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Der Israelit · 1899-04-20 · Heft 31 (20.4.1899) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 31 (20.4.1899)
Date
1899-04-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Xli- Jahrgang. JK'81 Der Israelit. Em Genlrat-Hrgan für das orlhodore Iudenthurn. Begründet von Dr. Wehrrurrrrr in Ütiiini. Donnerstag, de« 20. April 5659 (1899). i WL&vh abonnirt man bei allen Postanstalten für die Monate KT Dlai und Juni KT auf den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-Zeitungsschalter des Wohnsitzes des Bestellers oder bei dem betreffenden Landbriefträger aufgegeben werden. Ausland entsprechend» höber. Die ErprLUion des „Israelit". Leitender Artikel. OMer-KktrlllhIiiugkn etiles KlelnWters. -1i- Wenn wir uns in diesen Frühlingsabenden zur Sefirazeit allabendlich zusammenfinden, um nach göttlicher Weisung die Tage vom Feste unserer Freiheit zum Feste der Gesetzgebung zu zählen, da fehlt so leicht keiner aus der ganzen Gemeinde. In früheren Jahren hatten sich die Gemeindemitglieder schon vorher eingefunden, um vor der Synagogenthüre noch ein Viertelstündchen in vertraulicher Unterhaltung zu verplaudern. Als noch die „gelernten" Alten lebten und ihren erziehlichen, sittigenden Einstuß auf die ganze Gemeinde geltend machten, war auch diese Unterhaltung lehrreich und ungemein anregend. Da erinnerte ein Graukopf daran, wie es in alten, vergangenen Zeiten, gerade diese Tage und Wochen zwischen Peßach und Schowuös waren, in welchen Vorurtheil und Haß gegen Juden und Judenthum sich am fühlbarsten bekundeten, wie wir doch heute unter anderen Umständen und Verhältnissen die Tage zählten, die zum Offenbarungsfest der Thora führten, wie wir für diese Thora zu leben hätten, für welche unsere Ahnen freudig in den Tod gingen. Unfern Vätern in jenen trüben und harten Zeilen, schienen die Tage und Stunden bereits gezählt und dennoch zählten sie in heiterer Zuversicht ihre Tage und Wochen. Ein Flügelschlag dieses Geistesadels und dieser Seelengröße unserer Altoorderen ist es, der sich noch in ihren Enkeln und Urenkeln regt, und sie an. die gemeinsame Stätte des Gebets zieht, um heute, wie einst die Tage und Wochen zu zählen, wie es die Väter und Großväter gehalten haben. Aber mit dem allmähligen Wegsterben der ehrwürdigen Alten hatten auch die Unterhaltungen vor der Synagogenthüre ihren anregenden Charakter verloren. Sie waren auf das gewöhnliche, alltägliche Niveau einer Besprechung der Tagesereignisse, der Begebenheiten im Ort und der Gemeinde herabgesunken und oft in Bemerkungen über Leben und Treiben von Gemeindemitgliedern ausgeartet, die nicht geeignet waren das gute Einvernehmen zu erhöhen. Das hat der Scharfblick unseres Vorstehers richtig erkannt und seitdem hat er dieses Unterhaltungsstündchen dadurch aufgehoben, daß er den Lehrer bestimmt hat, allabendlich vor dem Abendgebet einen Schiur zu lernen, den alle gern besuchen; und unser wackerer Parnes ist immer der erste unter diesen Besuchern. Aber gestern Abend sing er die Gemeindemitglieder an der Synagogentreppe ab, und hielt selbst den Lehrer zurück; er hatte etwas besonderes auf dem Herzen. Er hatte ein Bündel Drucksachen, Reden, Prospekte, Zeichnungslisten und eine ganze Anzahl sonstiger papierner Thaten des zionistischen Komitees in Basel in Händen, die ihm heute durch die Post zugegangen waren. Sein klarer, nüchterner Verstand hielt von Haus aus herzlich wenig von der ganzen, zio-

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