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Der Israelit · 1899-05-12 · Heft 37-38 (12.5.1899) · p. Seite 705

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 37-38 (12.5.1899)
Date
1899-05-12
Page
Seite 705 (sequence 7)
Language
German
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Feuilleton. iebet eure Weinde." ^Eine apologetische Erzählung •#•• •# •#•• Von Avnolv M«nn 12) Nachdruck verboten. Wegner blieb in einer unbeschreiblichen Stimmung zurück. Wahrhaftig! Feist war nicht nur gut und selbstlos, er war auch weise. Er schaute einem gleich bis in den Grund der Seele hinein, man konnte ihm nicht böse werden! Noch war Wegner mit seinen Gedanken beschäftigt, als Feist auch schon zurückkehrte. „Besorgt!" rief er, „aber weißt Du, weshalb ich nochmals zu Dir komme? Nun, wenn Du meinem Rathe folgen willst, dann setzest Du Dich sofort wieder auf die Eisenbahn und fährst zu Rubo. Sicher ist sicher!" „Da hast Du wieder recht, Feist! Ob ich den Neun-Uhr-Zug noch erreiche?" fragte er auf die Uhr schauend. „Wenn Du Dich sehr beeilst, kann's fein!" Rasch gab Wegner dem Mädchen noch einige Aufträge, dann schritt er mit Feist auf die Straße. Dieser begab sich in seinen Laden, Wegner aber eilte zum Bahnhof. Als er eine halbe Stunde später an der Dreikönigftraße in H. vorüberging, mußte er unwillkürlich an den gestrigen Nachmittag denken. Er lächelte still vergnügt in sich hinein, als ob er sagte wollte: Ich weiß, was ich weiß! Das Geschäft bei Rubo war glatt abgewickelt und Wegner machte sich auf den Rückweg. Wir kennen unsren Freund bereits als Liebhaber eines erfrischenden Trunkes. Dieser Liebhaberei durfte er doch jetzt nicht entsagen, wo ihm ein so gutes Geschäft in Aussicht stand! Der Tag hatte gut begonnen, er mußte beim Glase gefeiert werden. Zum nächsten Zug nach Göllheim harte er noch eine Stunde Zeit. Schon ging er wieder auf jenes Restaurant an der Ecke der Dreikönigstraße zu, von dem aus er damals Biesfeld und Görbig hatte vorübergehen sehen, als er plötzlich stehen blieb! Nein! Dahinein nicht. Wer weiß, vielleicht kommen die Beiden hierher! Sie sind jedenfalls in gefährlicher Nähe und er will mit ihnen nichts mehr zu schaffen haben. Ein für alle Mal nicht! So ging er denn weiter und betrat eine kleine Gastwirthschaft gegenüber dem Bahnhof. Wie groß war sein Erstaunen, als er unter den wenigen Gästen, die in dem niedrigen Raum fick niedergelassen hatten, sofort Paul Biesfeld erblickte! Konnte er denn dem Menschen nicht entgehen? Biesfeld, der sich gerade, an einem Paar dampfender Würstchen erquickte, war schon aufgesprungen, hatte Wegner mit lauter Freude begrüßt und auf einen Stuhl an seinem Tische genöthigt. Es war kein Entrinnen möglich. „Noch immer hier oder schon wieder hier, lieber Wegner?" fragte er und aß gemächlich weiter. „Schon wieder!" lautete die Antwort. „Na, da fahren wir wohl jetzt zusammen?" fragte Biesfeld weiter, „wann geht der Zug?" „11 Uhr 35!" Wegner bestellte sich eine halbe Flasche Wein und trank bedächtig Glas um Glas, indeß Biesfeld sein Frühstück verzehrte. „Weshalb so schweigsam, Freundchen? Ist Ihnen der gestrige Nachmittag schlecht bekommen?" wandte sich der Agitator endlich wieder zu Wegner. „Schlecht bekommen?" wiederholte dieser, „das gerade nicht, aber zu denken hat er mir gegeben!" „Nicht wahr?" griff Biesfeld sogleich wacker zu, „So was regt einen ehrlichen Deutschen auf?!" Der Liebe Müh war also in der That nicht umsonst gewesen, stellte Biesfeld in seinem Innern jubelnd fest. Wie erstaunte er aber, als er Wegner plötzlich mit fester Stimme, aus der ein gewiffer Unmuth deutlich herauszufühlen war, sagen hörte: „Ach, lassen Sie mich mit Ihren „ehrlichen Deutschen" zufrieden! Die Juden sind eben so ehrlich, wie Sie und ich!" „Nanu?" machte Biesfeld gedehnt, „das klang doch gestern ganz anders!" „Ja, gestern!" antwortete Wegner, „aber inzwischen hat sich etwas ereignet, was mich wieder anderen Sinnes gemacht hat!" „Und das wäre?" Wegner erzählte nun haarklein, wie Feist ihm zu dem Holzkauf bei Rubo gerathen habe, wie er ihm das Geschäft plausibel zu machen wußte und ihn auch jetzt wieder zur persönlichen Abmachung bei Rubo veranlaßte, obwohl der Kauf vorher telegraphisch aufgetragen war. Das könne ihm Keiner ausreden, schloß Wegner, daß Feist ein Mensch sei, wie er selbstloser, edler und klüger nicht weit un) breit zu finden fei. So lange die Juden solche Kleinodien von Wesen in ihrer Mitte hätten, müßte man sie achten und ehren, wenn sie auch nicht ganz frei von Fehlern seien. Mit haarscharfer, durchdringender Aufmerksamkeit war Biesfeld den Eröffnungen und Geständniffen Wegners gefolgt. Er spähte schon wieder nach einem

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