Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 32 (24.4.1899)
- Date
- 1899-04-24
- Page
- Seite 614 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Sachkundigen Gutachten zu erheben. Der Berichterstatter Prälat Schmidt bezweifelt dabei keinen Augenblick, daß diese neuen Gutachten im gleichen Sinne ausfallen werden, wie die vom Oberrath eingezogenen. Geh. Hofrath Rümelin führt aus, daß mit der tteberweifung den Petenten zu viel Ehre erwiesen werde. Er halte es für richtiger, zur Tagesordnung überzugehen, da auch die Regierung die gewünschten Gutachten bereits gesehen, und selbst erklärt habe, es sei darnach dargethan, daß das Schächten in keiner Weise eine Thierquälerei sei. Nachdem sich Ministerialrath Glöckner im gleichen Sinne wie gestern in der Zweiten Kammer geäußert und erklärt hatte, die Regierung lege auch im Hinblick auf die antisemitische Bewegung Werth darauf, daß über die Petition zur Tagesordnung übergegangen würde, sprach noch Geheimrath Mayer und Geh. Kommerzienrath Diffenö für Uebergang zur Tagesordnung. Der Berichterstatter zieht den Kommissionsantrag zurück und beantragt Uebergang zur Tagesordnung: die Kammer beschließt so einstimmig. O e st e r r.- U n g a r. Monarchie. Wien. (Iü d i sche Hu ldigun g s-Ad ressen im österreichischen Museum.) Im Saal IV de- Oesterreichifchen Mussums sind gegenwärtig 41 Huldigungsadressen ausgestellt, welche von verschiedenen Corportionen aus Anlaß des fünfzigjährigen Regierungs-Jubiläums dem Kaiser unterbreitet wurden. Deren Enveloppen zeichnen sich durch verschiedenartigen Schmuck aus. Hierbei ist anzuerkennen, daß die drei ausgestellten von jüdischen Corporationen dargebrachten Hulvigungs- und Dankadressen nicht zurückstehen, sondern nach ihrer künstlerischen Ausführung als sehr anerkennenswerth zu bezeichnen sind. In vornehmer und edler Ausstattung ist die von der Wiener CultuSgemeinde überreichte Adresse gehalten. Man darf dieselbe wohl als „Wiener" bezeichnen, wenngleich sie von den niederösterreichischen Eultusgemeinden gestiftet wurde, denn der Hauptantheil, sowohl nach der Initiative als der Durchführung, fällt doch Wien zu. In reicher Umrahmung ist unter der oberen Randleiste mit hebräischen Buchstaben der vollständige Segensspruch ~2-c'> angebracht. Das Mittelstück nimmt eine kostbare Votivtafel aus Malachit ein, in der die Widmung eingravirt ist: „Ihrem allergnädigstcn Kaiser und Herrn Franz Josef I. Die Eultusgemeinden von Wien und Riedl r- Oesterreich. 2. Dezember 1898." Am unteren Theile des Deckels ist in origineller Zeichnung ein ausgebreitetes Bouquet von freien Lorbeerblättern in oxydirtem Silber angebracht, über welches eine Goldkette hängt, die ein goldenes Davidschild trägt. Die ganze luxuriöse, kunstgewerbliche Arbeit des Einbanddeckels fesselt durch die reiche Ausstattung und geschmackvolle Composition, und ist als eine der charakteristischsten Jubckäumsspenden zu bezeichnen. Auch die von der Israelitischen CultuSgemeinde Czernowitz überreichte Huloigungsadresse zeichnet sich durch ihre stylgerechte Zeichnung aus. Auf feinstem weißen Maroquinleder ist eine interessant gezeichnete Randleiste in tieffattem Email, blaue und rothe Bänder in farbigem Schinelz darstellend, angebracht. Das Mittelftttck zeigt in den) gleichen Farben aus Email das kunstvoll verschlungene Monogramm des kaiserlichen Namens und darunter die Jahreszahlen 1848 und 1898. Die Oesterreichischisraelitische CultuSgemeinde in Jerusalem hat die Adresse in einem großen Holzeylinder verwahrt, welcher aus Einem Stücke Holz der Cedern vom Libanon in durchbrochener Arbeit reich geschnitzt ist. Die Ornamente bilden die Blätter des Cederbaumes, und füllen die Umrahmung"^ zu BaSreliesbildern aus Holz, welche verschiedene alttestamentarisch hervorragende Orte von Palästina darstellen, unter welchen in eingeschnitzten Holzschildchen in hebräischen Buchstaben die Ortsbezeichnung angebracht ist. Der obere Schluß des Holzcylinders endet in eine zierlich herausgeschnitzte Krone. Es ist nicht ohne Interesse zu beachten, daß dieselbe Grundidee der Einhüllung der Adresse in einen Rollenbehälter nur noch bei der Adresse der Stadt Wien zur Ausführung gelangte. Wie verschiedenartig auch immer die Umhüllungen der Adressen sind, dennoch ist ihr geistiger Kern einheitlich derselbe. Sie bringen in schwungvollen Worten die ehrfurchtsvollen Dankgefühle und den Ausdruck der tiefen Ergebenheit dem gütigen Monarchen dar, dein ein gnädiges Geschick vergönnte, ein so seltenes Jubiläum zu begehen. vermischtes. Breslau, 21. April. Die hiesige israelitische &emehtbe hatte ein ihr gehöriges Gebäude freihändig veräußert. Die Königliche Negierung hat aber hierzu die erforderliche Ge nehmi'gung versagt und augeordnet, daß der Verkauf öffentlich und meistbietend zu geschehen habe. Daö Haus gelangt nunmehr deßhalb zur öffentlichen Versteigerung. London. Auf der so schrecklich verunglückten „Stella" befanden sich auch einige Juden. Zwei derselben, Advokat Edward Abinger und Isaak Heilbronn, wurden gerettet, während der dritte. Vir. Abraham Cohen, der Schwager von Heilbronn, sein Leben eingebüßt hat. Briefkasten der Expedition. I. B. in SB.: Ja. ®. B in Fr Die zweimalige Jnserirnng kostet M. 5.50.