Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 22 (16.3.1899)
- Date
- 1899-03-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XX. Jahrgang. M M Der Israelit. Ein Eenlrat-Hrgan für das orlhodore Iudenlhum. Begründet von Dr. gfe£ttmnn in Mains. Donnerstag, den 16. Marz 56*9 (1899). Da mit dem 1. April 1899 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufnrerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1699 eingetragen unter Nr. 3784. Neu eintretende Abonnenten (Postabonnenten gegen Vorlage der Postquittung) erhalten unser Blatt bis Ende März gratis. Leitender Artikel. MW, ChrWlitzr und DriW-IrmlilW Mfnfdplitbt. Ein Vergleich zwischen der jüdischen und christlichen Menschenliebe, speciell zwischen der Wohlthätigkeit gegen Arme, wie sie von Juden und Christen geübt wird, ist wohl noch niemals zu Urigunsten der Juden ausgefallen. Daß wir Juden Herz und Hand für Arme haben, haben zu aller Zeit selbst unsere Feinde so rückhaltlos anerkannt, daß darüber kein Wort verloren zu werden braucht. Das scheint heute anders geworden sein, nicht bei dem Wohlthätigkeitssinn der Juden alten Schlages, aber doch bei dem Deutsch-Israelitischen, wie ihn der Gemeindebund verzapft. Eine Commission desselben, zur Bekämpfung des Wanderbettels u. s. w. hat im vorigen Monat eine Sitzung gehalten, deren Resultat in vier Theilen besteht, welche jene Commission selber veröffentlicht hat. Die vierte dieser Resolutionen lautet: Es ist an dem Prinzip, die Einwanderer an der Grenze aufzuhalten und die unwürdigen Elemente znrückzuschicken, sestzuhalten. Die Ausführung ist in einer Subcommission zu berathen, die sich zunächst mit den, den Einwanderungsstellen benachbarten Vorständen schriftlich in Verbindung zu selben hat. Das ist ein nettes Prinzip, an dem hier festgehalten werden soll. Es ist dasjenige unserer Antisemiten, die auch eifersichtig darüber wachen, daß nicht zu viele Juden oie deutsche Grenze überschreiten. Aber die außerjüdischen Antisemiten haben wenigstens den idealen Zug, daß sie vor dem Geldbeutel der Einwanderungslustigen keine Verbeugung machen. Sie wollen gar keine Juden über die deutsche Grenze wandern sehen, seien sie arm oder reich — darin liegt Prinzip. Die Commission des Gemeindebundes hält aber an diesem Prinzip nur fest, wenn die Juden arm sind. Das ist, wenn auch nicht jüdisch, so doch Deutsch-Israelitisch. Naive Gemüther haben gefragt, mit welchen Mitteln die Einwanderer an der Grenze aufgehalten werden sollen. Wer so frägt, kennt wohl das Prinzip nicht, an welchem die Armen-Commission des Gemeindebunde» festhalten will. Wer es gern kennen lernen will, muß etwas über ein viertel Jahrhundert zurückgehen, in die Zeit, in welchem der D.-J G.-B. noch in den Kinderschuhen steckte und daher noch so offenherzig war, seine Prinzipien in kindlicher Weise auszuplaudern. Damals, es war im Jahre 1873 — unterbreitete der Ausschuß des D.-J G.-G. Vorschläge für eine „Organisation der jüdischen Localarmenpflege mit Beseitigung der Wanderbettelei," welche u. A. folgende Verordnungen enthielt: ES ist nicht streng genug darauf zu halten, daß jeder Versuch zur Hallsbettelei durch beharrliche Ver Weigerung jeder Privatgabe erfolglos für sie gemacht werde. Den Mitgliedern deS UnterstützungS-Vereins wird eine Anzahl von Anweisungs Formularen behändigt, die sie in ihren Geschäftslokalen und in ihren Wohnungen hinterlegen