Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 16 (23.2.1899)
- Date
- 1899-02-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XL. Zahrgaitg. M 10. Der Israelit. Ein Henlrat-Hrgan für das orthodore Iudenthum. Begründet von Dr. £efjrmctttn in fKain} Do««erstag, de« 23. Februar SÜSS (18S9). Nr Eine Mervlr abonnirt man bei allen Postanstalten für den Monat KG März KZ auf den Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-Zeitungsschalter des Wohnsitzedes Bestellers oder bei dem betreffenden Landbriefträger aufgegeben werden. Ausland entsprechend höher. Pie Erprdilion des „Israelit". Leitender Artikel. Graf jMlrr aber Jude» M Meulhuw. Mainz, 22. Februar. (Schluß.) Herr Graf Pückler ist ein gründlicher, bibelfester Mann und geht auf die altersgraue Vergangenheit zurück, um die Schlechtigkeit der Juden zu beweisen. Sr erinnert uns daran, daß schon im II. B. M., Cap. 33, V. 9 geschrieben stehr: „Ich sehe, daß es ein halsstarriges Volk ist." Aber daß diese Halsstarrigkeit gerade das Motiv für Moses war, Gottes Gegenwart für sein Volk zu erbitten und trotz dieser Halsstarrigkeit Gott sich erbitten ließ, aufs neue seinen Bund mit Israel zu schließen wie es im Cap. 34 V. 9 10 heißt, das hat die Bibelfestigkeit des Herrn Grafen Pückler doch übersehen. Es wird noch Jesajas citirt: „ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn, aber Israel kennt es nicht und mein Volk vernimmt es nicht." Verschwiegen wird aber, daß diese Fehler Israels Jesaja nicht abgehalten hat, sofort im folgenden Capitel II von Juda und Jerusalem zu verkünden, daß dort der Berg des Gotteshauses fest gegründet stehen werde am Ende der Tage, daß zu ihm alle Völker Zuströmen werden mit den Worten: Kommt wir wollen hinausziehen zum Berge GotteS, zum Hause Jakob, daß es uns von seinen Wegen lehre und wir in seinem Pfade wandeln, denn von Zijon wird die Lehre Gottes ausgehen und das Wort Gottes von Jerusalem u. s. w. Graf Pückler führt vom Propheten Jeremias den Ausspruch an: „Aber sie hören nicht und neigen ihre Ohren nicht, sondern bleiben halsstarrig, daß sie mich ja nicht hören, noch sich ziehen lasten." Aber der Ausspruch JeremiaS scheint dem Herrn Grafen Pückler entgangen zu sein, mit dem das Cap. II einleitet: „Gehe und verkünde es vor den Ohren Jerusalems, so hat Gott gesprochen: ich denke dir die Hingebung deiner Jugend, die Liebe der Brautzeit, als du mir nachwandeltest in die Wüste, in ein unbesäetes Land. Israel bleibt das Heiligthum Gottes, der Erstling seines Ertrages, alle seine Verzehrer veröden. Unglück kommt über sie, ist der Spruch Gottes." Herr Graf Pückler wird aus diesen Proben vielleicht ersehen, daß das alte Testament nicht der geeignete Boden ist, um Steine für die Steinigung der Juden zu sammeln. — Er verläßt nun auch diesen Boden und kommt auf die Zerstörung Jerusalems, die Verwüstung des Landes und die Zerstreuung Israels zu sprechen, die er als Strafe für die Tödtung des Stifters der christlichen Religion auffaßt. Es entgehen ihm dabei einige Kleinigkeiten, z. B. daß diese Tödtung zu einer Zeit stattfand, als Judäa unter Roms Oberhoheit stand, als die Juden gar kein Recht mehr hatten, Todesurtheile zu fällen und zu vollziehen, daß dies Sache der römischen Landpfleger, der Pontius Pilatus und Consorten war. Nicht die Juden, die Römer haben diese Kreuzigung vollzogen.