Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 24-25 (23.3.1899)
- Date
- 1899-03-23
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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4SI diele- Haufentraf, wuchs feine Bewegung, die er nicht länger bemeiftern konnte. „Beim ersten verkehrten Wort, Dietrich, das au- Deinem Lästermaul kommt, schnüre ich Dir den Hals zu; das merke Dir; es giebt Sachen, bei welchen ich keinen Spaß verstehe. Hier ist die Herrlichkeit Gottes; schaue sie Dir doch einmal an, Du bekommst sie vielleicht in Deinem ganzen Leben nicht wieder so zu sehen, und jetzt: ganzes Bataillon kehrt!" Der lange Dietrich hatte ein rasches Begriffsvermögen, er merkte den ungewöhnlichen Ernst des Führers aus jedem Worte zittern, und er sah ein, daß er nichts befferes thun konnte, als auf die Intentionen seines Herrn und Meisters einzugehen. Er ging vom Fenster weg und raunte dem nächststehenden in'- Ohr: „Die Juden haben uns behext und wir gehen alle elendiglich zu Grunde, wenn wir nicht sofort das Dorf verlassen, nui fort, so rasch als möglich und ganz mäuschenstill. Wenn die dadrinn uns hören, sind wir verloren mit Mann und Maus!" Wie ein Blitz flog die wunderbare Botschaft durch die Reihen des abergläubischen Raubgesindels, und alle beeilten sich, so rasch wie möglich auf denselben Weg zurückzukehren, auf dem sie vor wenigen Minuten gekommen waren. Am letzten verließ der rothe Hannes das erleuchtete Häuschen und brummte fortwährend in seinen wilden, rothen Bart die Worte: „Das ist eine göttliche Offenbarung, das war die Herrlichkeit Gottes!" Kaum hatte der Führer der Bande das Häuschen von Aron Nier verlaffen, als aus dem tiefen Schatten des nächsten Hauses die drei Kundschafter hervortraten, die sich wieder der Menge genähert hatten und so Zeugen des wunderbaren Vorgangs waren. Im Sturmschritt eilten sie in das Haus des Parnes, wo die ganze Gemeinde in fieberhafter Aufregung der Dinge wartete, die da kommen sollten. Als sie den Bericht von der wunderbaren göttlichen Fügung hörten, die über sie gewacht und den Plan der Feinde in so merkwürdiger Weise vereitelt hatte, da kannte die Freude der Geretteten keine Grenzen. Reb Jtzig sprach laut den Segensspruch, den das Gesetz berm Hören einer freudigen Botschaft vorschreibt, und die ganze Gemeinde antwortete mit lautem innigen Amen! auf den Segensspruch ihres geistigen Führers. „Rabbaußai", rief dann der Parnes, „über den Dank gegen Gott wollen wir nicht den Dank gegen den vergessen, dessen sich die Vorsehung als Werkzeug unserer Rettung bediente; ich meine Aron Nier! Wir wollen alle zu ihm hinüber und ihm dafür danken, daß sein Gottvertrauen und seine aufrichtige Frömmigkeit uns alle aus dieser großen Gefahr gerettet hat." Alleströmte dem Nier'fchen Häuschen zu, auch I Frauen und Kinder, welche von der plötzlichen Wendung ihres Geschicks gehört halten. Da saß noch die Familie und sang: „Tiner das ist unser Gott, der da lebt und der da schwebt im Himmel und auf Erden!" In ihrer Festesfreude hatte sie nichts von den Aufrührern und nichts von dem Nahen der ganzen Gemeinde gemerkt. Als diese aber in das kleine Zimmerchen strömte und den Insassen den ganzen Vorgang erzählte und an diese Erzählung den innigen Dank für die wunderbare Rettung knüpfte, da schüttelte Aron Nier den Kopf und meinte: Hab ich zu viel getrunken, oder habt Ihr zu viel getrunken? Ich habe ja mit meinen Leuten gar nichts gethan, als was ich jeden Sederabend thue. Rabbaußai verzeiht, was wollt Ihr einen geringen Metzger mit unverdienter Ehre überhäufen und darüber die Ehre Gottes vergessen! Ihr habt ja alle noch keinen Seder gegeben, geht doch um Gotteswillen nach Hause und erfüllt die Pflicht dieser Nacht, damit auf der Khille keine Versündigung lastet!" „Ihr habt Recht", sprach Reb Jtzig, „wir werden Eurer Weisung folgen, aber die Schechina ruht doch auf Euch und Eurem HauS, je mehr Ihr es bestreiten möget. Das ist und bleibt eine Offenbarung der Herrlichkeit Gottes, die unsere Khille niemals vergessen wird. Gott allein weiß, was aus ungeworden wäre, wenn nicht wenigstens einer in der Gemeinde gewesen wäre, der würdig war, daß über ihm und seinem Haus die Herrlichkeit Gottes ruhe. Nach Jomtof muß die Geschichte ins Memorbuch der Gemeinde zum ewigen Gedächtniß eingetragen werden. — Und so geschah es. Fünfzig Jahre waren am jüngsten Peßach seit jenem Vorgang verflossen. Aber er lebt im Gedächtniß der Gemeinde U. so frisch, als ob er gestern erfolgt wäre, und an jedem Sederabende wird in jedem Haus das Gedächtniß an den wunderbaren Vorgang auf's neue belebt. Jüt». Allerlei Das alte und das neue Testament. Ein älterer, reicher, alleinstehender Herr hatte einen Neffen, dem er seine ganze Gunst geschenkt hatte, und dem er dereinst sein ganzes ansehnliche» Vermögen zu hinterlaflen gedachte. Seine Anforderungen an den Neffen waren dagegen sehr gering, er hatte nichts dagegen, daß der junge Herr kein Geschäft betrieb, sondern seine Zeit, wie ein Rentier verbrachte, er verlangte weiter nicht» von ihm, als daß er einen streng religiösen Ledenrwandel führte, aber selbst dazu konnte sich der Neffe nicht verstehen, seine stereotype Antwort war: „Lieber Onkel, ich stehe nicht auf dem Boden des alten Testaments." Al» der Onkel sah, daß der Neffe seinen Lebrn»«andel nicht