Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 43 (31.5.1899)
- Date
- 1899-05-31
- Page
- Seite 831 (sequence 21)
- Language
- German
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831 lirter sich dem Ackerbau nicht widmen will, so kann er seine Parzelle verkaufen und mit seinem Paß in die Goldminen arbeiten gehen oder anders wohin. Der jüdische Deportirte erhält keinen Paß. Was kann er machen? Die meiste Zeit ist er für die Arbeiten des Ackerbaues untauglich und er besitzt fast niemals die nothwendigen Mittel, einen Kramladen zu eröffnen. In Jrkoutsk gerade richten sich die jüdischen Deportirten aller Arten unter den am wenigsten schlechten Bedingungen ein. Sie können frei alle Handwerke ausüben und sich dem Handel hingeben. Sie sind zahlreich genug, um in einer Gemeinde ihre religiösen Angelegenheiten zu ordnen. Aber der Schandfleck, der auf den falschen Söhnen des Vaterlands lastet, verfolgt sogar bis hierher die Söhne des auserwählten Volkes und es genügt eine Kleinigkeit, um ihre Ruhe zu stören und sie daran zu erinnern, daß sie nur geduldet sind. Afrika. Kapstadt. Die Aussichtslosigkeit der antisemitischen Agitation im Kapland sei hier durch ein drastisches Bild vorgeführt. In der anglikanischen Kathedrale predigte der Reverend Dean heftig gegen die Juden. Ein Sturm der Entrüstung aus dem Lager der —> Christen überschüttete den auf diese Wirkung wohl nicht gefaßten Priester, während die Juden mit stiller Resignation die weiteren Maßnahmen des Letzteren abwarteten. Sie kamen denn auch bald in Form eines nicht mißzuverftehenden pater percavi an den Rabbiner Dr. Bender, der die Epistel von der Kanzel herab seiner Gemeinde vorlas. In freier, männlicher, wir möchten sagen spezifisch englischer Art erklärte Herr Dean, daß, indem er die Veröffentlichung seiner Predigt durch die „Cape Times" verurtheilt, er sich gezwungen fühle, für die von ihm angeführten ebenso unrichtigen wie unberechtigten Auslassungen die Verzeihung der jüdischen Gemeinde zu erbitten, deren Wohlthätigkeitssinn ihn stets wohlthuend berührt habe. Mit diesem Brief allein sollte aber die Sache noch nichl abgethan sein. Einige Tage darnach proklamirte der Herr Dean von der Kanzel vor seiner gesummten Gemeinde, daß er, vierzig Jahre hindurch trügerischen Einflüsterungen gehorchend, in dem Wahne befangen gewesen sei, daß seine antisemitischen Auslastungen durch Autoritäten gedeckt wären, die nun ihrerseits dafür die volle Verantwortung tragen müßten. Sein naives Eingeständniß dieses vierzigjährigen Wahns vervollständigte er mit der ehrlichen Versicherung, eine unbedachte Aeußerung gethan und damit seine jüdischen Mitbürger verläumdet zu haben. Als das Haupt der englischen Kirche in Südafrika, neben dem Erzbischof, erklärte er, seinen Jrrthum eingesehen zu haben, und ohne Zögern sei er er bereit, vor allen seinen Freunden eine entsprechende amende honor&ble zu leisten. Literarisches. traue pbn bv »'^2 rtatP 'o V'pixr -ib:d nxzan bxt poon ,tib ny pnapi pari irnn cpxD b'&o p"p~i n*i iv-o bw ry rimo . p"D^ Die ersten zwei Theile dieses Werkewurden bei ihrem Erscheinen, in diesen Blättern bereits besprochen. Inzwischen ist der greise Verfaster V», ein durch Frömmigkeit und Gelehrsamkeit gleich ausgezeichneter Mann, in ein besseres Jenseits hinübergegangen und sein Sohn, Herr Rabbiner Victor Sußmann in Csuz, Ungarn, der auch die ersten Theile herausgegeben hat, läßt nunmehr die Fortsetzung erscheinen. Es sei gleich hier hervorgehoben, daß er sich dadurch nicht nur um das Andenken seines Vaters verdient gemacht, sondern daß er die haggadische Literatur um ein bedeutsames, höchst schätzenswerthes Werk bereichert hat. Was dieses Werk vor anderen ähnlichen auszeichnet, das ist die durchaus vornehme, leicht flüssige Sprache, die weder trivial noch gespreizt und schwülstig ist und den besten Mustern an die Seile gestellt werden darf, und dann die Fülle der schönen und geistreichen Gedanken, die durchaus dem modernen Empfinden Zusagen und im besten Sinne populär genannt werden dürfen. Auch ein gebildeter Geschmack wird diese Schrifterläuterungen und Midraschauslegungen mit Vergnügen genießen oder jeder Redner wird in ihnen eine Fülle neuer Anregungen finden. Vorausgeht ein tiefempfundener nvvn des Herausgebers auf den Verfaster, der uns ein charakteristisches und wahrhaft ergreifendes Bild von dem nw entrollt. Sodann folgen fünf zum Schabuothfeste. Den Hauptinhalt des Werkes bilden die haggadifchen Auslegungen zum 4. B. M. Der geschätzte und pietätvolle Herausgeber, der seinem Vater dies werthoolle Denkmal errichtet hat, verdient es, daß er durch reichen Absatz des Werkes für seine Mühen nnd Kosten entschädigt werde. —n— Anhaltische Bauschule Zerdsl Am 26. und 27. April fanden an hiesiger Bauschule die Abgang-Prüfungen vor der dazu bestellten Prüfungs-Kommission, unter dem Vorsitz des herzoglichen PrüfungS-Kommissars, Herrn Oberbaurath IanuSkowsky, aus Dessau, üatt. Von 39 Kandidaten bestanden 12 mit sehr gutem u. gutem, 23 mit befriedigendem Erfolg; i Kandidaten bestanden die Prüfung nicht.