Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 30 (17.4.1899)
- Date
- 1899-04-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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573 Beachtung gefunden haben: Die Krankenpflege und die Kochkunst. Zu diesem Zwecke müßten sich in den großen Städten Galiziens Frauenbildungsvereine nach deutschem Muster aufthun, die die Aufgabe hätten, jüdische Mädchen zu Krankenpflegerinnen, Köchinnen, Stützen der Hausfrau u. dgl. auszubilden. Für gut erzogenes und tüchtig geschultes weibliches Personal dieser Art würden die von mir angeregten Stellennachweisbureaus mit Leichtigkeit passende Unterkunft in den anderen Kronländern Oesterreichs und auch außerhalb finden können, da die Nachfrage nach solchen Kräften bekanntlich sehr groß ist. Auf diese Weise wird auch die eingangs von mir vorgeschlagene partielle Emigration erfolgreich bewerkstelligt werden können. Das sind ungefähr die Vorschläge, die ich angesichts der trostlosen Lage unserer unglücklichen Brüder in Galizien machen zu muffen glaubte. Es sollte mich freuen, wenn auch andere Kenner der galizischen Verhältnisse, durch meine Ausführungen angeregt, ihre Ansichten über die zu wählenden Mittel und Wege äußern würden. Wir dürfen aber nicht vergessen, daß die prekäre Lage der Juden Galiziens eine schleunige Abhilfe erheischt, daß wir mit der Hilfsaction nicht lange warten dürfen und können; es gilt hunderttausende Glaubensgenossen von dem Hungertode zu erretten, eine Gesundung ihrer sozialen und moralischen Verhältnisse herbeizuführen. Lassen wir die vielen Enqueten und Conferenzen. An die Stelle des Wortes trete die That! Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Der Synagogen-Verein B e t H-Z i o n, dessen Synagoge sich Brunnenftraße 10 befindet, versendet seinen 19. Jahresbericht. Beim Eintrit in das 20. Jahr seines Bestehens, so lesen wir daselbst, erfüllt uns frohe Zuversicht. Wir blicken mit Stolz auf gute Erfolge und mit der Genugthuung treu geleisteter Arbeit auf das abgelaufene Jahr zurück, das uns eine Reihe werthvoller Errungenschaften gebracht hat. Die Zahl der Mitglieder hat sich gesteigert, so daß der Verein 145 ordentliche und ein Ehren-Mltglied zählt. Auch in finanzieller Hinsicht ist ein bedeutender Fortschritt zu verzeichnen, der im Wesentlichen neben der Subvention der jüdischen Gemeinde von dOO Mark auf die Einnahmen aus den Nedorim, die 1656 Mark betragen, zurückzusühren ist. Die Gesammteinnahmen belaufen sich auf 4775 M., die Ausgaben auf 4i98 M., sodaß die Kasse am 1. Januar 99 einen Bestand von 5/7 M. aufweist. Mit inniger Wärme und Verehrung gedenkt der Vorstand seines Seelsorger», des Herrn Rabbiner Höxter, dessen Rath und That und dessen hinreißender, überzeugung-treuer Beredtfamkeit ganz besonders der gedeihliche Aufschwung und Fortschritt zu verdanken sei. Haben wir doch das Wachsthum unserer Gemeinde vorzüglich dem Umstande zu verdanken, daß unser Rabbiner nicht nur in der Synagoge in hohem Maße seine Pflicht erfüllt, sondern auch bei allen Veranlassungen, freudigen wie trüben, persönlich erscheint, dort da» Wort ergreift, so daß anwesende Gäste sich bewogen fühlen, unserer Gemeinde beizutreten. Die Gemeinde selber sei sich aber auch ihrer Mission bewußt, auch al» wnp man ihre Pflicht zu erfüllen, bei Kranken zu wachen, Trauernde zu trösten und während der ,-bdbt für p:a zu sorgen, auch da, wo der Wunsch geäußert wird, dae"-rp- Gebet im Trauerjahre sprechen zu lassen. So sei die Hoffnung berechtigt, daß die Gemeinde immer mehr auf Unterstützung und rege Theilnahme all ihrer Mitglieder und auf Zuwachs und Ausdehnung rechnen könne, um stet» all den ihr obliegenden Verbindlichkeiten nach jeder Richtung hin gerecht werden zu können. Ueber die Entwickelung der Religionsschule Beth- Zion in den IO Jahren ihres Bestehen» berichten wir nach v-' s. G. w. ausführlich. Aus Baden. Sie brachten unlängst den Wortlaut einer vom Herrn Bezirks-Rabbiner Dr. Löwen stein in Mosbach zum Vortrag in den Synagogen seines RabbinatSbezirkes bestimmten schönen Peßachrede als eingehende Erörterung eines zur Ordnung der ersten Peßachabenden gehörigen Punktes, "p2. Zu gleichem Zwecke sandte auch Herr Bezirks- Rabbiner Schleßrnger in Breiten eine mit vielen Gedanken aus Talmud und Midrasch verwebte, also von echt jüdischem Geiste durchtränkte Festrede an seine Rabbinatsgemeinden. Vom „hohem Liede" ausgehend, zeichnete er das Leben Salomo's in feinem vollen Umfange mit darauffolgender Peßachfesterinnerung, er schilderte die Leidensgeschichte Israels seit Jahrtausenden, worin besonders als nn: -in Elegie, die durch die jüngsten Ereignisse ftattgefundene Nemesis über das einst so hochmütige und ungerechte Spanien hervorgehoben wurde. Wir können nicht unterlassen, den Schluß der schönen Rrde im Wortlaut der Oeffentlichkeit zu übergeben: „Möge in Israels Herzen und Kreisen Gottesfurcht, Gerechtigkeit und Erbarmen stets heimisch sein und unser Peßachfest alljährlich unsere Glaubenskrafl und Glaubenstreue, gleich dem wiederkehrenden Frühling, festigen und verjüngen und zu allem Guten und Edlen anspornen bis die Gotteserkenntniß, die Gottes- und Nächstenliebe überall feste