Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 24-25 (23.3.1899)
- Date
- 1899-03-23
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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... 23.a»ärji899] MlleLriKk. KM. m Kr. t% t> W. l«r. s. »« Mrthodoxe MuderrchumÄ n£i *^!k San El ÄVJ ^ara.n^ap: edermahl vor fünfzig Von Robert HLnleiu. ahren. Just UM dar „Fest unserer Freiheit" war es, als im Jahre 48 der Freiheitssturm in Frankreich losbrach und durch ganz Europa raste. Ich glaube, daß die wichtigsten Erschütterungen und Umwälzungen, die sich ie vollzogen, immer, in die Märztage,, d. h. in die Jahreszeit fielen, in welcher auch alljährlich die Befreiung der Natur von dem Banne de» Wim ter« vollzieht, und um welche Zeit ja auch vor Jahrtausenden die jüdische Freiheitsstunde schlug. Der Freiheitssturm vor fünfzig Jahren hat viel verrottete Vorurtheile, viel Unrecht und viel Gewalt hinweggefegt, aber er hat auch die Tiefen des Volkslebens aufgewühlt und dabei viel Schlamm zu Tage gefördert, indem er die niedrigsten Instinkte entfesselte. Die Juden, diese ältesten Bannerträger der Freiheit, hatten von den Geburtswehen der jungen Freiheit überall zu leiden, besonders aber im Elsaß, dem Lande, da» den französischen Freiheitssturm au» erster Hand hatte und seiner elementaren Macht daher am meisten ausgesetzt war. Außer dem Mißjahr, da» dem Jahre 48 vorangegangen war, enthielten die eigenartigen sozialen, politischen und ökonomischen Zustände im Elsaß, Keime der Mißstimmung und Unzufriedenheit in reicher Fülle, die unter dem Strahl der aufgehenden Freiheitssonne al» blutige Drachensaat aufgingen. An den wehrlosen Juden kühlten die Mißvergnügten und Unzufriedenen de» großen Trosse» ihr Müthchen zuerst. Plündernd und oft auch mordend zogen ganze Banden bewaffneter Müßiggänger von Dorf zu Dorf und entschuldigten ihre Freiheiten durch die Freiheit, deren Aera nun angebrochen sei. Am Erew Peßach de» Revolutionsjahres verbreitete sich in der damals noch zahlreichen Gemeinde des Dorfe» U. das Gerücht, daß ein Haufen „Aufrührer" im Anzug sei. Es schwirrten aber damals so viele Gerüchte umher, die sich dann al» haltlos erwiesen, daß man der Nachricht anfänglich keinen Glauben beimaß. Aber, als man eben am Abend sich anschickte, in die Synagoge zu gehen, kam der Frachtfuhrmann Braun mit seinem Fuhrwerk in» Dorf gefahren und bestätigte die Nachricht. Sie waren seinen Pferden in die Zügel gefallen und wollten den Wagen plündern. Aber der Anführer der Rotte meinte, es fei eine Thorheit, jetzt sich mit der schweren Beute zu belasten, da sie ja in einer Stunde ohnedies im Dorfe seien, und der Fuhrmann fahre ihnen die schweren Frachtstücke bequemer hin, al» sie von den Aufständigen befördert werden könnten. Sie begnügten sich mit einem Faß Wein, da« sie vom Wagen riffen und da» sie auf offener Landstraße austranken. „Der Trunk," meinte der alte Frachtfuhrmann, „wird sie schon einige Stunden aufhalten, aber in zwei bis drei Stunden find sie sicher da. Sie haben jedes Stück ausgeschrieben und mich zu erschießen gedroht, wenn ein einziges Frachtstück bei ihrer Ankunft fehlt." „Wie stark schätzt Ihr den Haufen?" fragten die bestürzten Eynagogenbesucher.