Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 24-25 (23.3.1899)
- Date
- 1899-03-23
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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474 während des Berichtsjahres war naturgemäß der Gewinnung eines festen Mitgliederstammes, sowie der finanziellen Fundirung unseres Vereines gewidmet. Wir konftatiren gern, daß unsere Arbeit nach beiden Seiten hin von reichem Erfolg begleitet war. Die Zahl der ordentlichen Mitglieder belief sich am 31. Dezember 1898 auf 171 und zwar: in Klasse I. Jahresbetrag M. 6.— . . . 65 „ „ II. „ „ 9.— ... 46 „ „ III. „ „12.— . . . 60 Zuj. 171 Die Zahl der außerordentlichen Mitglieder betrug 215. Die finanzielle Fundirung unseres Vereins dürfte uns im Wesentlichen ebenfalls gelungen sein. Es gingen im Berichtsjahre ein: Beträge der ordentlichen Mitglieder M. 753, Beiträge der außerordentlichen Mitglieder M. 17 31, einmalige Zuwendungen zum Reservefonds M. 7238. Unsere Ausgaben betrugen M. 814.02, sodaß wir am Jahresschlüsse auf ein Vermögen von M. 9110.— Hinweisen können. Wenn dies günstige Resultat, das durch die rühmenswerthe Opferwilligkeit unserer Mitglieder erreicht wurde, im neuen Geschäftsjahr eine entsprechende Fortsetzung findet, dürfen wir unsere finanzielle Situation für genügend gefestigt erachten, denn wir geben uns keiner Täuschung darüber hin, daß die heutige günstige Geschäftslage nicht ewig andauern wird, und dann bei wirthschaftlicher Depression und zunehmender Stellenlosigkeit unsere Versicherungskasse der an sie herantretenden Anforderungen nur genügen kann, wenn sie auf einer gesicherten finanziellen Basis steht. In der Stellenvermittlung wurden uns gemeldet: Bewerber 75, Vacanzen 137. Wenn die Zahl der erreichten Besetzungen nur eine geringe ist, so liegt dies zum guten Theil daran, daß die Bewerber häufig den einfachsten Forderungen kaufmännischer Ausbildung nicht genügen konnten. Die Erfahrungen, die wir in dieser Beziehung machen mußten, sind recht schmerzliche und stehen zu dem sonst mit Recht gerühmten Bildungstrieb unserer Glaubensgenossen nicht im Einklang. Die Zeit ist zu kurz, als daß wir uns schon heute ein abschließendes Urtheil über die Ursache dieser betrübenden Erscheinung erlauben, oder gar Vorschläge zu ihrer Abstellung machen könnten. Wir werden indessen diesen Gegenstand fortgesetzt im Auge behalten und denken in unserem nächsten Berichte darauf zurückkommen zu können. Im Uebrigen hat sich die Ziffer der besetzten Stellen im neuen Jahre gehoben, so daß in den bereits abgelaufenen zwei Monaten acht Stellen besetzt wurden. Der Vorstand erledigte seine Arbeiten in acht Sitzungen, ungerechnet der Sitzungen, die seitens der einzelnen Ausschüsse ftattfanden. Eine vorübergehende Hemmung erfuhr unsere, auf den Ausbau der Organisation gerichtete Thätigkeit durch eine, die Interessen unseres Vereins zwar nur indirect, dafür aber um so empfindlicher berührende locale Angelegenheit, nämlich die geplante Erweiterung der Sonntagsruhe für Frankfurt a. M. Wir dürfen die bisherige Entwicklung dieser Angelegenheit, deren weit über den localen Rahmen hinausreichende prinzipielle Bedeutung nicht leicht überschätzt werden kann, als aus den Berichten der Localblätter und der jüdischen Fachpresse genügend bekannt voraussetzen und können uns daher hier auf ihre bloße Erwähnung beschränken. Nachdem wir einmal den Grundsatz vor der Oeffentlichkeit proklamirt hatten, daß der jüdische Sabbat, wo er in religionsgesetzlicher Weise gehandhabt wird, in sozialhygienischer Hinsicht der durch das Staatsgesetz gewollten Sonntagsruhe mindestens gleichkommt, mußten wir auf mannigfache Anfechtungen gefaßt sein. Sie sind auch nicht ausgeblieben, vielmehr vor allem von jüdisch-neologer Seite in einer Weise gekommen, die doppelt bedauerlich ist. Selbstredend wird uns das nicht abhalten wie bisher, so auch in Zukunft für jenen Grundsatz, dessen Anerkennung für uns eine Lebensfrage ist, einzutreten und wenn möglich seine Uebertragung auf die gesetzlichen Bestimmungen über die Sonntagsruhe in irgend einer Form zu erwirken. Ob und wie weit uns das im vorliegenden Fall gelingen wird, läßt sich zur Stunde noch nicht absehen. Am Schluffe unseres Berichtes angelangt erübrigt uns noch die Pflicht, Allen zu danken, deren Unterstützung wir uns bei unserer Thätigkeit zu erfreuen hatten. In erster Linie danken wir der jüdischen Fachpresse für die warme Unterstützung und das lebhafte Interesse, mit dem sie unserm jungen Verein von Anfang an entgegenkam; wir danken an dieser Stelle den Mitgliedern unseres Agitations-Ausschusses, die so eifrig für Gewinnung ordentl'cher Mitglieder wirkten, wir danken den vielen Männern in Nah und Fern, unter ihnen vor allem den geehrten Herren Rabbinern, die uns mit Rath und Thal beigestanden haben und wir hoffen, daß uns das neue Jahr neue Freunde zu den alten bringen werde. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Rogasen, (Bezirk Posen), 14. März. Sr •Ti» p/t*i -narrt /raan rma». Vor einigen Tagen fand hier aus Grund eines vor Kurzem von den beiden hiesigen städtischen Körperschaften einstimmig gefaßten Beschlusses die feierliche Ueberreichung des Ehrenbürgerbriefes an den früheren Stadtverordneten