Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 4 (12.1.1899)
- Date
- 1899-01-12
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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12 „Ich habe mir erzählen lassen, daß bei den Bosniaken die ärztliche Kunst durch alte Weiber ausgeübt wird," fuhr sie lächelnd fort, „und wie man sagt, sollen sie sich dabei recht gut befinden. — Beide Theile nämlich. Es wäre schade, in dieses patriarchalische Verhältniß mit dem Rüstzeug der modernen Arzneikunde störend einzugreisen. Ich sehe es nicht ein, daß Sie deßhalb, weil Sie mit Heinrich Glaser aneinandergerathen sind, sich den Mordwaffen der bosnischen Insurgenten aussetzen sollten. Zur Schlichtung dieser Sache giebt es eine viel einfachere und vernünftigere Art." Er wagte nicht zu widersprechen, sondern zuckte nur mit den Schultern und schaute bekümmert zur Seite. Ihr Traum schien bis zum Ende in Erfüllung gehen zu sollen. Er nahm ein jedes ihrer Worte wie ein heiliges Gebot entgegen und ergab sich mit einer Art wollüstiger Verzweiflung in das Schicksal, sich von diesem kleinen Munde seine Entschlüsse diktiren zu lassen. „Ueberhaupt," sprach sie weiter, „sollten in Duellsachen die Kleinen von den Großen lernen. So ein Minister giebt einfach die Erklärung ab, daß es nicht seine Absicht war, seinen Gegner zu beleidigen und die Affaire ist beigelegt. Nur die kleinen Tröpfe meinen gleich, nicht anders Vorgehen zu können, als sich blutig zu schinden. Sie haben den armen Menschen beleidigt — es ist also das Einfachste, daß Sie Ihr Bedauern über die Beleidigung aussprechen. — und die Sache ist abgethan." Rudolf zog die Stirne in Falten. „Ich begreife es, wenn Ihnen das im ersten Moment unangenehm erscheint und schwerer ausführbar, als sich eine Kugel durch den Kopf schießen zu lassen. Wissen Sie was, überlassen Sie die Sache mir —" „Was, was?" fuhr Rudolf auf. „Nun, die Anordnung dessen, daß Sie Heinrich Glaser gegenüber Ihr Bedauern über die zugefügte Beleidigung aussprechen. Ich halte das eines ehrenwerthen Mannes viel würdiger, als eine der vielen lächerlichen Duellkomödien aufzuführen. Denn schließlich beleidigt haben Sie ihn ja — schwer beleidigt." Das Gesicht Rudolfs wurde noch um einen Schatten düsterer. Die Parteinahme Schulamits für Heinrich Glaser, die er aus ihren Worten untrüglich herauszufühlen glaubte, vernichtete mit einem Schlage das wonnige Glücksgefühl, das ihn erfüllt hatte. Plötzlich war auch ferne Bereitwilligkeit, von dem Duell abzustehen, wieder spurlos verschwunden. Nein — sie soll schon erfahren, daß es ihm durchaus nicht um eine Comödie zu thun sei. „Der Name Glaser scheint keinen guten Klang in Ihren Ohren zu haben," sprach sie lächelnd, indem sie seine Gedanken errieth. Nein das hatte er wahrlich nicht, insbesondere wenn^ihn ihre Lippen aussprachen. Die schlug ein Lachen an. „Der arme Kerl! Ich habe ihm gestern so gründlich heimgeleuchtet — auch für Sie — daß Sie ihm ruhig Alles vergeben können, was er gegen Sie je verbrochen hat." Da wurde es wieder Heller um ihn. Daß sie ihn mit sich selbst in Verbindung brachte und' von der Ahndung einer gemeinsamen Sache an Heinrich Glaser sprach, das erfüllte ihn mit einem unnennbar angenehmen Gefühl. „Thaten Sie das?" rief er mit einem Aufleuchten des Blicks. „Er redete auch so albernes Zeug," fuhr sie leicht erröthend fort, „nun da habe ich ihm dann meine Meinung so nachdrücklich gesagt, daß er eine lange Zeit daran denken wird!" In dem Gesichte Rudolfs brach wieder der Helle strahlende Sonnenschein durch. Ihre kindlich freimüthigen Worte beruhigten ihn vollkommen. „Gott segne Sie dafür!" stammelte er glückberauscht. „Abgemacht also?" sprach sie, ihm ihre Hand entgegenstreckend. „Machen Sie mit mir was Sie wollen," entgegnete er und erfaßte voll Gluth ihre Hand. Doch er preßte ihre Hand so fest und sein Auge strahlte in einem so außergewöhnlichen Glanz, daß sie selbst davon in eine seltsame Beunruhigung versetzt wurde. Wieder legte sie mit einem mahnenden: „Pst" den Zeigefinger an die Lippen und wies lächelnd, aber innerlich seltsam erregt, mit den Augen nach der offenen Thüre. (Fortsetzung folgt in der Donnerstagsnummer.) Briefkasten der Expedition. L B. in B.: Betrag von M. 5.—, I. N. in L.- Roseuberg: Betrag von fl. 3.—, S. P in N.: Betrag von M. 3.85, und 2. W. aus Hamburg: Betrag für bewußte Zwecke dankend erhalten. Revision 10 Prozent extra Rabatt auf alle schon reduzirten Preise, während des Ausverkaufs der Restbestände. Muster auf Verlangen firanco Ins Hans. Modebilder gratis. der Lagerbestände anlässlich der Neu-Uebernähme veranlassen uns, noch f. kurze Zeit den -wirklichen Ausverkauf — ' sämmtl. Damenkleiderst. f. Frühjahr, Sommer, Herbst,u. Winter fortzusetz. u. offer. beispielsw.: 6 Met. solid. Qalene zum Kleid, für M. 1.50 6 „ „ Cubano „ „ „ „ 1.80 6 „ „ Dollar-Careaux „ „ „ £.70 6 „ „ extr. pr. Loden ,, „ „ 3.00 Ausserd. neueste Eingänge für d. Frühj.- u. Sommer-Saison. Modernst. Kleideru. Blonsenstoffe in allergrösst. Ausw. vers. i. einz. Metern, bei Auftrag, v. 20 Mk. an frco. Oettinffer u. Co., Frankfurt a. ü. Versandthau*. Stoff z. g.Hrn.-Anzug M. 3.00\m. IO Pros. Cheviot,, „ „4.35/extra Hab.