Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 14 (15.2.1899)
- Date
- 1899-02-15
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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XXXIX. Jahrgang. Dritte Beilage;u jyj 14 aes „janttlir. geitenbev Artikel. Erste Sitzung der Commission zur Bekämpfung der Wunderbettelei. zur (l)rgunisution der Armenpflege, zur Begründung von Arbeitsnachweisen wie Arbeitsstätten Im Bureau des D. - I. G. - B., Donnerstag, den 2. Februar, 1899, 5 Uhr Nachm. Anwesend : S. Frank— Leipzig, Eh. .Hai lg arten — Frankfurt a. M., Laudgerichtsrath u. Landtagsabgeordueter P c ltasohn—Bromberg. Cr ugeu R o senstiel Berlin, ringer — Bcagdeburg, ferner als Vertreter des D.-F. G.-V. Professor Sv. Philippson Berlin, und als Protokoll fnbrer Dr. Vs. Ne um ann—Berlin. __ Entschuldigt fehlen. M. Adler Berlin, Martin i in o n—Berlin. Heinrich Eohn - Liegiiitz und Leon h. (* m a nu el—Eöln. Professor Philtvpsou begrünte die Erschienenen Namens des T.F. G. B. und regt die Wahl eines Vorsitzenden der Kommission an. Herr Nosenstiel nimmt die auf ihn fallende Wahl an. Dr. Neu mann berichtet über die vom DJ. G. B seit dem Verbandstage in den vorliegenden Fragen entfaltete Thätigteit, Sevaratabzüge des stenographischen Protokolls sind den interessirten staallichen Behörden für jüdische Angelegenheiten, Gemeiudeverbändeu, Armenverbänden, sowie den Großgemeinden überreicht ivorden. Vertreter in die Kommission sind bisher ernannt: vom D. F. G-B.: Maurermeister M. Adler und (5. Nosenstiel, vom BreSlau- Liegnitzer Verband: Heinrich Eohn — Liegnitz, vom Bromberger Verband: Landgerichtsrath P e l t a s o h n — Brom berg, vom Sächsischen Provinzialverband : Sing er—Magdeburg, vom Vorstand Berlin: Bankier Martin Simon, Vorstand Köln a. .Nh.: L e o nh. Cmanuel, Vorstand Leipzig: Selmar Frank, vom Israelitischen Hilfsverein Frankfurt a. M.; Eh. Hallgarten. Die Gemeinde Aachen will ein korrespondirendes Mitglied ernennen. Von eingelaufenen (Korrespondenzen find bemerkenswerth ein Schreiben des Herrn Landrabbiners Dr. Locvv— Birkenfeld, der geeignetes, sachliches und formales Material zum Zwecke der Organisation bezüglich des Wanderbettels, Arbeitsnachweises und der Arbeitsstätten für das 'Nahe- Saar- und Moselgebtet bitte«, sowie des Herrn E. Rothschild—Stadtoldendorf, der seine auf dem Verbandstage gemachten Vorschläge erläutert. Die Verhandlungen des VerbandstageS haben eine anerkennende Würdigung von Seiten des deutschen Herbergsverein des Pastors v. Bodelschwing in Bethel bei Bielefeld gefunden. Das Bureau des D.-I. G.-B. hat gelegentlich der Vorarbeiten für das Statistische Fahrbuch 1899 eine ergänzende Enquöte über die Frage der Wanderbettelei vorgenommen, deren bemerkenswerthesten Ergebnisse mitgetheilt werden. Fn die Verhandlung eintretend berichtet der Vorsitzende Nosenstiel über die im Dezember 1898 in Nürnberg angebahnte Bildung eines süddeutschen Verbandes zur Bekämpfung der Wanderbettelei. Gr zollt den Leistungen und Bestrebungen der Süddeutschen lebhafte Anerkennung und zeigt, welches Interesse der deutsche Süden und Westen an der Verbindung mit dem 'Norden haben müßte. Bezüglich der Organisation empficlt Rosenstiel, solche