Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 35 (4.5.1899)
- Date
- 1899-05-04
- Page
- Seite 675 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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«MPWWWWWWHMWMWHWMUW» V XL.'JahrglMg. Zweite Leilagk;u M 35 -es „Israelis. Literarische Umschau. I,. Ein unleugbares Verdienst der in den verschiedenen Städten erstandenen jüd. Literaturvereine ist es, wenn neuerdings die jüdische Geschichte wieder größere Pflege findet. Ganz besonders ist es die Lokalgeschichte, der sich die Forscher mit Liebe und Hingebung zuwenden. Dabei machen wir die erfreuliche Wahrnehmung, daß diesein Forschungsgebiet auch Solche sich zuwenden, die der gesetzestreuen Richtung angehören und hierdurch den Beweis erbringen, wie nothwcndig es ist, daß jüdische Geschichte mit jüdischem Herzen und jüdischer Gesinnung geschrieben werde. Zwei Monographieen, welche diesem Gebiete angehören, haben in jüngster Zeit die Presse verlassen; wir wisien uns im voraus der Dankbarkeit des Leserkreises versichert, wenn wir seine Aufmerksamkeit auf diese Erzeugnisie der modernen Geschichtsforschung hinlenken. Die erste Schrift nennt uns als Verfasier einen Rabbiner, dessen gemüthvolle Denk- und Schreibweise, wir bisher nur auf dem Gebiete der Predigtliteratur zu schätzen Gelegenheit fanden. Dr. S. Carlebach, Rabbiner in Lübeck, hat im dortigen JünglingSverein feit acht Jahren Vorträge gehalten, die er nun dem größer« Publikum zugänglich macht. *) Ja der Vorrede sagt zwar der Verfasser, daß die Veröffentlichung zunächst nur für die Angehörigen seiner Gemeinde erfolgt. Referent gesellt sich aber mit großer Freude auch jenen Lesern zu, „welche, trotz der ermüdenden Eintönigkeit und Gleichmäßigkeit der Schicksale aller Jakobsgemeinden, dennoch freudig jedes weitere Denkmal begrüßen, welches der religiösen Hingebung und dem unerschütterlichen Gottvertrauen auch ihnen fernstehender Heimgegangener Geschlechter errichtet wird." Die ältesten Nachrichten über Juden in Lübeck führen in die Zeiten des schwarzen Todes zurück. Von da an begegnen uns nur vereinzelte jüd. Persönlichkeiten dieser Stadt, bis im Jahre 1699 eine vollständige Austreibung stattfand. In jene Zeit fällt die erste Niederlaffung von Juden in dem benachbarten Moisling, wo allmählich eine jüdische Gemeinde mit allen hierzu gehörigen Institutionen sich *) Gesch ichte d er Juden in Lübeck undMoisling, dargestellt in 9, in dem Jünglings-Verein (Ebevras Haschkomoh) zu Lübeck gehaltenen Vortragen von Rabbiner Dr. S. Carlebach (Lübeck 1898). bildete. Die Moislinger Juden standen unter dänischer Herrschaft, hatten aber die Schicksale Lübeck'« mitzutragen, mit welchem sie durch ihre Handelsbeziehungen und geschäftliche Thätigkeit in naher Berührung blieben. Diese Bande knüpften sich enger, als Moisling im Jahre 1806 mit Lübeck staatlich vereinigt wurde. Aber auch die in der Stadt wohnhaften Juden hatten unter der Unduldsamkeit und Reaktion zu leiden; 1816 erfolgte ein Ausweisungsdekret. Zwischen den Moislinger und Lübecker Juden erheben sich in den folgenden Jahrzehnten Streitigkeiten wegen Verlegung des Rabbinatssitzes; erst 1858 zieht Rabbiner Adler in die Stadt, 1680 wird die neue Synagoge eingeweiht. Alle diese Kämpfe, die diesem Endziel vorangingen, die Verhandlungen mit dem Senat und die Schwierigkeiten, die innerhalb der jüdischen Gemeinde hervortraten, werden eineghend und in lebhafter Schilderung vorgeführt. Mit besonderer Liebe verweilt der Verfasser bei dem Leben und Wirken seines Vorgängers, des in weilen Kreisen bekannten Rabbi Sußmann Adler Auch die früheren Rabbinen von Moisling werden aufgezählt; wobei ich ergänzend hinzufüge, daß der S. 33 genannte Rabbiner R. Jaakof Joseph b. Arje Löb von Lublin einer hochberühmten Gelehrtenfamilie angehörte; er war ein Urenkel des hohen R. Löw von Krakau und ist Verf. des Buches 'n nmn über Mckah (Frankfurt a. O. 1743). Die Kämpfe um die Emancipation sind im Buche sehr eingehend gewürdigt und liefern intereffante Beiträge zu diesem Kapitel der jüdischen Geschichte. Es erübrigt mir nur noch zum Schluffe, das Werk zur Anschaffung angelegentlichst zu empfehlen; jeder Freund unserer Geschichte wird dasselbe mit steigendem Jntereffe lesen und dem Verfasser für reichliche Belehrung und Unterhaltung aufrichtigen Dank missen. Die zweite Monographie führt uns nach Bayern in eine neu aufblühende jüdische Gemeinde. Auch Rabbiner Dr. Stein in Schweinfurt hat im dortigen Verein für jüdische Geschichte und Literatur über die Geschichte der Juden seines Wohnortes Vorträge gehalten, die uns nun in schöner Ausstattung gedruckt vorliegen. **) Die erste Erwähnung von Juden in Schweinfurt fällt in's Jahr 1212, wo ein Jude Abraham **) Geschichte der Juden in Schweinfurt. Zwei Vorträge, gehalten im Verein für jüdische Geschichte und Literatur zu Schweinfurt — von Dr. S a l o m o n Stein, Distrikts-Rabbiner. (Frankfurt a. M., 1899. I. Kauffmann).