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Der Israelit · 1899-02-23 · Heft 16 (23.2.1899) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 16 (23.2.1899)
Date
1899-02-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XX. Jahrgang. Erste Beilage M M16 des „Israelit". Zeitungsnachrichten nnd Gorrespanden-en. Deutschland.? Berlin, 19. Febr. In der vorigen Woche waren hier die Agrarier zu ihrer -großen alljährlichen Demonstration „Generalversammlung des Bundes der Landwirthe" genannt versammelt. Daß dabei auch der Juden und nicht sehr liebevoll gedacht werden würde, war zu erwarten. Sind doch alle die edlen Herren daran gewöhnt, wenn ihnen die Gedanken zum Reden fehlen, sich durch einige Schimpfereien auf die Juden aus der Verlegenheit zu helfen. Daß der Redakteur der „Deutschen TageSzeituna", bei allen dem „Bunde der Landwirthe" feindlichen Organisationen z. B. dem „Schutzverband gegen agrarische Uebergriffe" und dem Bauernverein „Nordost" jüdische Hintermänner voraussetzte ist ja selbstverständlich, ebenso, daß Abg. Diederich Hahn zum Kampf gegen Großkapital und Großjudenthum aufforderte. Bemerkenswerth ist, daß die reinen Antisemiten oder Hauptschreier v. Sonnenberg, welche sonst auf den großen Bundesversammlungen immer das große Wort führten, diesmal gar nicht zur Geltung gelangten. Allein man muß konstatiren, daß der Antisemitismus schon so mit dem Bunde der Landwirthe verwachsen ist, daß er keiner besonderen Partei bedarf. Reine Antisemiten und Bund der Landwirthe, derselbe Faden und dieselbe Nummer.? Berlin. Wie unangenehm den Antisemiten der Nachweis ist, daß die Juden auch al« Bauern sich bewähren, kann man aus ihrem Verhalten gegenüber der Ausstellung der Produkte der jüdischen Bauern und Handwerker, die zur Zeit in Frankfurt ftattfindet, sehen. Das offizielle Organ der antisemitischen Partei giebt die Parole aus, die dort vorgeführten Produkte so schlecht zu machen als nur möglich. Vorhersehend indessen, daß dies nichts helfen wird, weil die Qualität der ausgestellten Waaren wirklich eine gute ist, sucht man sich mit der Anzweiflung auszureden, daß die gezeigten Produkte gar nicht von Juden erzeugt sind, denn: „der Ackerbau sei ja nun einmal nicht nach der Juden Geschmack". Zugleich weisen die Antisemiten auf die Bettelbrief-Industrie in Liberias nnd anderen Städten hin, die die eigentliche Erwerbsquelle der Juden des heiligen Landes sei. Man kann daraus leicht ersehen, wie peinlich es den Führern der Antisemiten ist, wenn sie wieder einmal den Juden Unlust zum Ackerbau vorwerfen, durch den Hinweis auf die Erfolge der jüdischen Bauern im heiligen Lande geführt zu werden. Ja diesem Sinne arbeiten unse^ Brüder in den jüdischen Kolonien für uns alle mit, weil sie zur Ehre des Judenthums beitragen. -d- München, 20. Febr. Neben der Gemeinde Ohel Jakob besteht hier noch eine kleinere Gemeinde, welche ebenfalls den Gottesdienst in streng religiösem Sinne pflegt. Diese Gemeinde hat seit 1686 in der Fürstenfelderstraße einen Betsaal inne, der lange Jahre hindurch sich vollkommen primitiv präsentirte und jeder äußeren Zierde entbehrte. Nun hat sich vor ca. 2 Jahren eine Anzahl wackerer junger Männer, theils Studirende, theils Angehörige des Kaufmannstandes zusammengethan und einen Verein „UnitaS" Chewrath Kischut beth Hachneseth a. V. gegründet. Wie schon der Name sagt, hat sich dieser Verein zur Ausgabe gesetzt, für Ausschmückung und Verschönerung der dem Gottesdienst gewidmeten Räume zu wr ren. Zu diesem Behufe wurden zu passenden Gelegenheiten, wie zu Chanuka, Purim Familienfeste mit GlückShafen und Verloosung veranstaltet; Mitglieder des Vereins sorgten für die Unterhaltung durch Gesang, Musik und theatralische Aufführungen. Auf diese Weise wurde ein hübscher Reinertrag erzielt; ein Theil hiervon wurde im vorigen Jahre dazu verwendet, um die Räume des BetsaaleS zu renoviren und hübscher zu gestalten. Ein anderer Theil diente dazu, um ein neues Sefer schreiben zu lassen, welches am 'ß rav in feierlicher Weise eingewetht wurde, wozu auch die Vorstände von Ohel Jakob eingeladen waren. Mögen die wackeren jungen Männer in ihrem löblichen Eifer weiter wirken und möge ihr rühmliches Bestreben auch fernerhin vom besten Erfolge begleitet sein zum Nutzen und Gedeihen der Gemeinde, welcher sie sich widmen! Frankreich. Paris. Der „Gaulois", das Organ des getauften Juden Meyer, hat kürzlich einen Artikel gebracht, in dem es hieß, die Kampagne für Dreyfus sei zum ersten Mal auf dem zionistischen Kongreß in Basel 1886 erörtert und beschlossen worden. Demgegenüber versendet Bernard Lazare einen offenen Brief an alle Zeitungen, in dem er konstatirt, daß der erste Zionistenkongreß 1897 stattfand, dagegen 1896 noch kein solcher existirte. Dagegen begann Lazare seine Kampagne im October 1896 und als im August 1897 der erste Zionistenkongreß ftattfand, sprach schon alle Welt von dem Auftreten Scheurer- Keftners für den Unglücklichen von der Teufelsinsel. Mit beißender Satyre fügt Lazare hinzu, der zweite Kongreß der Zionisten, an dem er selbst theilnahm,

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