in die Bezirksverbünde zu verlegen, und wenn die kleinen nicht leistungsfähigen Gemeinden etwas leisten sollen müßten sie durch Unterstützung der größeren teistungsfähig gemacht werden. Das jüngst erschienene Statur des Süddeutschen Verbandes wird von Herrn Hallgarten verlesen. Fn der Diskussion hebt Herr F r a n P-Leipzig hervor, daß die Verhältnisse des Königreichs Sachsen mit seiner kleinen Anzahl von Gemeinden und besonders die ereevtionelleu Verhältnisse der Gemeinde Leipzig der Gentralisation der sächsischen Gemeinden nicht günstig seien. Er verliest eine die Angaben aus scite <9 per „Mittheilungen Nr. 50" berichtigende Sraiistik der Leipziger Armenpflege und sühri aus. daß die Leipziger Verhältnisse, die Abschiebung der Wanserbetiler erfordern. Frank lheilt mit, daß man in Leipzig mit der Organisation der Armenpflege nach dem Elberselrer svstem beschäftigt sei und er selbst die Vorarbeiten fertige. Singer -Magdeburg stimmt dem Leipziger Redner zu. ist in der vorliegenden Frage der provinziellen Or ganisaüon nicht geneigt und hält die Rednzirung der Unter stütziingserats für ein wirksames Mittel, um die Belästigung durch Wanderdettel zu vermeiden. Peltai ohn—Bromberg unterscheidet die drei Punkte: u) Wanderbettelei, I«) Armenpflege, '-Arbeitsnachweis. Zu a) Wanderb. tielei toihif lit er eine Negulirung des Unterstützungswesens durch Schaffung von Bezirken, wie sie zum Th il in den Provinzial bezw. Bezirksverbänden schon vorbanden sind: eS bedürfen diese Perbünde einer Eonirole. Zu b) Armenpflege. Es sind Organuationsbestimmungen zu schassen über deren Ausführung der Bczirtsvorstand wacht, dabei ist die Mitwirkung der Eentralstelle nicht erforderlich. Zu 0 Arbeitsnachweis. Diesen zu schastcn und zu unterhalten bleibt den großen Städten überlassen. Aus den Zusammenhang zwischen a und e weist R osen - stiel hin. Der Arbeitsnachweis verhindere, daß aus Arbeitsfähigen Wanderbettler werden: bei den letzteren unterscheidet er zwischen Fnländcrn und Ausländern. Er macht auf den soeben erschienenen Bericht des Berliner Vereins für Arbeitsnachweis aufmerksam. Peltaiohn wünscht festgelegk zu wissen, durch welche Instanz, Gemeinde, Verband, Eentrale, die Frage der Wanderbettelei behandelt werden soll. Hall garten ist für den Nosenstiel scheu Vorschlag der Bildung von Bezirksverbänden, vereinigt zu einem das ganze .Reich umfassenden Verbände. Er bebt die großen Verschiedenheiten in den einschlägigen Verhältnissen innerhalb der einzelnen Gemeinden hervor. Der Westen habe ein Interesse daran, den Osten, der von den Einwandern zuerst in Anspruch genommen werde, zu unterstützen und ist geneigt, einschlägigen Bestrebungen Mithilfe angedeihen zu lasten. Er ist dafür, die ausreichende Unterstützung der Wanderbetiler möglichst an die Grenze zu verlegen. Besonderen Werth schreibt er auch der Milderung des Elends an seiner Entstehuugsstelle zu, auch wenn diese im Auslande liegt. Phil ippson hebt hervor, daß durch die Durchführungen der Organisationsbestimmungen, die nur auf einheitliche Maßnahmen gegen die Wanderbettelei Hinzielen, den Gemeinden keine neuen Lasten zugemuther werden. Er ist nicht für Verpflanzung der Thätigteit ins Ausland, wohl