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Der Israelit · 1899-05-12 · Heft 37-38 (12.5.1899) · p. Seite 707

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 37-38 (12.5.1899)
Date
1899-05-12
Page
Seite 707 (sequence 9)
Language
German
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Mi. Jahrgang. Erste Beilage ju ßs 37 5- M ües „Israelit". Leitend er Artikel. Akdomuth. Von Hermann Löwinger, Frankfurt a. M. Akdomuth! Wen muthet dieses Wort nicht an, wie Blättergrün und Blumcnduft! Bei welchem gläubigen Israeliten erweckt nicht die Jahrhunderte alte, noch immer schöne und anheimelnde Melodie des Akdomuth am Schowuothfeste, nach altjüdischer Weise vorgetragen, die angenehmsten Gefühle und Erinnerungen! Erinnerungen an die Jugendzeit, wo man mit der ganzen Gemeinde die ihr ungeläufige in aramäischer Sprache beschriebene Akdomuthhymne recitirte, und zugleich mit gespannter Aufmerksamkeit den wundersamen Klängen derselben gelauscht! Akdomuth! Vor mir steht noch die alte Synagoge meiner Vaterstadt, deren Wände mit Hunderten von Blumentöpfen und grünen Blumenzweigen dekorirt waren, die großen gelben Leuchter mit Blumenkränzen geschmückt, der Oraun Hokodesch und Almemor in einen Rosengarten umgewandelt. Ich fühle noch das betäubende Aroma der am Fußboden der Synagoge gestreuten „Kugelkräuter" und den berauschenden Duft der vielen Blumen. Das kleine Wörtchen Akdomuth zaubert uns den Sommer mit seiner Blumenfülle und seinem Blätterschmucke vor Augen und entfaltet in uns die farbenreichsten Bilder aus der Kindheit schönen Tagen. Mit welcher heiligen Weihe wurde in früheren Zeiten von der festlich gestimmten Gemeinde das Akdomuth recitirt, diese schöne Hymne, die mit den Worten beginnt: , xnittni |öT7 xb'x xirw rv'vtn pbz rro-px .xrwpb nv «ci «2-1 -122 Kji*ep:2 nrifiKi -brr, nr 222 „Im Anfänge der Worte (Zehngebote) bevor ich sie zu sprechen beginne, bitte ich zuerst um Genehmigung und Erlaubniß. Mit einigen Worten will ich sie einleiten und sprechen schüchtern von der Heiligkeit des Schöpfers, des Weltenerhalters bis ins graue Atter." Mit welcher Andacht erbat sich die Gemeinde die Erlaubniß, solche heiligen Sprüche des Allerhöchsten, vor den 71112-« ritnr mit entweiheten menschlichen Lippen nachzusprechen! Mit Blumen und grünem Laub geschmückte Synagogen haben wir zwar auch in unserer Zeit, auch das Akdomuth nimmt noch wie früher in unseren Schowuothgebeten einen hervorragenden Platz ein, doch wie viele gibt es noch, die den Geist dieses Lobliedes richtig erfassen oder gej nügend würdigen? Nur ganz Wenige, und darum j wird es oft nicht mit dem richtigen Verständniß, nicht mit der ihm gebührenden Weihe recitirt, obwohl das xiTttri xib'pv xb'.x in unserer jetzigen so wenig glaubenstreuen Zeit doppelt am Platze wäre. Nach dieser kleinen Einleitung wollen wir uns mit der Entstehung der Akdomuth und dessen Inhalt des Näheren befassen. Ueber die Person des Verfassers der uralten Akdomuthhymne finden sich nur spärliche Daten und von dieser selbst wird unseres Wissens nur in -ntn ''v L"n nun 2m me Erwähnung gethan. Nach Heidenheim ist der Verfasser des Akdomuth ein yv “wo '21 Rabbi Meier Scheliach Zibur (Vorbeter) Sohn des Rabbi Jizchak, welcher Name (beim Beginne sind die Verse nach dem Aleph Beth gedichtet) zu Ende der Akdomuthhymne in den Anfangsbuchstaben der Verse enthalten ist. Da, wie oben erwähnt, der Verfasser ein iias n*r war, so hat dieser vermuthlich auch die schöne Melodie zu seiner Akdomuthhymne componirt. Rabbi Meir verkündet in seiner Akdomuth zuerst das Lob des Weltenschöpfers, indem er von der Erschaffung der obersten himmlischen Heerschaaren, der Engel, erzählt. Dann wird der Schöpfer für die Erschaffung der unteren Wesen, der Menschenkinder, besonders aber für die des auserwählten Volkes besungen, welches er höher als die himmlischen Wesen stellt. Dies drückt der Verfasser unseres Liedes in den Worten aus: rrb pT2y Knjnpan p2'an rrrJDRK ip' 213? swiypBM nj-?2 rracn „Schätzbar ist das Volk, das er zum Eigenthum sich erkoren, beständig mag es seine Heiligkeit preisen beim Auf- und Niedergang. Er hat es . auserlesen für sich selbst, daß stets es verkünde seines Ruhmes Wunderthaten." Nun folgt die Schilderung der unerschütterlichen Glaubenstreue und der Standhaftigkeit Israels, wie es seinen Widersachern trotzte, wie Feuer und Schwert, Mord und Plünderung es nicht vermochten, es von seinem Väterglauben abwendig zu machen, wie es aber auch den süßen Schmeichelreden ihrer Verführer widerstand, ja sogar dieselben durch ihre Arguinente zu widerlegen sich bestrebte, wie es endlich, von einem festen Vertrauen auf Gott beseelt, auf eine schöne glückliche Zukunft seine Hoffnung setzte, was der Verfasser des Akdomuth mit den Worten: nv psim ' »nyiBr k'co 12 'b na»« xrrz-, «r"2» K«n bzp K2‘trn „Wie unbedeutend ist euere Hoheit zu achten, im Vergleiche jener Höhe, jener Größe, zu welcher er mich einst emporhebt, wenn seine Hilfe mir kommt," in höchst poetischer Weise zum Ausdruck bringt.

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