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Der Israelit · 1899-03-23 · Heft 24-25 (23.3.1899) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 24-25 (23.3.1899)
Date
1899-03-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
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466 Letzte Nachrichten. Köln, 22. März. Nock voll des erhebenden und glänzenden Eindrucks, den die Einweihung der neuen Synagoge auf mich gemacht, beeile ich mich Ihnen eine kurze Schilderung des Festes zu übermitteln. In geradezu überraschend herrlicher Leise hat sich der Festesact vollzogen; Kurz nach 9 Uhr thateu sich die Pforten der Synagoge aus und es strömte eine mächlig« Menschenmenge hinein, das Gotteshaus bis auf den letzten Platz füllend. Ein wahres Meisterwerk vollendeter architektonischer Kunst kam es zur vollendeten Geltung, als gegen Io Uhr plötzlich Heller Lichterglanz erstrahlte, und alles magisch erleuchtete. Ter Almemmor n seinem weißen Marmor und die gleich Gold glänzenden schönen Leuchter, die Rednertribüne und all die kostbaren fynagogalen Gegenstände nahmen sich malerisch aus. Wahrend ein Präludium insceniert wurde, traten die Ehrengäste ein. Wir sahen u. a. den Oberpräsident der Rheinprovinz Nasse, Gouverneur General Frhrn. v. Wilczeck, Regierungspräsident Frhrn. v. Richthofen, Polizeipräsident Weegmann, Beigeordneten Pelman als Vertreter des im Herrenhause ibätigen Oberbürgermeisters, außerdem verschiedene auswärtige Rabbiner. Die Weihe begann mit dem Einzug rer Thorarollen. die, 13 an der Zahl, von den Repräsen.anten getragen wuroen, währenddessen der Chor niü no ansrimmte. Hietauf zündete Herr Rabbiner Tr. Rosenthal die ewige Lampe an. nachdem er zuvor in formvollendeter Weise eine kurze Ausvrache hielt. Ausgehend davon, daß das Licht das erne Wort Gottes in der Schöpfung gewesen sei, also seien auch in dem neuerstandencn Golteshause die ersten Worte dem Lichte gewidm t, die Synagoge sei ein TDn ein ewiges Licht, das der ganzen Gemeinde und ganz Israel erstrahlen möge. Nachdem nunmehr die heilige Lade geöstnet u. j?icj:i '.Ti gesungen wurde, fand der feierliche Umzug mit den Tborarollen statt, worallf diese in die heilige Lade hinein gehoben und letztere geschlossen wurde. Chorgesang begleitete mit nnm Alsdann betrat Herr Rabb. Tr. Frank die Kanzel, um in dreloiertelstüno ger Rede die Festpredigt zu halten. Es würde zu weit fuhren, heute in der Kürze alle Punkte der Rede zu erwähnen. Ich will mich daher kurz fassen. Herr Tr. F. warf ein Rückblick auf kie Geschichte der Kölner Gemeinde, die urkundlich die älteste Deutschlands sei. Er wies darauf hin, daß bereits vor Jahrhunderten in Köln ein Hochschule für jüdische Wissenschaft existirte. Seit ihrer Vertreibung aus Köln im Jahre 1427, waren die Juden erst zu Anfang d. Jahrhunderts in Köln wieder ansässig. Er wies aus den glücklichen Wandel der Zeilanschaunng hin, daß man heute, wo die Humanität ihren Sieg erfochten habe, den Juden Gerechtigkeit entgegeitbringe. Redner erläuterte ferner die Aufschriften au der Decke der Synagoge, die in ihrer Bedeutung die ganze Religion verkörpere, ganz spez. wies er aus den Friesen hin, den das Inthenthum erstrebe, und auf die Liebe, die oer Iude feinen Mitmenschen entgegeabringen muß. Nachdem er noch den Wunsch aussprach, daß auch in Köln der Friede unter den Eonfessionen erhalten bleibe, schloß er tnit TankeSbekrindung für die Anwesenheit der hohen Behörden, die Opserwilligkeit der Gemeindemitglieder, die Anerkennung für die bewundernswerthe Arbeit der