Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 39-40 (18.5.1899)
- Date
- 1899-05-18
- Page
- Seite 731 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XL. Jahrgang. M:S9 & 40. das n- Der Israelit. Ein Gentrak-Hrgan für das orthodore Iudenthum Begründet von ür. felttumn in fXtnin} Donnerstag, de« 18. Mai 5659 (1699). Unsere nächste Nummer erscheint Donnerstag, den 25. Mai. Leitender Artikel. NWrWihk Kmklksirril jim Küche Kith *) Von Rabbiner Dr. A. Cohn—Basel. Als wir nach der Vorschrift unseres heiligen Religionsgesetzes am m^r^Feste das Buch Ruth lasen, da wird wohl schon mancher sich die Frage vorgelegt haben, warum haben unsere Weisen das Buch Ruth gerade zur Lektüre für das Fest der Offenbarung bestimmt? Wie kommt das Veilchen zu der Ceder am Libanon? Warum wird an dem Tage, der uns jenen weltgeschichtlichen Moment vor Augen führt, in welchem unter dem Aufruhr der Elemente der allmächtige Gott sich unseren Vätern offenbarte, die einfache, schmucklose Erzählung von Ruth gelesen, die ihrer Schwiegermutter so edelmüthig im Unglück folgt und der reicher Lohn dafür zu Theil wird? Sollte der Zusammenhang zwischen dem Feste und seiner Lektüre wirklich nur ein rein äußerlicher sein, nur darin bestehen, daß der König David, dessen Stammmutter Ruth gewesen, am nunov'-Fest gestorben ist? Wir vermögen es nicht zu glauben. Versuchen wir es einen inneren Zusammenhang zu finden. Kein Festtag ist so geeignet, das jüdische Herz mit dem Hochgefühl des Stolzes zu erfüllen, als das Fest der Offenbarung. Was wäre die Menschheit ohne diesen Tag und ohne uns, die wir willig das schwere, aber heilige Amt auf uns genommen haben, *) Unter Benutzung des 'an ann ond "irva'öi? non,, yiiNtttN&a pwj*ajn .y n. die Gotteslehre zu verbreiten auf Erden? Was haben die anderen Völker für die Entwicklung der Menschheit gethan, wenn wir ihre Leistungen auf dem Gebiete von Kunst und Wissenschaft noch so hoch anschlagen, im Verhältniß zu uns, die wir die Völker den Glauben an Gott lehrten und damit Moral und Sittlichkeit fest begründeten im Menschenkreise? Darum, um uns vor Stolz und Uebermuth zu bewahren, geben uns unsere Weisen an diesem Feste mit Vorbedacht das Buch Ruth in die Hand, das uns eine Heidin, eine Moabitin, vor Augen führt, die unter dem Einflüsse ihrer jüdischen Schwiegermutter die herrlichsten Charaktereigenschaften entfaltet und schließlich zum Judenthum Übertritt. Von dem engen Kreise unserer Volksgenossen lenkt das Buch Ruth unsere Blicke auf die andern Völker, lehrt uns, keine Nation gering zu schätzen, da aus dem verachteten Stamm der Moabiter Gott diejenige erwählt hat, die er zur Mutter des Davidischen Königshauses gemacht hat, welchem das jüdische Volk seine Herrscher verdankt und dem einst der Messias entstammen wird. Am Tage der Offenbarung lehrt uns das Buch Ruth, an die Menschheit zu denken. Wohl ist die Thora uns Israeliten gegeben worden, aber, wie schon die Alten sagen ,ipvn mpoa ,-q-®2, in der Wüste, an einem Orte, der keines Menschen Privateigenthum ist, denn die Thora soll dereinst das Gemeingut der ganzen Menschheit werden. Dies ist wol auch der Sinn des schwierigen 117 Psalms: 'rbv "oa d D’taRn ba imrcr via ha ri mt abbn *n n&m non in der allgemein üblichen Uebersetzung „Lobet Gott alle Völker, rühmt ihn alle Nationen, denn groß war über uns seine Liebe, und die Wahrheit Gottes ist für ewig, Hallelujah."