Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 8 (26.1.1899)
- Date
- 1899-01-26
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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148 Schriftsetzer Johann Jacob Oeker zu Krefeld, Anklage. Die Strafkammer zu Krefeld kam am 5. Juni d. I. zu einem freisprechenden Urtheil. Auf die vom Staatsanwalt eingelegte Revision hin hob das Reichsgericht dieses Erkenntniß auf unb verwies die Sache zur nochmaligen Verhandlung an das Düsseldorfer Landgericht. Die hiesige Strafkammer sah in den betreffenden Zeilen eine öffentliche Beschimpfung einer Religionsgesellschast und verurtheilte den Angeklagten, der die Absicht der Beleidigung in Abrede stellte, zu zwei Tagen Gefängniß. Feuilleton. Verkauft. Eine Erzählung aus Ungarn. 40) Von Samuel B. Rosner. Nachdruck verboten. Der Zauberprinz Frühling hatte wieder mit rosigem Finger an das erstarrte Herz der Natur gerührt. Und es ging ein wonniges Schauern durch das ganze, endlos große All und alles fühlte die zauberhafte Kraft der Berührung. In der Luft wurde es wundersam warm und duftig. Wie in den meisten zartbesaiteten Menschen, erweckte auch in Rüben Friedberg das Aufleuchten des Frühlings seit jeher gemischtes Empfinden. In das Entzücken über die blühende und leuchtende Pracht schlich sich leise eine, in die unmeßbare Weite gehende Sehnsucht hinein und ließ in seiner Seele eine wehmüthige Stimmung zurück. Es war dies ein Stimmungsbild, das sich aus unendlich feinen, undefinirbaren Tönen zusammensetzte. Es war nicht Liebessehnsucht, noch Durst nach Ruhm, Ehre unb Glanz und hatte doch etwas von alledem in sich. Diesmal liefen alle Fäden der Sehnsucht in einem bestimmten Punkte zusammen, und dieser Puukt war Schulamit. Es beherrschte ihn ein krankhaftes Verlangen sein Kind wiederzusehen und die Festtage trugen viel dazu bei, dieses Verlangen zu einem unstillbaren zu machen. Solche stille, fast traurige Sederabende hatten sie in ihrem Hause noch nicht gesehen: Wohl hatte Rüben zu den Mahlzeiten zwei durchwandernde Arme geladen, um die unheimliche Leere zu bannen — aber es gelang ihm nicht. Zwischen Mirjam und den Friedbergs hatte sich im Laufe des Winters eine große Entfremdung vollzogen. Mirjam hatte sich seit der Abreise Schulamits nicht mehr in dem Hause Rüben Friedbergs blicken lassen und alle Ueberredungskunst scheiterte an dem stummen Trotz der Alten. Moscheh war wohl hin und wieder hereingekommen, aber das Bewußtsein der feindseligen Haltung der Mutter stand j zwischen ihm und Rüben Friedberg und ließ die frühere Ungezwungenheit nicht wieder aufkommen. Rüben betheiligte sich nicht an den Ueberredungsversuchen Dina's bei Mirjam, weil er den Grund ihres Zornes errathen hatte. Die Wahnvorstellung der Alten, daß Schulamit durchaus für Moscheh bestimmt sein müsse und die Selbstverständlichkeit, mit welcher sie hiervon überzeugt war, hielt er nicht mit Unrecht für eine Dreistigkeit, die ihn empörte, und gegen welche ihm das richtigste Mittel der Zurückweisung stillschweigende Nichtbeachtung zu sein schien. Selbst zugegeben, daß er für seine Person keine Einsprache gegen Moscheh zu erheben hätte — war denn das überhaupt eine solche Frage, die von ihm oder von ihr entschieden werden konnte? In Viesern Punkte trennte sich allerdings der Standpunkt Mirjams schroff von dem seinigen. Sie war eine Anhängerin der guten alten Zeit, wo ausschließlich die Eltern über die Hand ihrer Töchter disponirten. Sie meinte, es sei zum Heirathen gar kein Verliebtsein nothwendig. Frömmigkeit und Ehrbarkeit sei die Hauptsache und im Uebrigen gewöhne man sich schon an einander. In ihren Äugen hing die Sache vollständig nur von ihm ab und sie übertrug deshalb auf ihn die ganze Fülle ihres Grolls. Am zweiten Halbfeiertage des Peßachfestes beim Morgengebet herrschte in der kleinen „Schul" des Ortes eine tiefe Aufregung, welche der Andacht der frommen Gemeinde Abbruch that. Es war aber auch eine zu sensationelle Ursache, als daß man kaltblütig hätte bleiben können. In einer Ecke der „Schul" befanden sich vier sorgfältig, ja man konnte sagen, vornehm gekleidete Fremde, augenscheinlich ehrbare „Baale Batim" aus einer einigen Stunden entfernten Gemeinde. Vier Fremde auf einmal, wo doch sonst schon ein einziger hinreichte, um selbst die Spatzen des Dorfes in Aufruhr zu bringen! Kein Wunder also, daß die Blicke der andächtig sein Sollenden wie von einer magischen Kraft angezogen, sich immer wieder nach jener Ecke lenkten, wo die Fremden ihr Gebet verrichteten. (Fortsetzung folgt.) 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