Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 32 (24.4.1899)
- Date
- 1899-04-24
- Page
- Seite 609 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Feuilleton. iebet eure Weinde." Eine apologetische Erzählung -er-'«--»- Von Arnold Mann 7) Nachdruck verboten. Wegner fühlte sich recht befangen. Die fast aufdringliche Freundlichkeit Biesfeld's belästigte ihn, und der Andere machte gleichfalls keinen sehr vertrauenerweckenden Eindruck. Wenigstens erschien seine Kleidung äußerst vernachlässigt. Wegner hielt viel auf sein Aeußeres und beurtheilte Menschen, die er zum ersten Male sah, auch darnach. Er verwünschte sich, daß er den Schritt in dieses Haus gelenkt; was gingen ihn denn diese Menschen an? Verlegen drehte er an seinem Schnurrbart. „Also, mein lieber Herr Wegner," begann da Biesfeld mit lauter Stimme. „Sie kommen, sich die Aufklärung zu holen, welche ich Ihnen heute früh zugesagt." „Sie sprachen von einem Mißverständniß," erwiederte Wegner. Er mußte nun, wohl oder übel, die Sache zu Ende führen, und da erwachte auch sein Interesse auf's Neue, „von einem Mißverständniß, welches bei meiner Beobachtung auf dem Perron zu Göllheim obwaltete!" Biesfeld rieb sich scheinbar verlegen die Stirne. Er that, als sei er nicht mehr ganz an fait. „Was war cs doch gleich?" sagte er, wie sich besinnend. „Sie sprachen mit Pfarrer Tettenborn!" erwiederte Wegner nachhelfend. „Ach ja, ganz recht" kam es von drüben, „hm — ja, wissen Sie — mein lieber Herr Wegner — das ist so 'ne Sache —" In diesem Augenblicke klopfte es. Auf Biesfelds „Herein" kam die Frau, mit welcher er vorhin gesprochen, auf einem Tablett drei Flaschen Wein und drei Gläser tragend. Sie stellte das Ganze aus den Tisch und entfernte sich schweigend. „Sie trinken doch ein Glas Wein mit uns?" wandte sich Biesfeld an Wegner. Wegner hätte gerne ausgeschlagen; aber er konnte jetzt nicht mehr zurück, und zudem perlte das edle Naß, welches Biesfeld sofort eingoß, so herrlich in die Gläser und — auf den Etiketten stand „Rüdesheimer" — verbreitete einen so herrlichen Duft, daß Wegner sich doppelt gerne gefangen gab. Biesfeld schwang sein Glas und mit den Bei» den anstoßend, rief er: „Auf gute Freundschaft!" Hell klang es durch das Gemach, und doch war's ein zerrender Mißton in dem Akkord der drei Gläser. Wegner schlürfte vorsichtig. Er war ein Kenner und sagte sich sofort, daß die Qualität dieses Weines in gar keinem Verhältniß zu der seines Spenders stehe. Er war vorzüglich. „Nicht wahr, das ist ein Tropfen?" fragte Biesfeld un^ schnalzte mit der Zunge, „aber, so trinken Sie doch aus!" setzte er drängend hinzu, als er sah, daß Wegner kaum genippt hatte. Wegner ließ sich das nicht zweimal sagen. Er trank aus. „Also, nur nun auf unser Thema zurückzukommen," begann Biesfeld weitschweifig und rückte seine Brille zurecht, „so — so habe ich — gewissermaßen — habe ich Ihnen ein Geständniß zu machen. Die Sache hat ihre Richtigkeit. Was Sie beobachtet hatten, das war keine Täuschung „Aber, Sie sagten doch —" entgegnete Wegner erstaunt. „Was ich heute Früh im Kupee sagte," begütigte Biesfeld und legte vertraulich seine Hand auf die Wegners, „lieber Freund, das — das war nur so gesagt! Aber ich bitte Sie," setzte er schnell erklärend hinzu, als er sah, daß Wegner eine unwillige Bewegung machte, „ich werde doch nicht öffentlich, vor allerhand Leuten, solche Dinge besprechen?! Da habe ich einfach der Sache einen Riegel vorgeschoben, ein Mißverständniß vorgeschützt und mich Ihnen zur Verfügung gestellt. Und nun, hier stehe ich, ich kann nicht anders —," schloß er. Es klang wie eine Blasphemie auf den Mönch von Wittenberg. „Also, mit anderen Worten, Sie gestehen, heute Früh die Unwahrheit gesprochen zu haben!" stellte jetzt Wegner fest. „Unwahrheit!" kam es aus Biesfeld's Mund mit entrüstetem Tonfall, „wie Sie das sagen! Eine kleine Nothlüge — weiter nichts.' Wissen Sie — das will gar nichts bedeutenrbei uns, diel wir ein großes, erhabenes Ziel im Äuge haben! Da muß auch einmal ein kteinerlSchritt^ vom Wege gestaltet sein, den wir nachher doppelt wieder einholen!" Ganz langsam, bedächtig, jedes Wort betonend, hatte er das gesagt, keinen Blick dabei von Wegner gewendet, sondern ihm starr ins Antlitz schauend den Eindruck geprüft, den seine Worte auf Wegner machen würden. Er hatte dabei etwas vom Raubthier an