Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 6 (19.1.1899)
- Date
- 1899-01-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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'XJj Jahrgang. M «. Der Israelit. Eüi Gentrat-Hrgan für das orlhodore Judentlium Begründet von Dr. Eefcman« in Atains Donnerstag, de« IS. Januar 56SS (1899). Wr JJwei Msvkr abonnirt man bei allen Postanstalten für die Monate Februar u. März auf den „Israellr". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-Zeitunasschalter des Wohnsitzes des Bestellers oder bei dem betreffenden Landbriefträger aufgegeben werden. Die Grprüiljon des „Israelit". Leitender Artikel. „Gleiches Necht für Älle." Cöln, 15. Januar. Eine in Berlin erscheinende Zeitung hat in der letzten Nummer (der Nummer 2 ihres 63. Jahrganges) es wieder einmal für nöthig befunden, die eigenthümliche Auffassung ihres angeblichen Prinzips, ein „unparteiisches Organ für alles jüdische Jntereffe" zu sein, bei ihren Lesern lebendig zu erhalten. Zu diesem Ende hat sie denn — wie gewöhnlich — das einfache Mittel gewählt, recht „unparteiisch", was diesmal so viel heißt als „mit gebührender Unkenntniß des wirklichen Sachverhaltes", weidlich auf die „Orthodoxie" zu schimpfen. Sie ist derselben diesmal gram darüber, daß ein Theil von ihr, der zufällig in Köln, am schönen Ufer des Rheins wohnt, seine Gemeindebrüder davor zu warnen sich unterfängt, aus dem Satz: „Gleiches Recht für Alle," um Himmelswillen nicht die Devise zu konstruiren: „Gleiches Unrecht für Alle." Enthielte der Schmähartikel jenes Blattes nun nichts mehr, als eine Copie der Eingabe der Orgelfreunde an die Verwaltungsorgane der Gemeinde um die Einführung der Orgel, so wäre es uns nicht in den Sinn gekommen, die Feder zu rühren, da bereits unter dem 1. Januar des neuen Jahres von Seiten der Orgelgegner eine Gegeneingabe gemacht wurde, die in ihrer Begründung ihre Stiefschwester Schritt für Schritt treffend widerlegt. Dieselbe ist in vervielfältigter Form allen steuerzahlenden Gemeindemitgliedern zugegangen, sodaß die zunächst Betheiligten auf jenen später erschienenen Artikel der Berliner Zeitung die Antwort schon im Voraus in Händen hatten. Was aber uns empört und uns in Entrüstung die Feder in die Hand drückt, das ist die Wahl des unwürdigen Kampfmittels, unsere Motive zu diScreditiren und unsere und der gesummten Orthodoxie heiligsten Ueberzeugungen zu nichts anderem, als zu gemeinen „Wahlmanövern" hinabzuzerren. Gewiß ist es die Orthodoxie vor allem, die „Gleiches Recht für Alle" fordert. Die stets in der zahlenmäßigen Minorität sich befindliche Orthodoxie proklamirt das Recht. — Aber fie, die alleinige Trägerin des überlieferten Judenthums, sie, die opferfreudig den Sabbat heiligt, die opferfreudig die Speisegesetze beobachtet daheim und in der Fremde, die opferfreudig verzichtet auf Genüße des Lebens und Lockungen in Aemtern und Berufen; diese Orthodoxie, die die Ueberzeugung ihres Herzens besiegelt mit Gut und Blut: sie triebe nichts als Wahlmanöver? Und die Orthodoxie Cölns, die jetzt seit nahezu vierzig Jahren sich die Kosten einer eigenen Synagoge auferlegt, die selbstständig ihre Schechita-Angelegenheiten erledigt, deren Mitgliedern zum Theil zur Erhaltung dieser Institutionen beizutragen, kein kleines Opfer ist; und die doch das Opfer bringen der Lehre ihrer Väter, der Pflege, Erhaltung und Vererbung des unverfälschten Judenthums: sie trieben nichts als Wahlmanöver? Und die überzeugungstreuen Anhänger aller überlieferten Einrichtungen im Judenthum, die „noch das