Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 12-13 (9.2.1899)
- Date
- 1899-02-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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^XI*. Jahrgang. M IS & 18. Her Israelit. Eenlrat-Hrgan für das orlhodore Iudenlhum. Begründet von ©r. Urhm«rrrr in Btain}. Donnerstag, den 9. Februar 5«SS (18V9). Wegen der 'Montag und Dienstag hier statthabenden locale» Feste erscheint die nächste Nummer dieses Blattes erst Mittwoch den 15. Februar. Leitender Artikel. Des halben Schekel Bedeutung. Von Rabb. I>r. H. Sänger. Der halbe Schekel hat, so einfach diese Vorschrift zu sein scheint und so klar der Zweck desselben auch ausgedrückt ist, dennoch eine sehr weite Bedeutung. Eine gemeinsame Gabe aller Männer vom 20. Jahre an und darüber sollte der halbe Schekel sein. Wenn man gemeinsam etwas Bedeutendes schaffen will, so beweist das, daß es eben nur durch das Zusammenwirken aller Kräfte zu einem werthvollen Ganzen wird und daß somit die Leistung Einzelner nur als Theil oder Theilchen 'betrachtet werden kann. Auf dieses gemeinsame Handeln und Wirken weift uns in erster Linie die Gabe des halben Schekel hin. Im Leben schließt sich der Mann von der Gemeinschaft aus. Zu allererst sorgt ein Jeder für sich und seine Familie, richtet vor Allem sein Augenmerk darauf, ohne Hilfe, ohne Mitwirkung Anderer sich und seine Familie zu erhalten, setzt seinen ganzen Mannesstolz darein, faßt sein ganzes Können und Wissen zusammen, um selbstständig und unabhängig auf eigenen Füßen zu stehen. Und da dieses feine erste Pflicht ist, so ist es natürlich, daß die andere Pflicht, seine Thätigkeit auch dem Wohle Anderer und dem allgemeinen Wohle zu widmen, in den Hintergrund tritt. Und wie leicht die erste Pflicht, die ja bekanntlich oft so schwer wird, daß sie das ganze Leben hindurch die ganze Kraft in Anspruch nimmt, uns von der Mitwirkung an dem Gesammtwohl zurückhält, das bedarf keines weiteren Beweise». Taufende glauben auch, durch diese erste Pflicht von der anderen entbunden zu sein. Wie gerne vergißt man auch dieser Pflicht gegen Andere! Wie leicht spricht man sich frei im Hinblick auf die Pflicht für sich und seine Familie und glaubt schließlich, daß man damit seine Pflicht ganz erfüllt habe, seiner Aufgabe als Mensch vollkommen genüge. Tausende gibt es, die sich um gar nicht» kümmern, was die Außenwelt fordert, die nichts davon wiffen wollen, nur sich leben und so als friedliebende, ehrenwerthe Männer gerühmt werden. Und doch, wenn man einen solchen P flicht m enschen richtig beurtheilen will, so zeigt er sich uns höchstens als ein ehrenwerther Egoist, der seine Menschenaufgabe kleinlich und engherzig auffaßt. Wenn man aber außer der Liebe und Achtung seiner Familie sich auch die Liebe und Achtung seiner Mitmenschen erwerben will, so gehört zum mindesten die Hälfte unserer Wirksamkeit auch diesen an. Daraus weist uns die Vorschrift hin by iot bz '.an' m nw rr-npm „Dieses sollen geben Alle, welche durch die Musterung gehen, einen halben Schekel." Sobald man mitaufgenommen ist unter die Zahl der Gesammtheit, soll man den halben Schekel geben. Halb nur gehört man sich an, halb der Gesammtheit. Denn sonst ist das ganze Thun nur ein halbes. Das ganze Wirken auf Erden ist ja an sich schon nur ein halbes. Unser irdisches Streben bleibt, bei noch so großer Vollkommenheit — und in gewisser Beziehung können wir vollkommen sein — immer nur ein Halbes, weil ja Alles nicht bleibend und von Dauer ist. Um wie viel mehr erst