Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 23 (20.3.1899)
- Date
- 1899-03-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2448976--47927-2498301- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XJt. Jahrgang. M AA Ein Her Israel« Genlrat-Hrgan für das orlhodore Iudenthum. Begründet von Dp. in WLsirrz Montag, den 20. März SÜSS (1800), Da mit dem 1. April 1899 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1899 eingetragen unter Nr. 3784. Neil eintretende Abonnenten (Postabonnenten gegen Vorlage der Postguittung) erhalten unser Blatt bis Ende März gratis. Leitender Artikel- Von Bezirks-Rabbiner Dr.Löwenstein, Mosbach.*) In der Erörterung und Erläuterung unseres Festprogramms für die feierlichen Sederabende haben wir im vorigen Jahre uns mit dem Theile beschäftigt, der durch ths dargestellt wird. Heute wollen wir die folgende Nummer, *pa genannt, einer näheren Betrachtung unterziehen. Wenn nxv das Bild der Freiheit und inv das Bild der Knechtschaft, dann ist die Verbindung beider, wie sie im Namen des weisen Hillel gelehrt und nach seiner Gepstogenheit sinnbildlich von uns ausgeführt wird. Welcher Art ist nun das Sinnbild, das in dieser frommen Uebung seine Veranschaulichung findet? 1. tvs ist vollständig umhüllt von bv nato — die Bitterkeiten des Lebens verschwinden und werden übersehen, wenn die treue Pflichterfüllung sie umgibt. Wie schweres Leid traf unsere Ahnen in *) Obige Abhandlung, die von dem Verfasser an die Gemeinden seines Bezirks zuin Vortrage am bevorstehenden Pesachfeste versandt wird, bildet die Fortsetzung eines Predigtcvclus, der den ÜDD Pw TTD behandelt. Ihr Inhalt und die Art der Behandlung einer aktuellen Zeitsrage vom jüdischen Standpunkt haben uns derart gefallen, daß wir glauben, auch unfern Lesern durch Abdruck des Vortrags einen Genuß zu bereiten. Red. d. Jsr. Aegypten — wie viel Elend hatten unsere Väter in der Verbannung zu dulden — wer zählt die Seufzer, wer zählt die Thränen jüdischer Väter und Mütter in den finsteren Zeiten des Mittelalters! Aber alles Leid und alles Elend, alle Seufzer und alle Thränen wurden überwunden im Aufblick zu Gott, im Hinblick zur Gotteslehre und zur Aufgabe, seinen Namen zu heiligen. Und wenn auch die Gegenwart des Lebens Bitterkeiten in vollem Maße uns empfinden läßt, wenn bange und sorgenvolle Stunden an uns vorüber ziehen, wenn wir den Leidenskelch bis zur Neige zu leeren gezwungen sind, so verzagen wir nicht und verzweifeln wir nicht — in unentwegter Hingabe an unfern göttlichen Beruf, in unerschütterlichem Festhalten an unserer jüdischen Aufgabe, in treuer Erfüllung der heiligen Gottesgebote suchen und finden wir Trost und Zuversicht, Rettung und Erlösung. Wir wissen, daß das Leben ein Kampf ist. Allein je heißer wir kämpfen im irdischen Dasein, je schwerer wir ringen im diesseitigen Leben, je dornenvoller der Pfad, den wir zu wandeln haben, desto größer ist der Friede und desto süßer ist der Lohn im Jenseits, desto herrlicher ist der Kranz der Unsterblichkeit, der nach Vollendung des Erdenwallens uns gereicht wird. 2. So manches Leid des Lebens aber würde uns erspart, so manche sorgenvolle Stunde wäre leichter zu ertragen, so manches Unglück würde uns nicht so rasch der Verzweiflung anheimfallen lassen, wenn wir uns daran gewöhnen wollten und könnten, unser eigenes Wohl und Weh nicht nach dem Wohl und Weh unseres Nebenmenschen zu messen. Zufrie-