Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-02-09 · Heft 12-13 (9.2.1899) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 12-13 (9.2.1899)
Date
1899-02-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2448966--47695-2498059
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

229 längerer Debatte die vom Redner eingebrachte Re» solution angenommen, welche folgenden Wortlaut hat: „Das rituelle Schächten ist eine mindestens so humane Schlachtmethode wie alle übrigen." Belgien.? Brüssel. Wir haben bereits schon gemeldet, daß die belgische Kammer kürzlich einer Anzahl von Personen die Naturalisation in Belgien verweigert hat, weil man dieselben für Juden hielt. Diese Angelegenheit hat noch ein Nachspiel gehabt, da die Deputirten Fournemont und Lorano namens der liberalen und sozialistischen Abgeordneten erklärten, daß ihre Parteien gegen diesen Akt der Intoleranz seitens der klerikalen Majorität protestirten. Dabei hat sich herausgestellt, daß mehrere der Betroffenen gar keine Juden sind, sondern nur zufällig jüdisch klingende Namen führen. Amerika.? Philadelphia. Das Komitee für bürgerliche und religiöse Rechte, welches die Union der amerikanisch jüdischen Gemeinden eingesetzt hat, macht Versuche bei den Behörden der Vereinigten Staaten um eine Revision des Handelsvertrages mit Rußland zu bewirken, respektive für den Fall einer Revision dieses Vertrages die Rechte der Juden zu wahren. Oftmals kommt es vor, daß die russischen Konsule sich weigern, die Päffe amerikanischer Juden zu visiren, und auch sonst denselben allerlei Schwierigkeiten bereiten. Freilich ist kaum zu hoffen, daß diese Bemühungen Erfolg haben werden. — Die Einwanderungsbill zieht wieder einmal vorübergehend die Aufmerksamkeit auf sich. Das Repräsentantenhaus hat mit großer Majorität abgelehnt in die Berathung der Lodge-Bill einzutreten, so daß dieses bereits vom Senat genehmigte Gesetz damit gefallen ist. Bei der Kürze der diesjährigen Session ist es nicht wahrscheinlich, daß ein neues Einwanderungsgesetz noch vorgelegt werden wird. -£• Vermischtes. 4 Leipzig Der neulich verstorbene Privatmann Ferdinand Ascher hat sein über 300,000 M. betragendes Vermögen der dortigen israelitischen Gemeinde vermacht: der Verstorbene ist ein Bruder des bekannten Wiener Schauspielers Ascher. Wien. 5. Febr. Der Kaiser hat dem Hauptmann erster Klasse, Leopold Töpfer, den Adelstand mit dem Ehrenworte E d l e i und dem Prädikate Willisfeld allergnädigst zu verleihen geruht. Gr -Tapolcsarry Die von Frau Dr. Abr. Munk gegründete Volksküche, welche insbesondere für die Beköstigung armer Talnrudjünger sorgt, hatte, obgleich 5350 Mittagsmahlzeiten verabfolgt und dafür 709 fl. verausgabt wurden, noch einen kleinen Ueberschuß. Frau Dr. M. pat sich dadurch ein große- Verdienst um die armen Dnira erworben. S amuel Reiner. AerriH-loir. Derfctufi. Eine Erzählung aus Ungarn. 42) Von Samuel B. Rofner. Nachdruck verboten^ Die Fremden erhoben sich achtungsvoll von den Sitzen, als Moscheh eintrat. Er war noch bleicher, wie gewöhnlich, und blieb nahe an der Thüre stehen, den Blick auf seinen greisen Lehrer gerichtet. Der Greis erhob sich von seinem Sitze. „Hier steht vor Euch derjenige," sprach er zu den Gästen gewendet, „den ich Euch zum Rabbiner empfehle. Er ist würdig in „allen Gemeinschaften Israels" zu entscheiden zwischen rein und unrein, zwischen erlaubt und unerlaubt." Die Fremden verneigten sich ehrfurchtsvoll vor dem Greis. Moscheh aber schritt auf ihn zu, erfaßte seine Hand und führte sie voll heiliger Scheu an die Lippen. „Wir beugen uns vor Eurem Ausspruche, Rabbi," sprach der älteste der vier Männer, welche stehend die Worte des Rabbiners angehört hatten, „und wir hoffen, daß Euere Wahl sowohl für unsere Gemeinde, als für unseren zukünftigen „Manhig" *) ein Segen sein werde." Dann wandten sich alle viere zu Moscheh und riefen ihm wie aus einem Munde zu: „Masel tow!"?) Moscheh aber stand hoch aufgerichtet, mit fest auf einander gepreßten Lippen und brachte keinen Laut hervor. In seinem Gesichte war kein Tropfen Blut. Das hohe Ziel, welchem Hunderte zugejübelt hätten, ließ ihn kalt; kein Aufzucken der Freude störte die marmorne Starre seiner Züge. Ihm hätte nur Eines auf der Welt Freude bringen können und dieses Eine lag außer dem Bereiche der Möglichkeit. Nur einen einzigen Augenblick lang glaubte er ein schwaches Aufschimmern der Hoffnung wahrzunehAen, glaubte er, daß dieses glückliche Ereigniß für ihn eine Staffel zu dem Hohen, Unerreichbaren bilden könnte .... Doch das dauerte nur einen Moment, nach welchem ihn wieder das alte, tiefe Dunkel umgab. „Nun?" wandte sich der Rabbi zu ihm, der noch immer stumm dastand und auf den herzlichen Glückwunsch seiner künftigen „Baale-Batim" keinen Laut der Erwiederung gefunden hatte. Moscheh schauerte zusammen, als ob er seine Gedanken aus ferner Abwesenheit sammeln müßte. „Verzeihen Sie, meine Herren und auch Ihr, 1) Leiter. 2) Gratulation.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.