Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 11 (6.2.1899)
- Date
- 1899-02-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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IWWWWWWWWW XJL Jahrgang. zürilage m M 11 des »Israelit". Leitender Artikel. Gin Mweizeltslyer WNer über das Sltziüytoeibot. Bern, im Februar. Bor einigen Tagen ist der XII. Jahrgang des „Politischen Jahrbuches der Schweizerischen Eidgenossenschaft" pro 1898 erschienen, auf dessen hochinteressante Eigenart ich schon in früheren Jahren an dieser Stelle hingewiesen habe?) Obwohl in erster Reihe der Politik gewidmet, versteht es der Verfasser, die gewöhnlichsten Erscheinungen der Tagesgcschichte aus die Höhe einer ungemein geläuterten Weltanschauung zu erheben und sie in einer Weise zur Besprechung und Beurteilung herauszugreifen, die jedem Gebildeten Interesse abringt. Was dieser Darstellung einen besonderen Reiz verleiht ist außer der tiefen Sittlichkeit, die aus jedem Zuge spricht, die stete Rücksichtnahme auf die in der heiligen Schrift niedergelegten Wahrheiten. Der Verfasser bekundet dabei eine Vertrautheit nicht nur mit der Bibel, sondern auch mit ihrer gesammten Literatur, wie sie einem hochgelehrten Theologen kaum geläufiger sein kann. Aus vielen Stellen haben wir mit besonderer Befriedigung die Kenntniß und Verehrung für die Schriften von Samson Raphael Hirsch ersehen, die wiederholt citirt und ihrer Bedeutsamkeit entsprechend gewürdigt werden. Diese Momente, weit entfernt der Unbefangenheit und Nüchternheit des Politikers, irgendwie Eintrag zu thun, vereinigen sich um ein harmonisches Ensemble zu schaffen, das in unserer periodischen Literatur einzig dastehen dürfte. Der eigentliche Jahresbericht, indem er von den verschiedenen Kirchen der Schweizerischen Bevölkerung handelt, kommt auch aus uns Juden im Allgemeinen und aus das Schächtverbot speziell zu sprechen. Bei der Wichtigkeit der Sache lassen wir die diesbezüglichen Stellen im Wortlaut folgen: „Ueber die Judenverfolgung in der Schweiz, die sich in dem bekannten, unschönen Schächtartikel 2r> bis der Bundes-Versassung ausspricht, sagt die 1) Ter volle rilel lautet: Politisches Jahrbuch der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Herausgegeben von Dr. Earl Hilty, Professor des BundeostaatSrechrs an der Uni vcrsitär Bern. Zwölfter Jahrgang- IM. Peru. Verlag von K. Z. Wyß. (inzwischen eingegangene A. d. Cor.) „Jüdische Volkszeitung", daß die Einfuhr von geschachtetem Fleisch aus dem Ausland den orthodoxen Juden, die kein anderes essen dürfen, jährlich eine Ausgabe von über 200,000 Francs verursache, wobei ferner zu sagen ist, daß für alle andern Leute dieser angebliche „Thierschutzartikel" ein todter Buchstabe ist. Es hat auch kein einziger Staat der Welt, außer der Schweiz und Sachsen, dieses antisemitische Gesetz nachgeahmt, im Gegentheil, die Zweckmäßigkeit der jüdischen Schlachtmethode ist in andern Staaten in zunehmender Anerkennung begriffen. Wir entnehmen in dieser Hinsicht der Berliner „Jüdischen Presse" vom 20. Dez. 1897 folgende Mittheilung: „Herr von Mosch, der Genosse Ahlwardts stößt in seiner „Reform" nachstehenden Stoßseufzer aus: Während die Thierquälerei des Schächtens im Königreich Sachsen und in der Schweiz seit einigen Jahren verboten ist, steht in Preußen die Militärverwaltung leider immer noch auf Seiten der Juden. In den beiden Armee-Konservenfabriken Spandau und Mainz werden im Laufe jedes Winters 8000 Stück Ochsen, ohne jede vorherige Betäubung, mittelst Durchschneiden des Halses qualvoll getötet. Eine Betäubung dieses Viehes ist durch die Vorschriften des Kriegsministeriums untersagt, und müffen die Beamten und Metzger dieser Fabriken diesem Befehle selbstverständlich Nachkommen. Auch wenn die Proviantämter mit dem Einpökeln und Räuchern von Fleisch beauftragt werden, muß das Schlachtvieh gemäß Beilage 22 der Proviantamts-Ordnung mittelst Durchschneiden des Halses — zwei Gurgelringe hinter dem Kehlkopf — getödtet werden. Es wäre erwünscht, zu erfahren, aus welchem Grunde die Militärverwaltung so zähe an dem Schächten des Viehes festhält; sollte es etwa die Rücksicht auf die paar hundert jüdischen Soldaten sein?" Ueber die Albernheit, die in dem letzten Satze ausgesprochen wird, braucht kein Wort verloren zu werden. Selbstverständlich wurde seitens der Militärverwaltung — wie dies übrigens der Kriegsminister im Reichstag ausdrücklich erklärt hat — die Schächtmethode nur deßhalb eingeführt, weil sie als die rationellste und schmerzloseste erprobt worden ist. Sollten übrigens Herr von Mosch und Genoffen über die Beweggründe der Militärbehörden noch ferner sich Kopfschmerzen machen, so empfehlen wir ihnen die „Post" vom 28. August 1895 nachzulesen, wo sie folgende Notiz finden werden, deren offiziöser Charakter nicht zweifelhaft sein kann: „Auf Grund sehr sorgfältiger Versuche und nach Einholung zahl- M i