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Der Israelit · 1899-03-09 · Heft 20 (9.3.1899) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 20 (9.3.1899)
Date
1899-03-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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981 sich dasselbe nicht nehmen lassen. In derselben Tonart sprachen eine ganze Reihe von Protestversammlungen, welche im Ostend veranstaltet wurden und es läßt sich schon jetzt übersehen, daß die Aktion von Lord Rothschild resultallos verlaufen wird.? London. Der kürzlich verstorbene Lord Herschell, der Führer der liberalen Partei im englischen Oberhaus, stammt aus einer jüdischen Familie, obwohl sein Vater bereits sich hatte taufen lassen, ehe der jetzige Lord Herschell geboren wurde. Dieser Vater, der in Strzelno bei Thorn geboren war, ließ sich in London mit seinem Bruder taufen. Beide Brüder wurden Geistliche, wie ja bekanntlich ziemlich viele Geistliche der englischen Kirche getaufte Juden sind. Es spricht sür die Toleranz der Engländer, daß Lord Herschel in seiner politischen Karriere durch seine jüdische Abstammung nicht behindert wurde. Feuilleton. verkauft. Eine Erzählung au- Ungarn. 46) Von Samuel B. Rofuer. Nachdruck verboten. Nuben fieberte die ganze Nacht und an seiner Stelle mußte am frühen Morgen Dinah sich entschließen, zur Bahn zu fahren, um Schulamit abzuholen. Tags über drängte bei ihm die Besorgniß um das Kind jeden anderen Gedanken zurück und die Erinnerung an das gestrige Geschehniß schwebte ihm vor, wie der unklare Schatten eines bösen Traumes. Als er aber kurz vor der Mittagszeit durch das Fenster sein Kind blühend und strahlend ankommen sah, da senkte sich auf sein, von der einen Sorge befreites Gemüth mit vernichtender Wucht die Andere, nicht minder schwer herab. Und als er sich mit dem ganzen Aufgebot seiner Energie endlich aufraffte und hinauswankte, um seine Tochter zu begrüßen, da mußte er an Jiftach denken, der seine jungfräuliche Tochter durch ein Gelübde dem Untergang geweiht hatte. —- Er war stille Nacht. Eine harmonische Frühlingsnacht, von sanftem Mondlicht erfüllt. Rüben Friedberg ließ die Glückseligkeit, die sein Herz erfüllte, nicht einschlafen. Endlich, endlich befand sich da« theuere Kind wieder unter einem Dache mit ihm. Nein, es war nicht zu glauben, wie sie sich in der kurzen Zeit ihrer Abwesenheit verändert hatte. Wie prächtig, wie vornehm sie geworden war. Alles Kindische, dar ihr noch angehaftet, war abgestreift. Seine Schulamit war eine ganze Dame geworden. Und was für eine! . . . Er hätte darüber in Heller Freude auflachen mögen. Die Mitternacht war schon vorüber. Er schlich auf den Fußspitzen zu dem Zimmerchen, in welchem Schulamit schlief. E» war dasselbe, in welchem ihr Kinderbettchen gestanden. Lautlos schlich er sich zur Thüre und lauschte. Er wollte ihren Athemzügen lauschen. DaS Mondlicht fiel in breiten Streifen silbern ins Zimmer. Da hörte er sich plötzlich angerufen. „Papa, Papa!" Er trat sachte ein. „Warum schläfst du nicht, Kind?" sprach er zärtlich verweisend. Er ließ sich neben ihrem Bette nieder und sie schlug ihren Arm um seinen Hal». „Und warum schläfst du nicht? Ich war schon eingeschlafen, da bin ich aber wieder erwacht, al» ob mich Jemand geweckt hätte. Und da« Erste, was mir einfiel, war, daß ich nun wieder bei Tuch bin und darüber entstand ein solcher Jubel in meinem Herzen, daß ich mit offenen Augen träumend wach bleiben mußte." Und dann ging« an ein Erzählen, welches fast kein Ende nehmen wollte. Ueber Alles und Jedes in der Stadt wu^te sie etwas zu berichten. Als aber der Vater von Ohngefähr die Sprache auf Rudolf Felder lenkte, da schlüpfte sie darüber mit eiliger Hast hinweg. Plötzlich hörte Rüben Geräusch im Hofe. Cr sagte Schulamit gute Nacht und ging hinaus, um nachzusehen, war die Ursache diese« Geräusches sei. Er traf im Hof den Arzt, der stolpernd den Weg zur Gassenthüre suchte. Er fluchte wie ein Köhler. „Sind Sie es, Herr Doktor?" fragte Rüben. „Dem Himmel sei'» geklagt, ja", brummte jener. „Ein Hundeleben da-!" „Wer bedarf denn Ihrer Hülfe hier im Hause?" „Sie sind auch ein netter Nachbar: Der Junge liegt krank bis über die Ohren. Doch Adieu — muß trachten, in die Federn zu kommen." Moscheh war krank! Wie ein flüchtiger Blitz flog Rüben ein Gedanke durch den Kopf. ... Es war ein dunkler Gedanke und dennoch fiel er wie erhellend in Rubens Geist. Er senkte die Stirne und bewegte die Lippen zu einem unverständlichen Murmeln. Dann kehrte er wieder langsam in da« Haus zurück.-- Moscheh war krank seit der Stunde, da seine Muttter von dem nächtlichen Besuch bei Rüben Fried, berg zurückkehrte. Matt von den Aufregungen der letzten Tage, hatte er früher als gewöhnlich fein Lager aufgesucht.

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