Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 35 (4.5.1899)
- Date
- 1899-05-04
- Page
- Seite 670 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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670 zum Jahre 1868. Die Familien seines Vaters und Oheims bildeten dort seine einzigen Glaubensgenossen und sonst wohnte bis auf Stunden weite Entfernung rings herum keine jüdische Seele. Und doch haben diese wenigen Familien, ohne Anregung, ohne Lehrer, ohne Gebeihaus, nicht nur strenge alle Religionsgebote beobachtet, sondern Horwitz hat auch selbst seine Kinder im Jüdischen so weit unterrichtet, daß sie beten und die Gebeten verstehen konnten. Aber auf die Dauer hielt er es doch nicht dort aus und im Jahre 68 zog er mit seiner Familie hierher. Hier zählte er mit seinen Kindern zu den ständigen Besuchern des Gotteshauses, und wenn Horwitz einmal beim Gebete fehlte, dann war er sicher nicht wohl. Wenn in den letzten Jahren die Seinigen ihn bei schlechtem Wetter, bei Sturm oder Regen, bei Glatteis oder Schneegestöber zu Hause halten wollten, dann meinte er, ein alter Soldat müsse regelmäßig beim Appell erscheinen und sich durch nichts behindern lassen. Daß er ein tüchtiger Soldat gewesen, der mehrere Feldzüge in Schleswig-Holstein mitgemacht, das bewiesen nicht nur seine Ehrenzeichen, sondern auch seine stramme Haltung, die er sich selbst als Greis bewahrte. Er verstand auch zu allarmiren. Nicht mit der Kriegstrompete, sondern mit dem Schausor, das er noch als beinahe Achtzigjähriger mit Leichtigkeit handhabte. Wenn er am Ausgange des Versühnungstages durch die Tkioh den Schluß des hehren Tages verkündet hatte und so Viele dann eilig die Synagoge verließen, dann pflegte er immer an seinen Aufenthalt in Neustadt zu erinnern. Von dort war er regelmäßig am Jaum-Kippur mit seinen Kindern zu Minjan nach dem reichlich zwei Stunden entfernten Eutin gekommen, und hatte am Ausgange des Fest- und Fasttages den weiten Weg nach Hause zurückzulegen, so daß er mitunter 2—3 Stunden später erst zum Imbiß gelangte. Doch hat ihm das nichts geschadet und er hatte alle Aussicht, im Laufe dieses Jahres seine goldene Hochzeit mit seiner frommen Frau und bald darauf seinen 80. Geburtstag feiern zu können. Es sollte nicht sein. Seit Peßach war er nicht recht wohl, lag abwechselnd zu Bett, war dann wieder auf, besonders zum Gebet. Noch am Mittwoch erhob er sich, um außer dem Bette Tefillin zu legen. In der Nacht jedoch verschlimmerte sich sein Zustand und umgeben von seinen ihn verehrenden Kindern und Enkeln schlummerte er gestern hinüber in die Ewigkeit. rraxui > Vermischtes. Bre-la« Die einzige antisemitische Zeitung Schlesiens, das hiesige „Deutsche Volksblart" ist au- Mangel an Abonnenten eingegangen. Kaste! Hierselbst wird das Waisenhaus im Spätsommer sein neue- Heim beziehen. Dem rührigen Kuratorium der Anstalt war es ermöglicht, in aller Stille die Mittel zu einem zeitgemäßen Neubau zu beschaffen. Wien, 1. Mai. Seine k. u. k. apostolische Maj. der Kaiser, geruhte allergnädigst den Oberst Heinrich Porgeö, Fest.-Art.-Tirector in Premiss, zum Generalmajor zu ernennen. zrrakau Nach langen Bemühungen seitens der „Fort schrittler" ist es diesen gelungen, eine Einigung zwischen ihnen und den Ehasidim herbeizuführen. Das Ergebniß derselben ist folgende-: Es werden drei chasidische a’rn in den Gemeindevorstand ausgenommen. Zum Rabbiner der Gemeinde wird Herr Eh. L. Horowitz ’"J auf Lebenszeit und zum Prediger an dem „fortschrittlichen" Tempel Herr Dr. O. Thon auf drei Jahre ernannt. Der Krakauer Rabbinersitz war seit dem Tode des "idid jiynier n 'in rv'teo ncniDnn }run ]m der bekanntlich auch Reichsrathsmilglied gewesen ist, verwaist. Aus Budapest wird gemeldet, daß Moritz Scharf, der in dem Tisza - Eszlarer Prozeß als Kronzeuge gegen seinen Vater Josef Scharf aufgetreten war, in Amsterdam gestorben ist. Moritz Scharf hatte nach Beendigung des Prozesses als 14jähriger Knabe Ungarn verlassen und war von seinen Eltern nach Amsterdam gebracht worden, woselbst er die Diamantschleiferei erlernte. Skala in Galizien, llnser armes Städtchen ist am 23. v. M. total abgebrannt: 180 Häuser sind bis aufs Fundament eingeäschert, etwa 4000 Glaubensgenossen campiren auf freien Feldern. Die HungerSnoth ist schrecklich. London, 30. April. In der heute stattgefundenen General-Versammlung der großen Synagoge (Dukes Place Synagogue) wurde dem seit einer Reihe von 28 Jahren fungirenden ersten Vorsänger Rev. M. Haft als Zeichen allgemeiner Anerkennung und Hochachtung ein Testimonial von Lstr. 500 überreicht. Briefkasten der Redaktion. M. K. in D.: In unserer Gegend ist der Gebrauch, die Barmizwoh nur am ratf zu feiern. Briefkasten der Expedition. Ungenannt aus G M. 10.—- erhalten und wie ge wünscht verwendet. M. St. in fr.: Betrag von M. 5. dankend empfangen. Psirkhairs Streng rituelles Etablissement I. Ranges. Mit Genehmigung Sr. Ehrwürden Herrn Landrabbiner Dr. Rülf, unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Auerbach— Halberstadt. In schönster Lage, ruhiges vornehmes Haus am Walde und der Promenade, 46 eleg. Salons mit 36 Balcons, große Veranda, extra gute Berpflegnng Volle Pension incl. Zimmer von 6.50 M. an. Samstags Gottesdienst. ErSffnnng 1. Mat 2751] Max Hecht. 6 Meter Elsässer Waschstoff zum Kleid fit ii, 1.50 Pfg. -*- Muster «> Met. solid. Mestor-ZepUir z. Kid. f Mk. 1.50 ii Aiaba-Sommeratoff ,, „ 1.80 6 „ „ Oepe-Caveanx ,, ,, „ „ 2.70 6 „ „ extr. pr. Loden „ „ „ „ 3.90 Neueste Eingang’, f. d. Frnhj.-u. Sommer-Saison. Modernst. Kleider- und Blousenstoffe in allergrösst. Ausw. vors, i. eins, Metern, bei Aufträge von 20 Mk. an franco. auf Verlangen franco ins Hans. Modebilder gratis. Oettinger n. Co., 9*rankfnrt a. M. Versandthaus. Mod. Herrenstoffe z, ganz. Anz. f. M. 3.60 Pfgt „ Cheviotstoffe „ „ „ „ ,, 4.33 „