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Der Israelit · 1899-04-13 · Heft 29 (13.4.1899) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 29 (13.4.1899)
Date
1899-04-13
Page
– (sequence 26)
Language
German
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WWW 560 verlässigste Quelle jener die Menschheit schändenden Vorgänge betrachten', welche unsere Vorfahren zu Märtyrern machten. Es sind zeitgenössische Stimmen, welche die grauenvollen Ausbrüche eines fanatisirten und unmenschlichen Pöbels bewegt und lebendig schildern, und das Andenken derjenigen verklären, welche für ihre Ueberzeugung und für ihren Gott freudig und ohne zu schwanken ihr Leben Hingaben. Es ist nicht gerade immer die höchste Poesie, die uns bezaubert, die Nennung der Namen der Hingemordeten macht vielmehr bisweilen einen prosaischen Eindruck, aber gerade dies hebt die historische Wahrheit; wie jene Männer starben, mit welcher Begeisterung sie sich Hingaben, dies tritt uns hier deutlich vor Augen, es ist keine dichterische Phantasie, welche die Blutscenen erfunden, es sind Thatsachen, bestätigt durch die Namen der Märtyrer, die auch in den Verzeichniffen des Memorbuches sich zum Theil vorfinden. Eine besonders wichtige, historische Verwerthung finden die in den Verzeichnissen vorkommenden Namen in dem zweiten Exkurs „Zur Gelehrtengeschichte des Memorbuches." Die hier alphabetisch geordneten Flamen der Gelehrten, welche die Verzeichnisse enthalten, sind von kurzen biographischen Notizen begleitet, die, mit literarischen Nachweisen versehen, manches bisher Bekannte berichtigen und manches ergänzen. Dem Spezialforscher wird dieser Theil des Buches eine werthvolle Hilfe bei seinen Studien sein. Von besonders kulturgeschichtlichem und philologischem Werthe ist der dritte Exkurs, der sich mit der Kunde der Eigennamen befaßt. Besonders interessant erscheint die sich hier ergebende Thatsache, daß die Juden, je weiter wir in der Zeit zurückgehen, jemehr sich der üblichen deutschen, resp. im Deutschen üblichen Fremdnamen bedienten: für die Kulturgeschichte ein nicht zu unterschätzendes Moment. Eine Anzahl sorgfältig gearbeiteter Register bildet den Schluß des Werkes, welches als eine der interessantesten Arbeiten der Neuzeit auf dem Felde der jüdischen Quellengeschichte bezeichnet werden darf. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mannheim. Der uns vorliegende Jahresbericht des Vereins zur Förderung des israelitischen Religionsunterrichts konstatirt eine erfreuliche Zunahme der Frequenz der Religionsschule. Es ist dies ein Zeichen dafür, daß auch in unserer Gemeinde die Erkenntniß von der Nothwendigkeit des hebräischen Unterrichts sich immer mehr Bahn bricht. Der Unterricht wurde nach dem Weggang des Herrn N osenthal, Herrn 8tuä. Ml. Jonas Simon übertragen. Außerdem unterrichtet auch Herr Rabbiner D r. Unna in der obersten Klaffe einige Stunden. Die öffentliche Prüfung, die am 19. d. stattfand und zu der sich ein zahlreiches Publikum eingefunden hatte, zeigte, daß sowohl der Lehrer, wie die Schüler sich mit großem Elfer und voller Hingebung ihrer Ausgabe gewidmet hatten. Die vorzüglichen Leistungen der Schüler, sowohl ün Pentateuch, wie im Gebetübersetzen und in der Religionslehre erregten allgemeine Bewunderung. Den Abschluß bildeten einige Deklamationen, die auf die Zuhörer großen Eindruck machten. Wir schieden mit dem freudigen Empfinden, daß auch hier das Jntereffe für das Thorastudium in stetem Zunehmen begriffen ist. Holl, Ende März. Bereits vor etwa einem halben Jahre hatte der D eutsch nationale Handlungs-Gehilfen-Verband mit Sitz in Hamburg einen Vortrag hier angekündigt, der daraus zielte, für düsen Verband Mitglieder zu werben. Dieser Vortrag war damals zwar ziemlich gut besucht; auch wäre mancher junge Mann dem Verbände beigetreten, wenn nicht ein anwesender Herr darauf aufmerksam gemacht hätte, daß sich unter dem den Beitrittserklärungen aufgedruckten Statutenauszug ein Paragraph befinde, der dazu angethan sei, alle vom Beitritt fernzuhalten. Es war dies folgende Stelle des § 3: Da Der Verband die Hebung des gesammten Kaufmannsstands auf nationaler Grundlage bezweckt, können Juden und nicht unbescholtene Personen keinerlei Mitgliedsrecht erwerben. Auf diele Anregung hin entspann sich eine sehr lebhafte Debatte, der die Redner des Verbandes — zwei Herren aus Heilbronn — nicht mehr gewachsen waren, so daß sie nicht nur nichts ausrichteten, sondern obendrein noch Spott ernteten. Diese Mißernte genierte jedoch die großen Geister nicht, sie hätten ja sonst nicht den Muth gehabt, auf vergangenen Samstag, den 25. dss. wieder einen Vortrag anzukündigen, und zwar wählten sie zum Lokal einen der größten Säle der Stadt. Der Erfolg war demzufolge auch ein ganz anderer. Zu dem Vortrage erschienen; Die Berichterstatter der hiesigen Zeitungen und ein Kaufmann von hier. Die beiden Herrn Referenten aus Heilbronn — schreibt die Haller Zeitung — werden so enttäuscht gewesen sein, wie das starke halbe Dutzend Kollegen, die mit dem */»1O Uhr Zug von Heilbronn her noch hier eintrafen, um die Versammlung imposanter zu gestalten und wird der Deutschnationale Handlungs- Gehilfen-Verband nun zum zweitenmal gefunden haben, daß er hier eine ersprießliche Thätigkeit nicht entfalten kann. Möge auch ferner das Zusammenleben der hie-

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