Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 18 (2.3.1899)
- Date
- 1899-03-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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5t Jahrgang. M 18 Der Israelit. Ein Aenlrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenlhum. Begründet von Dr, £*&m*nn in &t«ins> Donnerstag, de« 2. März .^6S9 <i«9SU Leitender Artikel. Der deutsche Htaöötneroeröand. Von I. St. In der neueren Zeit hat sich über den Anschluß orthodoxer Rabbiner an den deutschen Rabbinerverband eine Controverse erhoben, die in der Frage gipfelt, ob diese Herren damit im Sinne ihres Lehrers, des hochverehrten Herrn Rabbiner Dr. Israel Hildesheimer '*j gehandelt haben oder nicht. Für mich und alle diejenigen, die wie ich dem Rabbinerstande nicht angehören, aber ein warmes Herz für die altüberlieferte Väterreligion habe«, drängt sich eine ganz andere und zwar die Frage aus: Ist der Eintritt orthodoxer Rabbiner in den deutschen Rabbinerverband für das strenggläubige Judenthum von Nutzen und darum eine Nothwendigkeit, oder sind nach allen bisher gemachten Erfahrungen nach menschlicher Voraussicht Nachtheile zu erwarten, so daß, um diese zu verhindern, der Austritt dieser Herren aus dem Rabbinerverbande erwünscht und nothwendig erscheint? Die Verbände im bürgerlichen Leben vereinigen zur Wahrung ihrer Interessen zumeist Mitglieder in sich, die b'S auf ganz UmvefentlicheS einig sind. Ja unserem Falle haben sich zwei Parteien vereimgt, die Jahrzehnte lang sich schwer bekämpft haben und deren Ziele soweit von einander sich scheiden, wie der Tag von der Nacht. Für die eine dieser Parteien, die orthodoxen Rabbiner, ist das jüdische Gesetz in seiner ganzen Ausdehnung unverbrüchlich und folgerichtig unverrückbar. Für die Reformrabbiner ist das Gegentheil der Fall, sie wollen die jüdische Religion reformtren, verbessern, ein Unterfangen, das Schäden der Religion als Voraussetzung haben müßte. Da wirft sich nunmehr von selbst die Frage auf: Hat sich bei den jetzigen Reformrabbinern, oder „liberalen" Rabbinern, wie sie sich heutzutage lieber nennen, im Gegensatz zu ihren Vorgängern die religiöse Gesinnung in der Richtung des conservatwen Judenthums so weit geändert, daß ein Anschluß der orthodoxen Ribbiner an dieselben in einem Rabbmeroerband dem strenggläublgen Judentbum nicht nur nicht zum Nachtheil, sondern zum Nutzen gereichen wird? Thalsächlich ist bei den Reformrabbinern und den Reformern im Allgemeinen in ihrem äußern Behaben, in ihrer Stellungnahme zu den Orthodoxen, in ihrer religiösen Gesinnung, soweit diese sich auf Worte erstreckt, eine Wendung zum Beffern zu constatiren, leider aber nicht in Bezug auf die jüdische Thal, auf die eS in der jüdüchen Religion dock haup sächlich ankommt Doch auch diese kleine Best rung ist als Anfang einer solchen mtt Freuden zu begrüßen. Während die Reformrabbmer vom alten Schlage und die ehemaligen Mlchthaber der Reform, die Gemeindevertreter, im stolzen Bewuptiem ihrer vermeintilchen geistigen und materiellen Glühe Nicht allein mit Geringschätzung auf die „Alten" blickten, sondern diese mit der ganzen Wacht ihrer Macht auf das schrecklrchste verfolgten und in ihren heiligsten Eliipsindungen aufs tiefste verletzten; während die alten R former nur emzureißen sich bemühten, Stein um Stein vom heiligen Gebäude der Religion lösten, und dadurch, daß sie mit ihren Reformen den Leidenschaften des Volk s stöhnten, zu Verführern des Volkes geworden sind, hat sich in neuerer Zeit eine gewisse Annäherung der Vertreter dieser „Richtung" an die Orthodoxen vorbereitet. Diese gewiß an sich erfreuliche Erscheinung ist außer dem