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Der Israelit · 1899-01-05 · Heft 2 (5.1.1899) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 2 (5.1.1899)
Date
1899-01-05
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Xli. Jahrgang. Zweite Beilage M J\§ 2 ües „Israelit“. Leitend er Artikel. KrleswkUkl Mlsl-ri der Allilierdamer SladtdkPrdk und Aerr« Vderriddiller Nr. DSiner.*) Brief von Bürgermeister und Magistrat an Herrn Dr. Dünner, 11. November 1898. Aus den Zeitungen haben wir erfahren, daß Sie an Ihre vermögenden Glaubensgenossen ein Schreiben gerichtet haben, in welchem u. A. die folgenden Worte Vorkommen: „Wenn der Unterricht wirklich neutral wäre, wenn die Lehrer, Bckenner einer Religion, deren Sittengesetze mit denen des Judenthums im Allgemeinen übereinstimmen, sich bei dem Unterricht von rein confessionellen Bemerkungen enthielten und sich nur auf die ab und zu unvermeidlichen sittlichen Betrachtungen beschränkten, dann würde die neutrale Schule mit dem Judenthum nicht in Collission kommen " Diese angeführten Worte haben unsere Verwunderung erregt. Wohl war es uns bekannt, daß Sie vor einiger Zeit bei dem Mitglied unseres Collegiums, welches mit dem Unterrichtswesen betraut ist, über zwei Lehrer sich beklagt haben, die sich nach Ihrer Behauptung auf wenig paffende Weise über jüdische Gebräuche geäußert hätten, doch ist es uns auch bekannt, daß der eine von Ihnen bezeichnete Fall auf einem Mißverständniß beruhte, während im zweiten Fall der Lehrer, nachdem er auf seine unvorsichtige Aeußerung aufmerksam gemacht worden war, sofort seinen Fehler, unter Bezeugung seines Bedauerns, eingesehen hat. Aus diese Fälle kann sich daher Ihr Schreiben nicht bezogen haben. Es müssen Ihnen daher wichtigere und ernstere Thatsachen zu Ohren gekommen sein, welche Ihnen Grund geben über eine Collission der neutralen Schule mit dem Judenthum zu sprechen. Da es unsere Aufgabe ist, in dieser Gemeinde dafür zu sorgen, daß das Gesetz über die Volksschule eingehalten wird und wir die Uebertretung des Artikel 33 alinea 2 dieses Gesetzes, — Verletzung der Neutralität des Unterrichts — nicht ungeahndet lassen wollen, ersuchen wir Sie dringend, uns gefäll. mitzutheilen, ob das, was Sie in Ihrem obenerwähnten Schreiben gesagt haben, sich auch auf den Unterricht der Volksschulen dieser Stadt bezieht und *) Man vergleiche unsere Korrespondenz Amsterdam in Nummer 102/103. falls dem so ist, uns die Facta mitzutheilen, welche Sie zu dieser Aeußerung veranlaßt haben. Antwort des Herrn Dr. Dünner. (15. November 1898.) Infolge Ihrer Aufforderung vom vergangenen Freitag, nehme ich mir die Freiheit die Thatsachen näher zu beleuchten, welche mir die Pflicht auferlegten meine Gesinnungsgenossen unter den Gemeindemitgliedern aus die Gefahren hinzuweisen, welche die Erhaltung des altväterlichen Glaubens bedrohen, wenn die bestehende Scheidung von Religionsunterricht und allgemeinem Volksunterricht fortdauern w ü r d e. Von jeher waren Religiosität und heilige Ehrfurcht vor Obrigkeit und besonders vor dem Staatsoberhaupt wesentliche Merkmale der Kinder von strenggläubigen israelitischen Eltern. In den letzten zwei Decennien nahmen jedoch diese Eigenschaften auf betrübende Weise auch bei Kindern von besonders religiösen Eltern ab. Und was am meisten bei dieser Wahrnehmung beunruhigte, ist der Umstand, daß sich Zeichen dieses Abfalles schon in sehr frühen Jahren bei der die Volksschule besuchenden Jugend offenbarten. Diese Wahrnehmung erfüllt mich und alle Rechtdenkenden mit Betrübniß und zwang mich, die Ursachen davon zu ergründen. An der häuslichen Erziehung lag es nicht, denn diese ist streng religiös, aus den gleichen Gründen auch nicht in dem Religionsunterricht selbst. Dazu kommt noch die unbestreitbare Thatsache, daß die Geiftesrichtung, welche die Lehrkräfte des Volksunterrichts beherrscht, zu den Prinzipien des positiven Judenthums und Christenthums in einer, wenn auch nicht feindlichen, so doch bestimmt antipathisch negierenden Verhaltung steht. An der Richtigkeit dieser Behauptung wird wohl keiner zweifeln, der die Aeußerungen der Lehrer in ihren öffentlichen Versammlungen und in ihrem Organ „De Bode“ mit Aufmerksamkeit verfolgt hat. Die Art und Weise, in welcher in dieser Zeitschrift im Laufe dieses Jahres über die Krönungsfeste gesprochen wurde, muß jeden rechtgläubigen Israeliten, in dessen Augen das Königthum eine unverletzliche göttliche Einrichtung ist, tief verletzen. Keine geringe Anzahl dieser Herren macht auch über ihre antitraditionelle Auffassung in Betreff des Begriffs vom Eigenthum ein Geheimniß. War es deßhalb nicht ganz natürlich, daß ich einen engen Zusammenhang zwischen den zwei geschilderten Wahrnehmungen sah, daß ich in den letzteren die Ursache der erstgenannten, nämlich den

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