falle mit einem Schwindler zu thun haben könnte.!dwtc naio pnnji ixn Wie Recht unsere Weisen haben, von welch' unberechenbaren Folgen es sein kann, durch die Staatsbehörden einen Fälscher zu entlarven, und wie wenig damit den Schwindeleien anderer vorgebeugt wird, das sollte jüngst einer meiner Freunde erfahren, und ich halte es für angebracht, den Fall zu Nutz und Frommen mancher Kreise hier zu erzählen. Also mein Freund war mehrere Male nach einander von „Schnorrern" hintergangen worden. Das Hintergehen und Lügen gehört nun einmal zu diesem traurigen Berufe und zwar mehr durch die Gedankenlosigkeit und Hartherzigkeit der Geber, als durch die Skrupellosigkeit der Bettler. Ist denn ein Bettler, der sich einige Mark gesammelt, nicht ein ebenso bemitleidenswerther Mensch wie zuvor? Und doch muß er dir vorlügen, er habe nicht mehr das Geld zu einem Nachtlager, wenn er mehr als einige Pfennige von dir heraushaben will. Und doch regen wir uns immer wieder von Neuem auf, sobald wir angelogen werden. Also mein Freund war aufgeregt, weil er betrogen worden und nahm sich vor, an dem ersten Besten, der ihm in die Hände komme, ein Exempel zu statuiren. Dazu ward ihm bald Gelegenheit. Als er gerade geschäftlich in Anspruch genommen und dadurch ohnehin etwas gereizt war, kommt ein feiner Mann herein und bittet, unter Vorlegung seiner Papiere um Unterstützung. Daß die Zeugnisse, welche den Bitrsteller als einen unglücklichen Lehrer bezeichneten, nicht echt waren, fand das prüfende Auge bald heraus, und während der Mann noch auf die Entschließung des Herrn Chefs und seine Gabe wartet, kommt auch schon, durch das Telephon herbeigerufen, ein Diener der heiligen Hermandad, der den Verdächtigen festnimmt. Dieser gesteht auch wirklich die Fälschung ein und wird natürlich sofort in die Untersuchungshaft abgeführt. In dieser sitzt er gerade fünf Wochen, und wird dann, weil er schon einmal wegen Betrugs bestraft ist, auf Antrag des Staatsanwalts, zu vier Monaten Gefängniß ver-