Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 22 (16.3.1899)
- Date
- 1899-03-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XL. Jahrgang. Erste Beilage ju M 22 des „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correfporrdenzen Deutschland. Köln, 13. März. Ihrem Berichte, daß der Vorstand das Gesuch der Orgelsreunde abgelehnt hat, kann ich hinzufügen, daß auch die Repräsentanten einstimmig die Ablehnung beschlossen haben. Die hiesige Synagogen-Gemeinde hat nun die Einweihung der von den Architekten Schreiber und Below auf dem Königsplatz erbauten neuen Synagoge ohne Orgel auf den 22. März d. Js., den Geburtstag Kaisers Wilhelms I. festgesetzt. Diese Einweihung wird ein wahres Friedensfest werden. Aus Süddeutschland. Sie brachten vor einiger Zeit eine sehr interessante Notiz des Herrn Rabbiner Dr. Petuchowsky über Butter und Margarine. Heute möchte ich die geehrten Leser des „Israelit" darauf aufmerksam machen, daß es flüssiges Speiseöl aus Schweinefett, in Amerika hergestellt, in großen Mengen gibt; leider wird, wie wir aus Erfahrung wissen, selbst in frommen Gemeinden amerikanisches Oel, das verhältnißmäßig billig ist, vielfach gekauft und verwendet, trotzdem man allenthalben koschere Oele zu kaufen bekommt. Wie groß die Gefahr der Vermischungen von flüssigem Schweinefett mit Tafelölen ist, möge aus Folgendem hervorgehen: Professor Dr. :H'ubolf Benedikt schreibt in seinem Buche: Analyse der Fett« 3. Auflage Seite 608: Durch Auspressen des Schweinefett bei niedriger Temperatur kann man es in Schmalzöl (Specköl, Huile des graisse, Lard oil> und in einen festen Antheil, das sogenannte Solarstearin, trennen. Gutes Specköl soll keine freie Säure enthalten; es dient als Speiseöl. Ferner Seite 457 zur Erkennung von Verfälschungen deS Olivenöls mit Specköl: Specköllveründert die Biscosität, erhöht den Schmelzpunkt der Fettsäuren und verursacht Speckgeruch beim Erwärmen. Auf vielen weiteren Stellen (Seite 48l, 455, 437 :e.) geht hervor, daß vielfache Mischungen der Oele stattfinden. Fn dem Buche: Animalische Fette und Oele von Louis Edgar Andöo wird über Schumlzöl, Specköl folgendes Seite 161 berichtet: Aus dem Schweineschmalz wird bei einer Temperatur von o Grad C. durch Auspressen das auch in starker Kälte nicht stockende Schmalzöl, Specköl Lard oil) gewonnen, während Talg (Margariu, Palmitin und Stearin» Zurückbleiben. Schmalzöl ist dünnflüssig rvie Olivenöl, blaßgelb und enthält auch noch je nach Art und Sorgfalt der Darstellung sehr verschiedene Mengen von Palmitin und Stearin. Das Schmalzöl findet als Speiseöl 's. Verwendung; dasselbe kommt hauptsächlich aus Amerika, findet Absatz in England, Frankreich und Deutschland und werden in diesen Ländern Vermischungen mit anderen Oelen vorgenommen. Seite 129, 162 (Andes vegetabilische Fette und Oele) handeln von Erkennung der Verfälschungen. Ande§ Buch : Animalische Fette und Oele giebt die Produktion von Schmalz und Schmalzöl der vereinigten Staaten pro 1889—1890 auf 624 Millionen Pfund an. In Deutschland werden nachweislich etwa 200 Millionen Pfund Margarine fabricirt; die nöthigen Rohstoffe (Cottonöl, Premier-Jus, Oleo, Margarin, Neutral-Lard (Schweinefett) rc. kommen zum größten Theil aus Amerika in 3 Centner-Fäffern; der hohen Rückfracht wegen wandern die meisten leeren Gebinde zu den Oelfabriken, Oelmühlen Deutschlands und werden in dieselben wohl die meisten Speiseöle (Mohnöle, Sesamöle, Arachide, Rüböle, rc.) gefüllt; daß dann alle diese Salatöle auch bei sorgfältigster Reinigung der leeren Gebinde nicht mehr vom orthodoxen Standpunkte aus genoffen werden dürfen, leuchtet ein. Gewähr für reines Pflanzenöl gibt nur ein unter strenger Aufsicht hergestelltes und unter Aufsicht versandtes Oel; allerdings wollen wir zuzeben, daß tüchtige Fachleute — wovon es indeß nur wenige gibt — im Stande sind, für die Reinheit ihrer Oele einzusiehen. Rogasen (Bez. Posen), 12. März, ibn;; rrb frcir irjpist D’tt*: b'2e>2 x^»x Nach den Verheißungen des Midrasch werden wir einst erlöst werden durch die frommen Frauen. Und wahrlich, diese Zeit wäre nicht mehr fern, wenn viele Frauen in Israel derjenigen ähnlich wären, die gestern am nzv pTm nunc ihre tiefe, wahre Gottesfurcht wieder einmal in einem frommen Werke bethätigte. Es galt in unserer Nachbarstadt Obornik die Einweihung einer Thora, die Frau Rosa Wreschner mit sammt ihren beiden Söhnen dem dortigen Tempel spendete. Frau Rosa Wreschner hatte dieselben in einem Zeitraum von beinahe einem Jahre in ihrem Hause schreiben lasten und außerdem das kunstvolle Silber und drei Bekleidungen dazu gestiftet, während der zweite Sohn der Dame, Herr Jacob Wreschner, den Tag dadurch ehrte, daß er dem Tempel ein überaus kostbares Proches, das die berühmte Kunststickerei von Bloch in Straßburg angefertigt hatte, zum Geschenke machte. Nach dem feierlichen rrrri ree bz w z'zd bestieg der älteste Sohn der Dame, Herr Stadtrach und Gemeindevorsteher Koschmann Wreschner die Kanzel und betonte in gediegener, tiefbewegter und formvollendeter Rede die freudige Bedeutung des Tages für seine Familie und besonders für seine Mutter, der diese Stunde den sehnlichsten Herzenswunsch erfüllt hatte. Nachdem dann Herr Rabbiner Chaim aus Znin das festliche Ereigniß in tiefdurchdachter, gelehrter Rede würdigte, hatte die erhebende Tempelfeier ihren Abschluß erreicht. Am