Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 28 (10.4.1899)
- Date
- 1899-04-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ein «WWW XL. Jahrgang. M »8. HenLrat-Hrgan für das orthodore Iudenthum Begründet von Dt, irefjrmann in Sttniu] Montag, den 10, April 5659 (1899), Leitender Artikel. Unsere „jungen Leute." Von Salp Geis, Frankfurt a. M. Der Rechenschaftsbericht des „Vereins zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit", welcher vorleiniger Zeit an dieser Stelle abgedruckt war, ist sicherlich von einem jeden religiösen Juden mit größtem Interesse durchgelesen worden. Gibt doch der Bericht den überzeugenden Beweis, daß die Gründung dieses Vereines einem Bedürfnisse entsprach und so die Institutionen, welche es sich zur Aufgabe gemacht haben, für die Erhaltung und Kräftigung des gesetzestreuen TheileS unseres Volkes thätig zu sein, wieder um einen neuen Zweig vermehrt wurden. Das ist eine sehr erfreuliche Thatsache, welche wieder einmal die böswilligen Behauptungen unserer Feinde schlägt. Die „starre, mittelalterliche Orthodoxie" weiß sehr wohl die neuesten Errungenschaften des Kulturfortschrittes für ihre Zwecke zu verwerthen; sie verschmäht es nicht, selbst Probleme — denn ein Problem ist eine Versicherung gegen Stellenlosigkeit immerhin noch — am eigenen Leibe praktisch zu versuchen; sie ist der Welt zum Trotz noch lebens- und entwickelungsfähig, wenn auch schon längst die krächzenden Raben sich auf ihre Beerdigung vorbereitet haben. Können wir also den jüngsten Sproß des jüdischen Vereinslebens nur mit Freude begrüßen, so dürfen wir doch nicht übersehen, daß die Nothwendigkeit eines derartigen Vereins leider gewiffe Schäden innerhalb unserer kleinen, gesetzestreuen Gemeinschaft dokumentirt. Und, wie alle Wohlthätigkeit*) nur die Armuth lindern, sie aber niemals aufheben kann, wenn keine Gesundung der sozialen Verhältnisse von innen heraus Platz greift; so kann auch hier nie eine radikale Abhilfe geschaffen werden, so lange man sich genirt, das Kind bei seinem wahren Namen zu nennen. All' die Klagen über die geringe Zahl der am Samstag geschloffenen Geschäfte sind nicht stichhaltig, denn die Anzahl der auf diese Stellen reflcctirenden jungen Leute ist dementsprechend auch eine sehr kleine. Es muß unbedingt etwas faul im Staate Dänemark sein; sonst dürfte kein Nothstand vorliegen — und noch dazu ein Nothstand von solch' gefahrbringenden Dimensionen, wie er thatsächlich vorhanden ist. Vor allen Dingen, glaube ich, eine Ursache darin suchen zu müssen, daß viele religiösen Geschäftsleute bei der Auswahl ihres Personals nicht nach der religiösen Stellung desselben fragten. So kommt es, daß die wenigen einträglichen Stellen oft Inhaber haben, die unsere heiligen Gesetze mit den Füßen treten. Freilich wissen die Prinzipale sich zu entschuloigen, indem sie sagen, sie hätten keinen sachkundigen Commis, Reisenden finden können; daß dem häufig so ist, kann nicht geleugnet werden. Doch der Jude, welcher seine jüdische Lebensaufgabe voll und ganz begriffen hat, wird eben unsere eigenartigen Verhältniffe berücksichtigen und es nicht verschmähen, einen religiösen Commis oder Reisenden anzustellen, auch wenn derselbe keine Branchekenntnisse besitzt und erst in die Geheimnisse der Kunst eingeführt werden *) Der Herr Verfasser befindet sich hier im Jrrthum. Der V. z. V. g. St. treibt keine Wohlthätigkeit; er baürt auf der Selbsthilfe der Sabbat feiernden kaufmännischen Beamten. Daß er deßhalb Zuwendungen nicht verschmäht, wird man ihm so wenig übelnehmen können, wie einem Staate oder einer Stadt, die Stiftungen und Vermächtnisse annehmen. Red. d. Jsr.