Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 16 (23.2.1899)
- Date
- 1899-02-23
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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Xli. Jahrgang. Dritte Beilage M J\s 16 -es „Israelis. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 22. Febr. (Herrenhaus.) Der Gesetzentwurf betr. die Synagogengemeinde-Verhältnisse in Frankeurt a. M. wird in der Fassung des anderen Hause» auf Antrag de» Berichterstatters Adickes unverändert ohne Debatte angenommen. Frankfurt a. M, 20. Febr. Zum letzten Male versammelte sich heute im heff. Palais ein geladenes Publikum in den Räumen der Palästina- Ausstellung, um der feierlichen Schließung derselben beizuwohnen. Herr Wies loch begrüßte in freundlichster Weise die Anwesenden und dankte für das zahlreiche Erscheinen. Er sagte ungefähr Folgendes: In einigen Tagen wird dieses fürstliche Palais zerstört werden und einem Neubau Platz machen müssen, somit ist auch für die Ausstellung das Ende gekommen. Fragen wir uns: haben wir das erreicht, was wir erhofften, so müssen wir gestehen, daß so manches hinter unseren Erwartungen zurückgeblieben ist. Viele Factoren, auf die wir rechneten, haben nicht recht mitgethan. Wenige unserer Glaubensgenossen haben unserem Unternehmen genügend Interesse entgegengebracht. Vielleicht aus Mißverständuiß. So hat uns in den letzten Tagen ein wohlthätiger Mann für die Ausstellung, die er nicht besuchen konnte, etwas schenken wollen. Wir entgegnetem dem Herrn, daß wir ehrlich arbeiten und uns nichts schenken lassen wollten, die Gabe gern und bereit annehmen, aber dafür Produkte der Ausstellung dem Herrn übersenden werden. Da der Herr für dieselben keine Verwendung hatte, so übergaben wir dieselben einem wohlthätigen Institute, dem hiesigen Siechenhaus. Wenn wir Ihnen einige Schattenseiten vor Augen geführt, so wollen wir Ihnen nun einige freundliche Bilder zeigen. Die statistischen Zahlen werden Ihnen die Ueberzeugung beibringen, daß die Bemühungen des ComitS's doch nicht ohne Erfolg gewesen. Im Monat Dezember wurden im Engros 1438, Januar 1276, Februar 3845, in Gesammtsumme 7560 Flaschen Wein an den Mann gebracht. Frau Baronin v. Rothschild kaufte 1000 Flaschen, im Werthe von circa 1885 M., an. Im Detail-Verkauf hatten wir im Monat Dezember 2250, Januar 1370, Februar 900 Flaschen abgesetzt. Alles inSgesammt 129 845. Schnitzereien brachten etwa 5645 Mark ein. Der Leiter für geschäftl. Angelegenheiten der Palästina-Jmport-Gesellschaft bewerkstelligte noch in den letzten Tagen den Verkauf von 2000 Flaschen im Werthe von 3800— 4000 Mark. Die Einnahmen belaufen sich auf 25 600 Mk., so daß ein kleines Deficit von 2—3000 Mark verbleibt. Dieses hoffen wir noch in den letzten 2 Tagen auszugleichen. In einem anderen Sinne haben wir unfern Zweck erreicht. Wir wollten in unserer Vaterstadt Frankfurt a. Dt. die jüd. Colonisatiou in Palästina und die dort erzeugten Produkte eiuführen. Wünschenswerth wäre es, wenn kleinere Städte uns nachahmen würden Uns wäre das schwere Werk nicht gelungen, hätten die Damen, Frauen wie Mädchen, nicht so tapfer uns zur Seite gestanden. Die Damen hatten ihre Tage, an denen sie in der Ausstellung aufzuwarten übernommen, stricte eingehalten, sogar mehr als dies. Auch müssen wir Herrn I. Fromm, der seinen Namen nicht unter die Namen der Eomittzmitglieder setzen wollte, unseren Dank für die fachmännischen Rathschläge, die er uns bei Jnaugurierung der Ausstellung ertheilte, aussprechen. Nicht minder sind wir Herrn Pfarrer Battenberg für seinen belehrenden Vortrag, Herrn Rechtsanwalt Dr. Plotke für seine würdevolle Eröffnungsrede, last nost least dem großen Comiie, das durch seine illustren Namen unsere Phalanx bildete, zu größtem Danke verpflichtet. Auch den sämmtlichen Angestellten sei öffentlich für ihr mühevolles Walten Lob und Anerkennung ausgesprochen. Herr Dr. Hirsch Hildesheimer, der die Schlußrede halten sollte, ist durch dringende Angelegenheiten in Berlin zurückgehalten und hat durch einen Eilbrief sein Bedauern, daß er nicht erscheinen kann, ausgedrückt. Jedoch wird derselbe in einigen Tagen in einem geeigneten Locale über die Kolonisation Palästina's sprechen. Dann werden wir zur Bildung eines Lokalcomitö für den Verein „Esra", dessen Hauptsitz in Berlin ist, schreiten. Wir wollen die Erzeugnisse nicht zu hohen Preisen verkaufen, sondern nur die Colonisation fördern. Wenn Herr Dr. Hildesheimer für Rechnung dieses Vereines eine Colonie im Werthe von 12 000 Frs. anzuwerben bestrebt ist, was in kürzester Zeit geschehen wird, so muß man die Ueberzeugung gewinnen, daß der Verein ein wirklich wohlthätiger ist. Er befaßt sich nicht mit utopistischen Ideen. Nochmals allen Anwesenden und Mitwirkenden dankend, sprach Herr Wisloch den Wunsch aus, daß alles was unsere Glaubensgenossen unternehmen werden, zumindest so gelingen möge, wie die Palästina-Ausstellung in Frankfurt am Main im Jahre 1698/99. Sodann erklärte der Präsident die Ausstellung für officiell geschlossen, ersuchte die Anwesenden aber, sich in den Räumen zum letzten Male gemüthlich zu thun. Herr Perls, Geschäftsleiter der P. Jmp.-Gesellschast hob hervor, daß Herr Wisloch