Bauleiter. Hierauf erfolgte ein Festcantate vom Chor, dann betrat Herr Dr. Rosenthal die Kanzel um die Weiherede zu halten. In ganz vorzüglicher Weise und ergreifenden Worten brachte er seinen Dank zu Gort für daS g'ückliche Erstehen deS prächtigen Gotteshauses zum Ausdruck. Er wies auf die Heiligkeit des Ortes hin, wvrin Gott feine Wohnung, sein Zelt ausgeschlagen. Gleich MoseS einst, so erging auch an ihn i der Ruf GotreS. nnN "wn oipon ’D 7J/Q "’tyj tyttr wn anp noitf r?j> Toiy. Das Gotteshaus sei ein Heiligthum, welches nicht besucht werden soll, um darin aus Gewohnheit zu beten, nein aus wahrhaftester Frömmigkeit und Hingebung zu Gott sollen wir unser Gebet zu Gott emporsenden. Wessen Herz überströmt in Freude, tvenn Kummer und Schmerz offene Wunde geschlagen, alle alle mögen sie Herkommen, um Gott für die Freude aus ganzeut Herzen zu danken, für die Wunde Heilring und Rettung zu finden. Das Kind, welches den Gram über den unersetzlichen Verlust seiner Eltern ausweinen will, die Eltern, welche für das Glück ihrer Kruder beten, für alle möge das Gotteshaus eine Segenspendcrin sein. Zum Schlüsse der Rede erhoben sich alle Anwesendeu zum Gebet! Herr Rabbiner Tr. Rosentbal flehte zu Gotr um Schutz und Hilfe, um seinen Segen für die lneineiuve, er betee zu Gott, daß er allen denen, die sich ihm nähern, wohlgefälliges Ohr leihen möge. Mit dem Segensaussp'uche: UJJUT UQ'pi irnnttf iro nn pr? schloß die außerordentlich eindrucksvolle, oratorifch wie inhaltlich meisterhaft gehaltene .Rede. Roch ein Ehoralgefang, dann war die Feier zu Ende und langsam leerte sich das seiner Bestiinmung übergebene Gotteehans. Heute Nachmittag findet großes Festessen statt und Abends Eoncert und Bankett im großen Gürzenichsaal. l»schweiter, 22. März. In der gestern Abenv stattgef 'udeuen Sitzung der Stadtverordneten wurde die vor gcfchlagene Einschränkung des Schlichtens mit 14 gegen 1 Stimme verworfen. Dagegen wurde beschlossen, zum Werfen des BieheS eine Marte zu benutzen, und zur Amortisation derIlnkostcn (300 — 300 Mk.) eine Gebühr von 50 Pfg. pro Stück Großvieh zu erheben. Interessant war die Mtttheilung des Vorsitzenden, daß im hiesigen Schlachlhofe 750/„ aller Thiere geschachtet würbe. Berichtigung. In unserem diesjährigen vuach sind durch Versehen deS Druckers die beiden - eiten deS Monats Ijar umstellt, d. h. die zweite Hälfte des MonatS befindet sich vor der ersten. Wir bitten die Besitzer des Kalenders in ihren Eremplaren eine entsprechende Rectifrcation eintreten zrr lassen. Briefkasten der Redaktion. K in D.. 3. Siwan .3646 gleich 8. Juni 1886. Die Sidra ist N2U. Wenn jedoch bei Ihnen der Gekrauch isi, das; Knaben auch am Jomtow, der auf einen Werktag fällt, auerft zur Thora gerufen werden, so ist die Barmizwoh am rrsteu Tage Schowuaus. R. B. in H.: E n piDD für ist Ps. 48, 3 ns' 'Ul P]U. T. <?. in <$.: l. November 1886 gleich 3. Cheschwan 3647. Die Sidra ist ru, wenn der Knabe am Tage geboren rvurve. fiüel die Geburtsstunde auf den Abend, so ist erst der 4. Eheschwan als Geburtstag anzusehen. Die Sidra ist dann V 17. Karls«»adt: Alle genannten Spiele lassen Sie die Kinder am Sabbat nicht svielen, besonders nicht solche, wie Lotto und Hammer lind Glocke. M. R Einen ci'D macht man nur, wenn man einen ganzen Traktat der Gemora oder auch eine ganze Ordnung der Mischna ausgelernt hak, z. B. ganz G’jnr tid, ganz ly'ü tid. Briefkasten der Expedition. B K.; Betrag von Mk. 3.— haben für gewünschten Zweck verwendet.

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