Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-01-05 · Heft 2 (5.1.1899) · page 20

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 2 (5.1.1899)
Date
1899-01-05
Page
– (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2448956--47480-2497834
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

40 eifrige Anhänger und Prediger hat, war entstanden und beruhte auf allgemein bekannten und anerkannten Gründen. Diese Gedanken habe ich in meinem beanstandeten Schreiben deutlich entwickelt. Es wundert mich, daß dieser Theil meines Briefes so heftig angefallen wurde. Habe ich denn etwas Anderes gesagt, als was jeder Denkende schon lange weiß? Verkündigen die Anhänger und Prediger von Sozialismus, Anti - Monarchismus und Neo- MalthusianismuS nicht oeutlich und kräftig genug, daß sie die alte Weltanschauung verwerfen? Und befinden sich unter diesen Predigern und Anhängern, nicht auch Lehrer der neutralen Schulen? Und ist es gewagt Furcht zu hegen, daß Männer, die mit Feuereifer für diese Weltanschauung auftreten, nicht auch bei ihrem Unterricht unwillkürliich von dem, was sie für wahr und nützlich für die Menschheit halten, Ausdruck geben? Keiner der unbefangen und ruhig sich ein Urtheil bildet, wird dieses bestreiten. Welches Verbrechen ist nun darin gelegen, wenn ein Anhänger der alten Weltanschauung seine Geistesverwandten auf diese unbestreitbare Thatsache hinweist? Umsomehr, wenn er dieses thut, nicht um Andere anzufallen, sondern um sich und die Seinen gegen diesen gefährlichen Feind seiner Ueberzeugung zu schützen. Darf man in Holland, wo die Toleranz so besonders hochgehalten wird, nur die neuen Ideen frei verkünden, während die entgegengesetzte Ueberzeugung, bei Strafe von Verfolgung, ihre Stimme nicht erheben darf? Wenn man mir aber entgegenhält, daß nicht alle Lehrer der Volksschule diesen neuen Begriffen und Ideen huldigen, daß nur eine geringe Anzahl sich zu diesem neuen Glauben bekennt, so mag das wahr sein, ich habe aber auch nicht das Gegenthei! behauptet. Welche Bürgschaft hat aber der Strenggläubige, daß die Lehrer, denen er seine Kinder zur Erziehung anvertraut, nicht zu dieser Minorität gehören? Er hat kein Recht, und es bietet sich ihm auch keine Gelegenheit dieses gründlich zu untersuchen. Kann oder darf man es dem übel deuten, der seine Grsinnungsgenoffen aus diese Mißstände hinweist, nicht in derAbsicht die neutrale Schule anzufallen, sondern um vor den Bestandtheilen zu warnen, welche die Neutralität mißachten. Hochgeehrte Herren! Man thut mir Unrecht und beleidigt mich, wenn man meinem in Rede stehenden Auftreten in dem Kreise meiner orthodoxen GlaubenSgenoffen andere Absichten zuschreibt, als die soeben näher auseinander gesetzten. Mein Angriff galt nicht der neutralen Schule, ich ließ meinen Warnungsruf nur gegen die erschallen, welche dieselbe in ihrer Herzader treffen wollen. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Köln. Die selten zu verzeichnende Feier des goldenen Lehrerinnen-Jubiläums konnte Frl. Katharina Mayer, Hauptlehrerin an der hiesigen Israel. Volksschule, begehen. Die Jubilarin ist eine geborene Kölnerin und wirkt seit ihrer Berufung an die Gemeindeschule fünfzig Jahre an derselben. Unvergeßlich wird der Dame dieser Feiertag bleiben, da Alt und Jung wetteiferten, um der Jubilarin eine wohlverdiente Freude zu machen. Als Ehrengabe des Herrn Unterrichts-Ministers übergab der königliche Schulrath Herr Dr. Brandenberg ein Aquarellbild der Kaiserin. Als Vertreter der Synagogen-Gemeinde beglückwünschte Herr de Jonge, als Vertreter der Kölner Lehrerschaft Rector Brünagel. als Vertreter der isr. Lehrpersonen Lehrer Hermanns die Dame. Die Lehrerschaft Kölns widmete als Gabe einen prächtigen Divan nebst Plüschsesseln. Die Schülerinnen der obersten Classen überreichten einen wundervollen goldenen Kranz, in welchem sehr sinnig fünfzig Rosen angebracht waren. Declamationen und Gesänge wechselten mit Ansprachen ab, so daß die Jubilarin gar nicht genug Worte des Dankes finden konnte. Herr Rabbiner Dr. Frank richtete außerdem herzliche Worte des Dankes für die Erfolge der Dame inbezug auf die religiöse Erziehung an die Jubilarin. C r e t a.? Carrea. Allmählich beginnt wieder Ordnung in unsere zerrütteten Verhältnisse zu kommen und zugleich finden fich auch die ver sprengten Israeliten wieder ein, um an ihre Werke friedlicher Arbeit zu gehen. Wenn die Verfaffung, welche die verbündeten Mächte dem Prinzen Georg ausgearbeitet haben, loyal zur Ausführung kommen wird, so werden auch die Juden in der kcetensischen Nationalversammlung eine Vertretung finden, desgleichen wird die jüdische Religion voll respektirt werden. Hoffen wir, daß diese guten Vorsätze nicht tobte Buchstaben bleiben. > Vermischtes. Berlin. Der Direktor des Königstädtischen Realgymnasiums, Herr Vogel, ist, nach einer Meldung der Kreuzzeitung, in das Provinzial-Schulkollegium berufen worden- Herr Vogel steht im Rufe stark antisemitischer Geltung; unter ihn: war der jetzige Rath im Kultusministerium Herr Jrmer, Oberlehrer. Serajjevo. (R a b b i n e r w a h l). Die isr. Kultusgemeinde^hat in ihrer jüngst gehaltenen Generalversammlung Se> Ehrwürden Herrn Dr. Samuel Weßel, der seine Rabbinatsstudien in Preßburg, die Universität aber in Bern absolvirte, mit Akklamation zum Rabbiner gewählt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.