Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 15 (20.2.1899)
- Date
- 1899-02-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XL.. Jahrgang. M 15. Der Zsraelit. Ein Kentrak-Hrgan für das orthodore Iudenthum. Begründet von Dr. Celimann in Btnin}. Montag, de« 20. Februar 56SS (1899). s.r Eine Mnelr abonnirt man bei allen Postanstalten für den Monat KG März auf den „Israeli*". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-Zeitungsschalter des Wohnsitzes des Bestellers oder bei dem betreffenden Landbriefträger aufgegeben werden. Ausland entsprechend Die Erpkdiüon -es „Israelit". Leitender Artikel. Grus Pikier filier Jude« und Menthm. Mainz, 17. Februar. Lange hat uns nichts so widerwärtig berührt, als der verbissene, vor keinem Gewaltakt zurückschreckende Fanatismus, den ein Vortrag des Schlesischen Grasen Pückler über Juden und Judenthum athmet. Ein großer Theil der Presse hat von demselben bereits Notiz genommen und ihm die gebührende Würdigung angedeihen lassen. Wenn auch wir uns damit befassen, so geschieht cs nicht in der Hoffnung, dm Grafen eines befferen zu beehren, was bei der halsstarrigen Beschränkheit, die aus allen Fugen und Kanten dieses Ergusses leuchtet, von vornhinein ausgeschloffen scheint. Es ist uns lediglich darum zu thun, unfern Standpunkt zu diesen Expectorationen zu präcisiren, wie wir dies bei ähnlichen Aeußerungen wiederholt zu thun Veranlassung hatten. Der Herr Graf läßt sich nämlich ein kleines Hinterpförtchen offen, vor das wir ihm mit diesen Zeilen einen Riegel schieben möchten. Nachdem derselbe in einer ganz ungewöhnlich ungeberdigen Sprache sich über Juden und Judenthum ausgepoltert hat, läßt er sich mitten in der Fluth seiner Schimpfereien zu folgender reservatio mentalis herbei: „Wohl mag es noch einige fromme Juden geben, das will ich gar nickt leugnen, die sich den kindttchen Glauben ihrer Väter bewahrt haben und still und demüthig auf ihren Messias hoffen, aber in ihrer grotzen Mehrzahl sind die Juden vollständig von Gott abgefallen und» tanzen lden Tanz ums goldene Kalb, wie einst in alten Zeiten." Es ist das alte Lied von der Scheidung der Schafe von den Böcken, gegen die wir hier des Mschiedensten protestiren. — Unser Blatt vertritt ausgesprochener Maßen die Interessen des orthodoxen Judenthums, d. i. der kindliche Väterglaube, wie ihn Graf Pückler geschmackvoll zu nennen beliebt. Es bekämpft feit feinem Bestehen ohne Unterlaß und ohne Rücksicht das Reformjudenthum in allen seinen Richtungen. Man wird uns daher gewiß keiner Voreingenommenheit für das Reformjudenthum zeihen. Aber dieses Graf Pückler'fche Unterfangen trägt feine ganze Uawahrhaftigkeit und Unmöglichkeit so offenkundig, wie seinen ganzen hanbuchenen Charakter als unverlöschlicher Kajinrzeichen an der dreisten Stirne, daß sie auch das blödeste Auge erkennen muß. Juden und Namenjuden oder Reformjuden mögen hinsichtlich ihrer religiösen Anschauungen, betreffs der Verbindlichkeit ihrer religiösen Satzungen, wie Tag und Nacht, wie Sein und Nichtsein, sich gegenüberstehen, hinsichtlich deffen, worum es sich hier handelt, in der Erfüllung ihrer sozialen Pflichten, ihrer Zugehörigkeit zum großen, gemeinsamen Vaterlande, in ihrer unwandelbaren Treue zum Landesfürsten, in allen diesen Momenten existirt keinerlei Unterschied zwischen den orthodoxen und dem Reformjuden, ja nicht einmal zwischen Juden und Nichtjuden.