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Der Israelit · 1899-05-01 · Heft 34 (1.5.1899) · p. Seite 651

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 34 (1.5.1899)
Date
1899-05-01
Page
Seite 651 (sequence 9)
Language
German
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XL, Jahrgang. Beilage ju M B4 -es „Israelit". Seit««»«» Artikel. Die EmnziMtioil der Men in FranKM. Aus b e u Duellen bearbeitet von Prof. Einarrirel Leser. (Fortsetzung.) Wenn die Fassung dieses Artikels auch nicht für eine vollkommene Gleichstellung der verschiedenen Confessionen und für die Gleichberechtigung der Vekmner derselben eine sichere Grundlage hat,8S) so war durch seine Annahme doch die Stellung des alten Staates zu den Religionen aufgegeben, und Hoffnungen waren geweckt für die Zukunft. Allerdings hatte sich schon gegen die Aufstellung der Prinzipien der Toleranz eine so starke Opposition erhoben, daß sich wohl voraussehen ließ, wie die Bestrebungen der aufrichtig und entschieden Freidenkenden nur schwer und allmählich sich Geltung verschaffen mochten. Daß diese Stimmung der Nationalversammlung gerade für das Schicksal der Juden besonders bedeutsam werden mußte, war in der bisherigen Stellung des jüdischen Volkes begründet; wie sie sich äußerte, betrachten wir, die weitern Verhandlungen des Hauses verfolgend. Der Abbü Grögoire hatte verlangt, daß ihm in einer besonderen Sitzung Gelegenheit gegeben werde, der Versammlung Mittheilung zu machen, über die Lage und die Wünsche der Juden des Landes, und ihre Befreiung, ihre Ausstattung mit den Bürgerrechten zu beantragen; er wurde dafür der Abend des 2. September bestimmt, und die öffentliche Meinung nahm mit größter Zuversicht an, die Vertreter des französischen Volkes würden dem erwarteten Äntrag, den eine erleuchtete Gesinnung eingegeben, ihre volle Zu- *) Vergl. Nr. 31 des „JSraelit". 38) Mirabeau greift in seinem Blatte (Courrier de Provence Nr. 31 p. 44 f.) die Entscheidung der Nationalversammlung, refp. Verwerfung der Aufnahme der Kultussreiheit, heftig an, indem er zugleich die gewährte Gewissensfreiheit, wie schon Rabani in seiner Rede gethan, als nichtssagend nachweist: „Mals, di.setit les partisans d’uue religion dominante, nous ne pretendons pas göner ia liberte des eonsciences.“ —Voiläcertes une belle faveur: vous laissez ä vos freres ce que les tyrans n’ont jamais pu oter ä leurs ennemis! Mir. durchdringt hier wie überall mit klarem Aug« die Lage der Dinge und das Vcrhältniß der Gegensätze, während das Journal de Paris, mit der Proklamirung der Gewissensfreiheit sehr zufrieden, sich nur über die Heftigkeit der vorhergegangenen Debatte wundert, da doch die Redner „si preß de meines eentiments“ gewesen. stimmung alsbald ertheilen ™). Allein sie sollte durch den Erfolg eines Anderen belehrt werden und eine der ersten Enttäuschungen, die ihr die Nationalversammlung bereitete, gerade in dieser Frage erfahren. Als nach Eröffnung der Sitzung Gr6goire seine Vorstellungen an das Haus zu richten sich anschickte, fand sich plötzlich ein anderer Gegenstand, über den man vorher noch kurz berathen wollte, wider alles Erwarten dehnte sich diese eingeschobene Verhandlung so sehr aus 40), daß man an eine endgiltige Entscheidung über den eigentlichen Gegenstand der Tagesordnung nicht mehr denken konnte; es wurde beschlossen, daß eine Commission über den Antrag GrsgoireS und die Wünsche der Juden Bericht erstatten und daß bis dahin die Frage ruhen solle. Allein die Nationalversammlung mußte doch bald wieder sich mit den Juden beschäftigen. Wie beim Beginn der Revolution die Bauern gegen ihre adligen Herren sich erhoben, so hatten auch in einzelnen Districten die Juden von der Aufregung des Volkes zu leiden gehabt, und jetzt ertönten auf's Neue ihre Klagen und Hilferufe aus dem oberen Elsaße und fanden Mittler, die sie an das Ohr der Volksvertreter brachten. An den Pariser Abgeordneten Graf Clermont- Tonnere war von den Bedrohten und Gefährdeten eine Adresse gerichtet worden, welche dieser am 28. September zur Kenntniß der Versammlung gelangen ließ, indem er sie gleichzeitig mit dem Gewicht seiner Stimme unterstützte. Grägoire, den Privatbriefe vom Schauplatz der Gewaltthätigkeiten her genau unterrichtet hatten, konnte nur bestätigen, wie nothwendig ein Beschluß der Versammlung sei, der Aehnlichem für die Zukunft Vorbeugen werde. Es konnte sich kein Abgeordneter finden, der hier widersprochen hätte; die Ver-, sammlung beschloß, die Staatsregierung und die Pro-' vinzialbehörden zum nachdrücklichen Schutz der Juden aufzufordern im Geiste der Erklärung, die sie gleichzeitig erließ, und welche die Juden unter die Aegide des Gesetzes stellte41). Es hätte diese Sitzung 39) DaS Journal de Paris (Nr. 247) schreibt vor der Sitzung über die Bitte der Juden: Le succös d’une pareille demande ne peut gueres ötre doutcux dans l’assembtee de 1789. 40) Die Assembler nationale de 1789 giebt an der einschlagenden Stelle lim 2. Band) ihrem Erstaunen Raum, daß eine so einfache Angelegenheit (es handelte sich um die Ernennung einer landwirthschaftlichen Commission) die ganze Sitzung in Anspruch genommen habe. 41) Nach dem Journal de Paris geht der Beschluß der Versammlung dahin: Que tous les Juifs et particulierement reux de la Haute Alsace sont inis sous la protection imniediate de loi et que partout les tribunaux de justice et tous les depositaires du pouvoir exeoutif seraieut speeialement obliges & veiller sur leurs fortnnes, sur leurs vies et sur leur repos.

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