Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 52 (3.7.1899)
- Date
- 1899-07-03
- Page
- Seite 1015 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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1015 scheint es oft wie eine Oase in dürrer Wüste, wenn sich Personen durch Tugend und Frömmigkeit und edlcS Wohlthun besonders auszeichnen. Zu dieser kleinen Betrachtung werden wir durch den vor kurzem erfolgten Tod der Leopold Stiefel Wwe. von hier, geborene Lazarus, gestorben in Königsbach bei Pforzheim veranlaßt. Dieselbe war eine rrx im echten Sinne des Wortes, eine Frau, wie sie König Salomo in den Sprüchen Kap. 31 nicht bester zeichnen konnte. Mit einem streng religiösen Leben, zu welchem sie durch ihr Leiborgan, den „Israelit" stets neue Nahrung erhielt, verband sie eine Wohlthätigkeit, die oft ihre Verhältniste überstiegen. Keiner, der sich in dieser Beziehung an sie wandte, ging leer aus. Auch in berathender Weise hat sie Viele auf die richtige Spur geführt. Deshalb erwarb sie sich, sowohl hier in ihrer Heimathgemeinde, als auch in Königsbach, wo sie die letzten fünf Jahre ihres Lebens bei ihrer Tochter zubrachten, die Liebe und Achtung Aller, die sie kannten. Ihre schweren Leiden ertrug sie mit Geduld und Gottergebenheit, und wollte in schonender Weise ihrer Umgebung keine Mühe verursachen. Sie ruhe in Frieden. ftssün Fürth Dem vierten Rechenschaftsbericht für das Jahr 1898 des Landesvereins zur Unterstützung isr. KultuSgemeinden in Bayern entnehmen wir: Auch im Jahre 1898 dem vierten seines Bestandes, konnte der Landesverein mit der Hilfe des Himmels und durch die eifrige Mitarbeit zahlreicher Glaubensgenosten seiner Aufgabe Nachkommen. Von den 49 eingelaufenen Unterstützungsgesuchen wurden mit Ausnahme eines einzigen, bei welchem die betreffende Gemeinde selbst für hinlänglich leistungsfähig bezeichnet wurde, als berücksichtigt und mit ^800 Mark bedacht. Es sind sohin im ganzen bisher 22.il0 Mark an Unterstützungen bewilligt worden; ein kleiner Theil davon ist noch nicht erhoben, da die Vorbedingungen dazu noch nicht erfüllt sind. Es sind damit ohne Zweifel dem Kultus und Religions-Unterrricht in ungefähr 1/l0 der israel. Kultusgemeinden Bayerns ein wesentlicher Vorschub geleistet worden; diese Thatsache und die stattliche Anzahl von Gesuchen um Zuschüsse, welche schon wieder für 1899 vorliegt, zeigt, einem wie dringenden Benürfnisse der Landcsverein entspricht. In der Frage, ob im städtischen Schlachthause zu Hof das Schächten durch eine ortspoUzeeche Vorschrift unmöglich gemacht werden dürfe, ist es gelungen, eine günstige Entscheidung des Königlichen Staatsministeriums des Innern herbeizuführen. Der Landesverein dankt Herrn Rechtsanwalt Ofner (München) auch an dieser Stelle bestens für feine erfolgreiche uneigennützige Vertretung der guten Sache. Feattkfurt a. M. Von Herrn E. Bunimowitfch, Sofer, erhalten wie folgende Zuschrift: In Nr. 44 Ihres gesch. Blattes berichten Sie unter „Vermischtes" über die Einweihung einer von mir geschriebenen rrnn ibd. Der in diesem Berichte angegebene Preis der ri'v von Mark 1500 beruht jedoch auf einem Jrrthum, da in der That dieselbe incl. einer Gratification von Mark 100, Mark 2000 kostete. O e st e r r.- U n g a r. Monarchie. Aus Mährett, 26. Juni. Dr. Lazarus, Rabbiner in Göding, kann einer That sich rühmen, welche wohl wenigen, vielleicht keinem seiner Amtsgenosten gelungen ist, nämlich — die Abschaffung der Orgel — in der erwähnten Gemeinde Göding. Und wahrhaftig, würde es nicht von glaubwürdiger Seite erzählt worden sein, man wäre fast versucht ungläubig den Kopf zu schütteln. Bedenkt man, daß die Orgel das ganze Um und Auch der Reformgemeinden, ihr fast ausschließliches Glaubensgebäude, ihre kostbarste.'!! Errungenschaft, ihr ganzer Stolz ist, dann ist es ein wirkliches Meisterstück, welche» da Dr. Lazarus vollbracht hat, dann hat er etwas fast Unmögliches möglich gemacht. Hier zeigt sich eben die Kraft, die dem Hildesheimer'schen Schüler innewohnt, denn nicht gewagt ist es, zu behaupten, daß die aus den meisten anderen Seminaren au»- tretenden Rabbiner nicht den Muth hätten, eine schon bestandene Reformeinrichtung, an welcher die Reformer mit beispielloser Zähigkeit festhalten, durch ihren Einfluß abzuschaffen. Es ist aber auch zugleich zu ersehen, daß bei halbwegs ernstem Willen der Rabbiner, bei Energie und Ausdauer die Möglichkeit geboten ist, eine neologe Gemeinde ihres Reformenthums zu entkleiden und die auf Zerklüftung hinzielenden Neuerungen abzustellen. Prag. (Vereinigung der Prager Synagogen.) In Folge der Assanirungsmaßnahmen sind fünf israelitische Bethäuser in ihrem Bestände bedroht; sie müssen entweder umgebaut oder, wie die Neu-Synagoge, ganz niedergeristen werden. Die schon seit dem Jahre 1892 bestehenden Bestrebungen zur Fusionirung aller Synagogen haben bisher zu keinem Ziele geführt. Darin ist nun eine Wandlung eingetreten. Am 31. Mai hat die Cultusrepräsentanz die Vorsteher jener fünf Synagogen, und zwar der Neusynagoge, der Zigeunersynagoge, der Pinkassynagoge, der Hochsynagoge und der Großen Hofjynagoge zu einer gemeinsamen Besprechung eingeladen, deren Resultat war, daß sich die Vorsteher dahin einigten, einen eventuellen Neubau der CultuSrepräsentanz als solcher zu überlasten und das gesammte Vermögen der einzelnen Synagogen der Repräsentanz zum Baue neuer Beihäuser zu übergeben. Die