Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 7 (23.1.1899)
- Date
- 1899-01-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XX. Jahrgang. M 7. Der Israelit. Ein Aenlrat-Hrgan für das orlhodore Iudenthum. Begründet von Br Ire^matm in fitainf. Montag, den 23. Januar 5659 (1899). Irrvei Mocvk abonnirt man bei allen Postanstalten für die Monate Februar u. März auf den „Israeli*''. Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-Zeitungsschalter des Wohnsitzes des Bestellers oder bei dem betreffenden Landbriefträger aufgegeben werden. Die GrprdUion -es „Israelit". Leitender Artikel. «In mrkVMlgtt iltnfiJjiDiing Der ißöifdjM öffestlltzkll üeiming. Paris, 20. Januar. Eine der selbstverständlichen Consequenzen unserer Emancipation war in allen Ländern die Unterbringung jüdischer Schüler und Schülerinnen in nichijüdischen Schulen. Die Aneignung einer allgemeinen Schulbildung wurde in Folge dessen als erstes Ziel angestrebt, ihr gehörte die Hauptzeit des Tages und die Hauptaufmerksamkeit der Schüler. Die religiöse Ausbildung wurde jüdischen Gemeindeschulen, sogen. Religionsschulen oder dem neben dem eigentlichen Schulunterricht herlaufenden Privatunterricht überlassen. Die Schädigung, die das religiöse Moment für unsere Kinder dadurch erlitt, trat in zahllosen Symptomen zu Tage. Zunächst gewöhnte man sich daran, den Untekticht in den allgemeinen Bildungsfächern als die Hauptsache, den jüdischen Unterricht, die Beschäftigung mit der Thora als die Nebensache anzusehen. Dabei ging den Schulkindern ihr Sabbat, oft auch der Jom tob verloren. Die Woche über hinderte sie die Schule die Synagoge zu besuchen, den meisten war es nicht einmal am Sabbat möglich. Wenn die jungen Leute der Schulzeit und der ersten Jugendjahre entwachsen hie und da in das Gotteshaus kamen, so fühlten sie sich fremd und wußten dort nichts mit sich anzufangen. Ich kenne junge Leute, die nicht wußten, war es zu bedeuten hat, wenn man ihnen #nran ,nwarfl n«r.n nW>a oder sonst eine Ehrenfunktion übertrug. Sie hatten es außer den hohen Feiertagen und ihrem Bar Mizwatage nie praktisch vor sich gesehen. Die Eltern solcher Kinder begnügten sich damit, daß ihre Kinder den Sabbat nicht durch Schreiben, Zeichnen und Handarbeiten zu entweihen genöthigt wurden. Diese und eine ganze Reihe anderer Uebelstände konnte nicht verfehlen einsichtige Eltern, Rabbiner und Vorsteher mit großer Besorgniß über die religiöse Zukunft unserer Jugend zu erfüllen. Es gehörte nicht viel Scharfsinn dazu die Beseitigung aller dieser Uebel in der Errichtung eigener jüdischer Schulen zu erblicken, welche jüdische und allgemeine Bildung ihrer Schüler sich zum Ziel gesetzt hatten. Aber es war unmöglich diesen Gedanken zu reallsiren, oder ihn auch nur auszusprechen und seine Verwirklichung freimüthig zu vertreten. Die Emancipationsfreunde in unseren Reihen hielten diesen bloßen Gedanken für etwas Bedenkliches, Unrechtes und geradezu Gefährliches. Sie waren unempfindlich für die oben angedeuteten schweren Bedenken. Ihr Streben nach Emancipation und deren immer vollkommenere Entwickelung war der Bannkreis, in dem sich ihr ganzes Sinnen und Trachten bewegte. Unter diesem Gesichtspunkt — und einen andern gab es für sie nicht — hielten sie es im Gegentheil für höchst wünschenswerth, wenn jüdische und nichtjüdische Kinder schon von der Schule her sich einander gewöhnen. Die Schule des Lebens — glaubten sie — würde dann