Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 9 (30.1.1899)
- Date
- 1899-01-30
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Xli. Jahrgang. Erste Beilage ju M 9 -es „Israelit“. Leitender Artikel. «ine dedeiMme NklssIiDswmmiz Des jüDl^tn Kalendns. Von Bezirksrabbiner Dr. Ehrmann in Baden (Schweiz). Es gibt wenige Schriften, die eine solche Autorität genießen, wie der alljährlich erscheinende Kalender und diese Autorität ist eine so selbstverständliche, daß man ihr blindlings vertraut und ihr folgt ohne jede Garantie dafür, daß seine Angaben wirklich dieses Vertrauen rechtfertigen. Die Klagen über den Mangel einer zuverlässigen Controlle unserer Kalender — nT,'b sind all. Schon vor ca. 80 Jahren haben die Meister der jüdischen Gesetzeskunde die Notwendigkeit einer Approbation der nrb von berufener fachmännischer Seite ausgesprochen. Man vergleiche über die Mangelhaftigkeit und Unkorrektheit der gewöhnlichen rrrrh und die ernsten Folgen, die sich daraus für das jüdische Pflichtleben ergeben, -c*c sn- -rr - s nrp p^n. Es ist mir nicht bekannt, ob die dort vorgeschlagenen Mittel zur Beseitigung dieses Mißstandes jemals ernstliche Beachtung und praktische Verwirklichung gefunden haben. Dagegen erscheint das Gros der jüdischen Kalender noch heute ohne jede Autorisation und bietet auch durch die Namen ihrer Verfasser und Herausgeber selten eine Bürgschaft für die Richtigkeit der Angaben. Dazu kommt noch, daß die größere Reichhaltigkeit des von unseren heutigen Kalendern Gebotenen eine noch vielseitigere prüfende Durchsicht nothwendig macht, als vor 80 Jahren. Eine dieser modernen Zuthaten zunl jüdischen Kalender ist z. B. die Zeit-Angabe für Eintritt der Nacht. Die religionsgesetzliche Wichtigkeit dieser Zeitbestimmung steht nach verschiedenen Seiten hin, außer aller Frage. Der Beginn der Nacht ist ja nach der geographischen Lage des Orts und der Jahreszeit für die an verschiedenen Orten erscheinenden?!'n^ verschieden und findet auch in den raft die entsprechende Berücksichtigung. Wie weit dieselbe aber genau und correct ist oder nicht, darüber geht der großen Masse derer, die sich nach ihrem Kalender gewissenhaft richten, jede Controlle ab. Eine andere, naheliegende Zeitangabe findet bislang in unseren Kalendern gar keine Berücksichtigung: die Angabe des Tagesanfangs, also die genaue Bestimmung der Zeit, wenn die Pflicht von ,p^er ,ir;vr rxnp, u. a. beginnt. Man weiß nicht, ob bei dem Mangel jeder Controlle unserer Kalenderangaben *) man sich nicht mehr über die Nichtberücksichtigung dieses Moments, als über das Gegentheil freuen soll. An astronomisch gebildeten Gelehrten, welche mit ihrer Wissenschaft auch die Kenntniß des jüdischen Religionsgesetzes und eine Garantie für die unerläßliche religiöse Gewissenhaftigkeit verbinden, war zu jeder Zeit kein besonderer Ueberfluß. Heutzutage macht sich aber ein geradezu empfindlicher Mangel nach dieser Seite hin geltend. Es ist unter diesen Umständen in hohem Grade erfreulich auf einen Astronomen verweisen zu können, der mit Wort und That auf dem Boden des orthodoxen Judenthums steht und seine Wiffenschaft in überaus anerkennenswerther Weise in den Dienst unserer stellt. Es ist dies der Astronom D r. B. Cohn, von dem soeben ein Werk die Presie verlassen hat, welches sich die Beseitigung der hier erwähnten Lücke unseres Kalenders zur Aufgabe macht und dieselbe in glänzender Weise löst.2) Der volle Titel der Schrift lautet: Tabellen enthaltend die Zeitangaben für den Beginn der Nacht und des Tages für die Breitengrade -s- 66° bis — 36°. Zum Gebrauch für den jüdischen Ritus. Berechnet und zufammengestellt von I>i% B. Cohn, Astronom. Straßburg i. E., Verlag von Josef Singer 1898. Ueber die Gründe, welche den Verfasser bestimmt haben, sich dieser complicirten Arbeit zu unterziehen, spricht sich derselbe im Vorwort folgendermaßen aus: „Die Angabe des Talmud, daß die Nacht mit dem Sichtbarwerden dreier Sterne von mittlerer 1) Ueber die Schwierigkeit die Kriterien des Lagesau bruchs nach der Astronomischen Wissenschaft und dem jüdischen Religionsgeseu in Einklang m bringen, werden wir demnächst eine Abhandlung: „Der Beginn des Tages fü r d i e r c I i g i ons g es e tz l iche Pr a r i S" veröffentlichen. Anmerkung der Redartion. 2) Cs ist dies der bereits in Nr. 0 des „Israelit" er wähnte Gelehrte, dessen Werk „Die definitive Berechnung der st auf bahn des Kometen von 1858" von der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien«angenommen wurde. — Red.