Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 39-40 (18.5.1899)
- Date
- 1899-05-18
- Page
- Seite 759 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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759 wahr erzählt, daß Rabbi Mordechai sich nicht in seinem Gebete (er betete gerade das rrm stören ließ, als man ihm mittheilte, daß Weiland Kaiser Franz I. in die Altschul einqetreten sei, und daß er erst den erlauchten Gast nach Beendigung seiner Andacht begrüßte und segnete. Sein Sterbetag ist r> 2n des Jahres mtp. Er ist der Verfasser des ipzh po, ein Werk auf die insnbo und des wie -mo, ein Commentar auf das Rltualwerk '2112 ferner einer Sammlung von werthvollen jmuwii mW. Nur noch einige Greise und Greisinnen sind hier, die sich der hehren Gestalt unseres Rabbi zu erinnern wiffen. Nach allen Schilderungen von ihm haben wir allen Grund, mit dem Verfasser seiner Grabsteininschrist auszurufen uwi moy nto: '2 mo mn' w w. „Mögen Thränen meinen Augen entströmen, denn gefallen ist die Krone unseres Hauptes." Außer dem erwähnten Geisterheroen liegen noch hier 15 Landesrabbiner begraben, da Nikolsburg seit dem 16. Jahrhundert Sitz des Landesrabbinates und demgemäß nächst Prag die bedeutendste Gemeinde der böhmisch-mährischen Lande war. W:r wollen folgende der bedeutendsten hier ruhenden Männer erwähnen: 1. Juda Löb Eulen bürg, der Verfasser eines sehr gediegenen Werkes, nämlich dernrnrn r>mv, dasselbe enthält außerordentlich populär gehaltene Commentare auf Raschi zur Thora. Unter seinen Zeitgenossen wurde er wegen seine hervorragenden Kenntnisse s hr geschätzt. Der bereits im Stadium der Verwitterung befindliche Grabstein zeigt als Sterbejahr iw, welches dem bürgerlichen Jahre 1618 entspricht. 2. R. Pesachja ben Josef starb wv das ist im Jahre 1636. Kam als Rabbiner von Worms nach Nikolsburg, es find handschriftlich von ihm verschiedene rnpri erhalten. Bekannt ist er durch seine ungewöhnliche Selbstständigkeit in der Entscheidung ritueller Fragen. Ausführlich schreibt über diesen Mann Professor Kauffmann in Budapest in einem seiner Werke. Während seiner Wirksamkeit hat sich hier folgende, wahrheitsgetreue Geschichte ereignet: Es war im Beginne des 80jährigen Krieges. Kurz nach Ausbruch des Krieges kam Kaiser Ferdinand II. sammt Gefolge nach Nikolrburg und machte auch eines Tages einen Nundgang durch die Judenftadt. Als er die damalige „lange Gasse" (heute Hauptgaffi) pafsirte, da wurde plötzlich einer seiner Begleiter von einem Sterne getroffen. Der Kaiser, empört über diese ruchlose Handlung, kehrte sofort zurück und es wurde beschlossen, die schärfsten Maßregeln gegen die Juden anzuwenden. In der größten Roth machte sich der jugendliche- Rabbi Eljokum erbötig, sich als denjenigen zu bezeichnen, der den Stein nach dem Begleiter geworfen, um so die Gemeinde vor Grausamkeiten zu schützen. Der um die Gemeinde durch diese Thal hochberühmte Mann wurde wegen dieses, auf sich genommen n Verbrechens am nvv ny des Jahres v"ve> hingenchtt. Kurz vor der Hmnchrung erhielten die damaligen b'wig, rate auch der Chromkschreiber Israel ben Jsserles die Erlaubniß, den Deliqaenten besuchen zu dürfen. Von dem letzterwähnten ist noch die sehr correct geschriebene Ociginalschrift, in welcher er erwähnt, daß er selbst bei Eljokim vor der Hinrichtung war, erhalten. Unser Märtyrer bat die ihn Besuchenden nur eines, man möge nämlich neben seinem 12p noch einen Platz für seine damals noch lebende Mutter reseroiren. Beide Grabsteine sind noch ganz gut erhalten. Der Hingerichtete ist hier unter dem Namen mp'by '21 cn-ip bekannt. P a l ä st i n a. Jerusalem, i.n April. Gestatten Sie mir, die Aufmerksamkeit Ihrer Leser auf ein Hospital zu lenken, das soeben in Tiberias gegründet worden ist. Ein Hospital ist kein Luxusobjekt für eine Stadt wie Tiberias, welche 208 Meter unterhalb des Niveaus des Mittelländischen Meeres gelegen, infolge dessen tropischen Hitzen ausgesetzt ist. Diese Hitzen bilden eine Quelle vieler Krankheiten, und diese Krankheiten werden noch verstärkt durch du Unreinlichüit der Stadt und der Wohnungen. Tiberias zählt ungefähr 5 .00 Einwohner, von denen mehr als 4000 Israeliten sind: es ist eine vollkommen jüdische Stadt. Die Abwesenheit einer jeden Industrie und die traurige Lage des Handels berauben die Bevölkerung aller Erwerbsquellen; der größte Theil der Einwohner ist außerordentlich arm. Das Klima, die Unceinlichkeit und die Armuth wetteifern die Krankheiten zu verstärken, die epidemieartig über düse unglückliche Bevölkerung hereingebrochen. Auch solche, die überall gutartig sind, nehmen hier einen sehr schweren Verlauf: die Sterblichkeit ist in dieser Unglücksstadt erschreckend groß. Neulich rafften die Masern eine große Zahl von Kindern weg, und die Dysenterie bereitete vielen Erwachsenen ein jähes Ende. Die reinere Luft und die gesundere Einrichtung eines Hospitals würden viele von ihnen gerettet haben. Trotz all' dieser traurigen Verhältnisse kommen alljährlich sehr viele Kranken aus allen Gegenden Palästinas hierher. Und zwar geschieht dies wegen der 20 Minuten von der Stadt entfernten heißen, schwefelhaltigen Bäder, die mit denjenigen von Carlsbad verglichen wurden und wirklich wohlthuend sind, besonders bei Rheumatismus, verschiedenen Arten von Paralyse und Hautkrankheiten. Die armseligen Stuben, die sich neben den Bädern befinden, werden sehr theuer vermiethet (ungefähr 60 FrcS. monatlich für eine Kammer, in welche der Wind und der Regen frei eintreten.) Die armen Kranken finden bei ihren Glaubensgenossen in Tiberias keine Unterstützung.