Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 22 (16.3.1899)
- Date
- 1899-03-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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sprochene Behauptung, wird durch die Bemerkungen des Herrn Dr. Hannes so vollständig bestätigt, daß ich dem nichts hinzuzufügen habe. Frankreich. Q. Paris, 4. März. Wie die „Straßburger Post" meldet, ist die zu Nancy geborene Frau Coralie Cahen, geb. Levy im Alter von 67 Jahren gestorben. Bei Ausbruch des Krieges von 1870 organisirte ste einen freiwilligen Pflegedienst in Metz, der hauptsächlich den Unteroffizieren und Soldaten zugute kommen sollte. Nach dem Falle von Metz ging die muthige Frau zu Gambetta und erhielt von diesem den Auftrag, die Verwundctenpflege im Lyceum von Vendome zu organisiren. Ihr muthiges aufopferndes Verhalten wurde auch von den deutschen Truppen anerkannt und geehrt, da sie in der Pflege keinen Unterschied zwischen Freund und Feind machte. Später erhielt sie die Erlaubniß, in den deutschen Festungen die französischen Verwundeten aufzusuchen und zu unterstützen. Auch forschte sie nach den Vermißten der französischen Heere und erhielt dank der Unterstützung der deutschen Behörden in Berlin 59000 Adressen vermißter französischer Soldaten. Lange nach dem Kriege erhielt sie eine staatliche Unterstützung durch Jules Ferry. Sie hat lange das israelitische Waisenhaus zu Neuilly geleitet. Vermischtes. AUS der Schweiz. Zum dritten Male werden sich die Zionisten in der Stadt Basel zu einem Kongresse sammenfinden; das Projekt, den 3. Kongreß im Haag abzuhalten, scheint demnach aufgegeben. Der Kongreß findet im Monat August, und zwar voraussichtlich in der zweiten Hälfte desselben statt. Feuilleton. ~~Verkauft. Eine Erzählung aus Ungarn. 48) Von Samuel B. Rosner. Nachdruck verboten. Die duftige Erinnerung rührte auch an Schulamits Herz mit zartem Finger. Ihr gutes Herz sehnte sich danach, dem Leidenden zu seinem Wunsche zu verhelfen. „Nun, wir pflegten ja immer am „Lag-Boaumer" Ausflüge zu machen," sprach sie. „Ich werde mit Mama reden —" Er blickte ste fast erschrocken, voll Unglauben an. Er hatte so wenig an die Möglichkeit gedacht, daß sein ausgesprochener Wunsch in Erfüllung gehen könnte .... „Und Du würdest mitkommen?" fragte er leise ungläubig. „Weßhalb nicht, wenn Du es wünschest." Sie ging ins Haus und er legte den Kopf an die Wand und schloß die Augen. Die Eltern waren ebenfalls gerne bereit, zur Kräftigung des Wiedergenesenden beizutragen. Bald war der Wagen angespannt und die jungen Leute fuhren von Dinah und jenem treuen Dienstboten begleitet, der auch in den früheren Jahren sie zu begleiten pflegte, zum Wald hinaus. Moscheh war während des ganzen Weges in gedankenvolles Schweigen versunken. Unablässig irrten seine Augen über das blühende Gelände, durch welches sie fuhren. Tausend Erinnerungen flatterten auf. von den grünenden Thälern und Hügeln, von den schimmernden Gewäffern und nahmen seinen Sinn gefangen .... Nach einstündiger Fahrt befanden sie sich im Walde. Mit staunenswerther Elastizität schwang sich Moscheh aus dem Wagen. „Da wollen wir uns niederlassen, Kinder," sprach Frau Friedberg an einer schattigen, von schwellendem Gras bewachsenen Stelle- „Anna breite die mitgebrachten Servietten aus und nehme den Mundvorrath aus dem Wagen." Moscheh richtete einen bittenden Blick auf Schulamit, welche ihren Arm um den Hals der Mutter schlang und ihr etwas ins Ohr flüsterte. „Nun, so gehet," sprach Frau Friedberg, „ich werde Euch hier zur Jause erwarten. Daß Ihr Euch aber nicht zu lange säumt." Begleitet von der treuen, alten Dienerin, machten sie sich auf den Weg zum Besuche ihres alten Lieblingsplatzes. Der Pfad schlängelte sich mit ziemlicher Steigung zwischen dem Labyrint der Bäume und Moscheh mußte einigemale stille halten, um Athem zu schöpfen. Auf eine Bemerkung Schulamits, ob ihn die Bergwanderung nicht zu sehr anftrenge und ob es nicht rathsamer für ihn wäre, umzukehren, schüttelte er verneinend den Kopf und setzte schweigend den Weg fort. Schweigsam schritt er an der Seite Schulamits dahin. Wenn aber auch seine Lippen schwiegen, so führten seine Augen eine um so beredtere Sprache. Sie schweiften unablässig von einem Punkt zum andern und sein bewegtes Mienenspicl spiegelte die lebhaften seelischen Eindrücke wieder, die der Schauplatz einer längst versunkenen, glücklicheren Zeit in ihm erweckte. Ueberall suchte und fand er alte Bekannte. Bald war es ein markanter, mächtiger