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Der Israelit · 1899-02-15 · Heft 14 (15.2.1899) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 14 (15.2.1899)
Date
1899-02-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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254 Haupt jemals früher — wußten doch Beide, daß j ihre Gedanken und Worte sich nur um sie drehten, und deßhald empfand er bei ihren letzten Worten einen solchen Schmerz, wie ein zu Tode Verwundeter, in dessen Wunde man das scharfe Eisen herumdreht. Wozu erweckte sie in ihm eine Hoffnung, die nie in Erfüllung gehen konnte? Besaß sie etwa die Allmacht Gottes, der die Seelen nach seiner Willkür lenkt? „Wie steht es in der heiligen Schrift geschrieben?" sprach Mirjam, während ein unheimlicher Feuer in ihren Augen funktelte und ihr unschöner Mund sich zu einem schreckhaften Grinsen verzog. „Zahn um Zahn, Aug um Aug." Er verstand den Sinn ihrer Worte nicht, aber sie flößten ihm ein Grauen ein. Mirjam erhob sich mit einer für ihre alten Glieder erstaunlichen Elastizität. Moscheh wollte eine Frage an sie richten, aber ein Blick aus seine Mutter verschloß ihm wieder den Mund. Er empfand Furcht vor ihr. Ihr Auge sprühte unheimlich, fast dämonisch .... „Mutter, was willst Du thun?" rang es sich nach einer Pause leise, zitternd von seinen Lippen. Hoch aufgerichtet blickte sie starr, wie abwesend in die Luft. Unbewußt und flüchtig zuckte es um ihren Mund, wie der Schatten eines dämonischen Lächelns. Oh, sie besaß eine furchtbare Waffe und in diesem Augenblick reifte in ihr der Entschluß, Gebrauch von ihr zu machen. War Schulamit nicht ihr Eigenthum? Ist sie nicht einzig und allein dadurch den finsteren Mächten des Todes entzogen worden, daß sie in ihren, Mirjams, Besitz überaegangen war? So lange nicht Schulamit einem Manne angehörte, hing ihr Leben von der Continuität des Bandes ab, welches sie mit Mirjam verband, und in dem Momente, wo dieses Band zerrissen würde, verfällt sie unrettbar wieder de i Mächten, denen sie entronnen war. Dieses Band hielt Mirjam in ihren Händen . . . Nun denn — entweder, oder — Aug' um Auge, Zahn um Zahn ... Einen Tag und eine Nacht und wieder einen Tag trug Mirjam ihr Vorhaben stumm und verschlossen in ihrem Gemüthe. Am Abend dieses zweiten Tageschritt sie zu dessen Ausführung . . . Wie die meisten sensibeln, hypochondrischen Menschen, pflegte auch Rüben Friedberg von schweren Träumen heimgesucht zu werden. Es stellte sich zumeist dann ein, wenn seine Nerven beunruhigt waren, seine Seele von Kummer bedrückt. Und epflegte dann die Symptome, die e- Hervorrufen, noch beträchtlich zu steigern. Es waren gewöhnlich stereotype Traumbilder, die in ihren Hauptzügen immer wiederzukehren pflegten. Er wurde verfolgt von einer wüthenden Meute oder einem erbosten Bullen und floh keuchend durch eine öde, von Wolken verdüsterte Landschaft, wo er die mannigfachsten Hindernisse zu überwinden hatte. Heckenzäune, über welche er hinwegsetzen, schmale finstere Gänge, durch welche er sich zwängen mußte und Pforten, die sich nicht öffnen lassen wollten. An dem Abend jenes Tages, an welchem Moscheh die große Ehrung zu Theil geworden, konnte Rüben, nachdem er sein Lager ausgesucht hatte, lange nicht den Schlaf finden. Er dachte an sein abwesendes Kind und das war so recht der Gegenstand, um seine Gedanken nicht zur Ruhe kommen zu lassen. In der letzten Zeit verrieth sich in ihren Briefen eine Schwärmerei, eine Ueberschwänglichkeit, die an Schulamit eine neue Erscheinung waren. Dazwischen klang aus ihren Worten unverkennbar eine melancholische Müdigkeit und eine Sehnsucht heraus, welche er nicht zu deuten wußte. Rüben ahnte, daß dies abnorme Symptome waren. Und die Ursache dieser Abnormität, welche er nicht kannte, belasteten sein zartes, nur allzuzartes Vatergefühl mit schweren Sorgen. War es einfach Heimweh oder litt sie vielleicht gar körperlich? Eigentlich hatte ihn seit jenen schrecklichen Tagen der Krankheit Schulamitdie unheimliche Furcht vor der Wiederholung einer solchen nie ganz verlassen. W e manche Stunde seit damals war ihm in schwebender Pein verstrichen. Wie oft hatte er des Volksspruches gedenken müssen: „Wen Gott strafen will, dem giebt er ein einziges Kind!" Und vollends gar ein weibliches. (Fortsetzung folgt in der Donnerstagsnummer.) Briefkasten der Expedition. Dr. M in P.: Betrag von Mark 2.50, 91. L. in R : Betrag von Mark 11.50, und M. D. in L.: Betrag von Mark 14 dankend empfangen. Revision 10 Prozent extra Rabatt auf alle schon reduzirten Preise, während des Ausvarkaufs dar Restbastände. Master auf Verlangen franeo Ins Mai«. Modebilder gratis. der Lagerbestände anlässlich der Neu-liebernähme veranlassen uns, noch f. kurze Zeit den -wirklichen Ausverkauf - sämrntl. Damenkleiderst. f. Frühjahr, Sommer, Herbst, u. Winter fortzusetz. u. offer. beispielsw.: 6 Met. solid. Galene zum Kleid, für M. 1.50 6 „ „ Cubano „ „ „ „ 1.80 6 „ „ Dollar-Careaux „ „ „ j-.VO 6 „ „ extr. pr. Loden ,, „ „ 3.00 Ausserd.neueste Eingänge für d. Frühj.- u. Sommer-Saison. Moderast. Kleideru. Blouseustoffe in allergrösst. Ausw. verB. i. einz. Metern, bei Auftrag, v. 20 Mk. an frco. Oettinger n. Co., Frankfurt a. M. Versandthaus. Stoff z. g.Hra.-Anzug M. 3.00ln». IO I*ro*. Cheviot „ 4.35/extra Bab

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