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Der Israelit · 1899-03-09 · Heft 20 (9.3.1899) · page 30

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 20 (9.3.1899)
Date
1899-03-09
Page
– (sequence 30)
Language
German
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70 mmm Die Kolonie “fTTn 1D»D». Von Agronom N. Kaisermann in Jaffa. (II. Fortsetzung.*) Im Allgemeinen sind die Mischmarer flüssige und arbeitslustige Leute; die Agronomen von Rösch-Pinäh und Jessud-Hamaa- 1 ä h haben über die bei ihnen arbeitenden Kolonisten aus Misch mar ein sehr günstiges Urtheil gefällt. Ich selbst hatte bei meinen mehrmaligen Besuchen dieser Kolonie über die Mehrzahl der Kolonisten und deren Familien, ihre Lebensweise und Duldsamkeit eine sehr gute Meinung bekommen, wenn es auch allerdings ältere und schwächere Leute giebt, die zum Aufbau der Kolonie wenig beizutragen im Stande sind. Mischmar-Hajardön zählt 28 Kolonisten, aber in der Kolonie selbst sind nur 18 Kolonistenfamilien ansässig, 7 Kolonisten wohnen in Safed und Jessüd-Hamaaläh, und 3 befinden sich im Auslande. Die Bevölkerung Mischmars besteht aus 98 Seelen, darunter 59 männliche und 39 weibliche. Arbeiter zählt die Kolonie 29, davon 20 Arbeiter I. Kategorie, 4 II. und 2 III, ausserdem einen Sehochet, einen Tischler und einen Schuster, die zugleich Kolonisten sind. Häuser giebt es in Mi schm ar 15 steinerne; Ställe giebt es nur 2 steinerne und 2 hölzerne. Ausserdem giebt es noch Schuppen oder kleine Scheunen. 4 aus Holz und 4 aus Geflecht. Die meisten Häuser bestehen aus 2 Zimmern (8X4 Meter), nur wenige aus 3 Zimmern (12X5 Meter). Die Häuser sind in der Regel ordentlich sauber gehalten, und machen dadurch einen ziemlich günstigen Eindruck, wenn auch die Dächer etwas siebartig beschaffen sind, und den Regen, zum Unmuth der Insassen, in die Stuben eindringen lassen. Ein paar Familien wohnen in kleinen, engen Baracken ans Geflecht, das Dach aus Blecheisen (Scheujouk, Schwarz u. A.); diese Familien sind wirklich bedauernswerth. Aber das Traurigste in der Kolonie ist der Mangel an Stallungen. Steht das Vieh unter freiem Himmel, so ist es der Gefahr ausgesetzt, von den Arabein gestohlen zu werden, was auch oft geschieht; aber noch schlimmer ist es im Winter, wo ausser dieser Gefahr das Vieh dem Regen und den kalten Winden ausgesetzt ist, und in der Regel sich dadurch erkältet und elendiglich zu Grunde geht. Und der arme Kolonist plagt sich, dtn Verlust durch Ankauf einer Kuh zu ersetzen, denn eine Kolonistenfamilie in ärm- *pS. Nr. 684. j liehen Verhältnissen ernährt sich zum grössten Th eile von einer Kuh. Das führt also doch zur Vergrößerung des Viehstandes, besonders was Kühe anbetrifft, aus dem eben angeführten Grunde. So hatte Mischmar 1894: 21 Kühe, 1895: 42 Kühe. Dagegen haben die übrigen Vieharten abgenommen. So waren 1894: 4 Pferde, 12 Ochsen. 27 Kälber, 19 Esel; 1895: nur 2 Pferde, 4 Ochsen, 24 Kälber, 16 Esel. Wie oben erwähnt wurde, arbeiten die tüchtigsten Kolonisten von Mischmar in Rösch- Pinäh und Jessud-H amaal äh, um daselbst ihr tägliches Brod zu verdienen. Daraus erhellt, das die Mischmarer bei sich nur wenig zu arbeiten vermögen. Ackerbau betreiben sie nunmehr so gut wie gar nicht; es bleiben nur die Weingärten und die Hausgärten. Letztere giebt es auch nur bei ganz wenigen Kolonisten, und auch die sind meist vernachlässigt. Was die Weingärten anbetrifft, so machen auch diese im Grossen und Ganzen einen schlechten Eindruck und gewähren einen traurigen Anblick. Es giebt 24 Weingärten, (im Ganzen auf 26 Hektar bis 90,000 Stöcke); davon sind nun 6 in ziemlich gutem und 6 in mittelmässigem Zustande, die übrigen 12 sind dermassen schlecht, dass sie keine Verbesserungskosten lohnen. Der Werth der Weingärten ist ein geringer, denn sie werden sehr vernachlässigt und schlecht bearbeitet. Es giebt Kolonisten, die ihre Weingärten gar nicht mehr bearbeiten, und diejenigen Weingärten, die bearbeitet werden, bekommen eine so kärgliche Bearbeitung, dass sie durchaus nicht genügend ist. Selbst die Weingärten, welche wir hier mit „gut“ bezeichnten, sind es nur im Verhältnisse zu den anderen Weingärten; dagegen würden sie in Rischön l’Ziön oder in Katra etwa zu den mittelmäßigen zählen. Abgesehen davon, dass die Kolonisten in Mischmar weder Mittel, noch Zeit und Vieh haben, um die Weingärten gehörig" bearbeiten zu können, sind alle Weingärten von allen Seiten offen, nicht umzäunt, so dass Diebe und Vieh immer freien Zutritt haben, um das zu zerstören, was der Fleißigste mit grösster Aufopferung erzielt hat. Es ist daher äußerst nothwendig, diejenigen Weingärten, welche noch einen Werth repräsentiren, mit Gräben zu umziehen. Was die Sorten der Rehen betrifft, so sind hier hauptsächlich die sogenannten arabischen Trauben gepflanzt; nur selten

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