Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 2 (5.1.1899)
- Date
- 1899-01-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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80 Klang in den jüdischen Kreisen Deutschlands verschaffen srllte. Es ist vielleicht nicht allgemein bekannt, daß Hirsch's großer Lehrer Nabbi Jsaac Bernaps b''st der unter dem Namen „Chacham" berühmt ist, ihm dringend rieth seine ü9 Briefe nicht der Oeffentlichkeit zu übergeben, da das nach seiner Ansicht nur schädliche Folgen für die Orthodorie haben würde. Rabbi Jsaac Bernaus wollte den no« und glaubte durch dieses Abrathen von einer Bloßlegung der Schäden im Judenthum von damals für ihn zu wirken. Hirsch hingegen war fest davon überzeugt, daß es gerade von weitgehendster Bedeutung sein müsse, den Kamps für die Thora in größter Oeffentlichkeit zu führen und daß dar wahre alte Judenthum, das die Reform so gerne zu Grabe getragen hätte, noch lebe und ihm bis jetzt nur die Männer gefehlt, die befähigt waren, es wieder zu seiner alten Würde zurück zu bringen. Man sieht hieraus, wie vereinzelt Samson Raphael Hirsch unter seinen Zeitgenossen mit seiner Ansicht stand und wie er trotzdem auf Gott und die Wahrheit vertrauend den Kamps mit seinen Gegnern aufnahm. — Die deutsche Sprache war zur damaligen Zttt für religiöse Abhandlungen verpönt; Hirsch jedoch schrieb sein Werk entgegen der Grpfloaenheit in deutscher Sprache und einen wahrhaft klassischen Styl. Er wollte ferne Brüder, nicht nur die Gelehrten, sondern hauptsächlich die in der Thauro Unwiffenden zu ihrer Pflicht zurückführen und erkannte wohl, daß in den damaligen Zeitverhältnissen religiöse Darlegungen in deutscher Sprache nothwendig geworden, weil der weitaus größte Theil der deutschen Juden die hebräische Sprache nicht mehr so beherrschte, wie dies früher der Fall gewesen. Gerade dieses offene, freie Heraustreten an die Oeffentlichkeit, trotz aller Hindernisse und Schwierigkeiten, als unbekannter junger Mann, allerdings vorerst nicht unter Angabe seines Ramens, zeigt uns gleich so manche seiner vorzüglichsten Eharaktereigenschaften: Den heldenhaften Muth und die eiserne, unbeugsame Entschlossenheit, mit welcher er für die Meinung, die er als die richtige erfaßt hatte, in allen seinen Werken und Handlungen kämpfte. Ueberall aus dem geistigen Schlachtfeld, wo es gilt mit der Schärfe des Worts der Thauro, der unterdrückten Gotteslehre zur Hilfe zu kommen, erkämpft er sich den Sieg und schlägt die Gegner, die der Wucht seiner geistigen Schwerthiebe nicht starrdhalten konnten, in die Flucht; da quellen die Worte unerschöpflich hervor, immer packender, immer ergreifender, immer gewaltiger; das drängt, das arbeitet, das ringt sich empor und findet stets neue Bezeichnungen und malt stets neue Bilder und ruft hinaus in die Lande: Die Ewigkeit und Einheit der Schöpfers und die Größe des Gottesgesetzes. Man darf wohl behaupten, daß Hirsch die Hälfte seines Rufes, einen großen Theil seines Wirkens nach außen eben diesen deutsch geschriebenen Werken verdankt. Gewiß bat er sich auch sonst unsterblich verdient gemacht. Was er als Frankfurter Rabbiner, was er als erster Führer der Israelitischen Religionsgrsellschaft, wrs er durch Thal un) Wort aus der Kanz.l und in der Schule gewirkt, wie seine Persönlichkeit der Leitstern gewesen, der soviele gesetzestreue Juden hierher nach Frankfurt geführt, all dies hat sich mit eisernem Griffst in das Buch der Geschichte des jüdischen Volkes eingegraben. Doch seine Werke sind es, die selbst der äußersten Linken im Judenthum Worte der Anerkennung enrloUen und den alten väterlichen Glauben wieder zur Ehre brachten. Seine Werke sind es aber vor all-'m, welche die schwankende Jugend, in welcher der Keim zu Befferem und Höherem noch nicht erlöstet war, ausrüttelten und anseuerten, den von ihru oorgezeichneten Weg empor zu wandeln; sie sind cs, welche noch heute den jüdischen Jünglingen und Jungfrauen die Worte eingeben, die sie allen Gottesleugnern und allen denen, die sie zur Sünde verführen wollen, muthig entgegenschleudern können. Sie sind es endlich, die uns die jüdische Religion nicht nur als ein von den Vätern ererbtes, treu zu bewahrendes Kleinod, zu betrachten lehren, sondern sie machen uns stolz durch unser Judernham und mit unserem Judenthum und zeigen dies Judenthum, nam.'ntlich dem Tporaunkundigen, in ganz anderem Lichte, als er es sonst gesehen. In kuizm 'Worten, seinen Werken verdanken wir zürn großen Tuest die Erhaltung des praktischen Judentgunls in einer Zeit, wie die damalige, wo R-'socm uno Z.'rstöeuugSlust auf der Tagesordnung stand. Das EcstlingSwuk Samson Raphael Hirsch's, die schon erwähnten „19 Briese über Judenthum von Ben Usiel" sind es, die wir im Verlauf dieser Darlegung einer kurzen Betrachtung unterziehen möchten. Der Verfasser schrieb dieses Werk, dar im Allgemeinen eine Belehrung über das Judenthum ist, irr orgineller Weise in Briefform, um dasselbe populärer zu machen. Der erste Brief bildet die Anklage eines jüdischen jungen Mannes der modernen Richtung gegen die Orthodoxie und gegen das Judenthum überhaupt und zwar ist dieser Brief an einen Freund gerichtet, den er als orthodoxen Rabbiner und gründlichen Kenner profaner Wissenschaften für den geeignetsten hält, ihn in diesem Punkt um Rath zu fragen. Wie schildert Ben Usiel so treffend die verschiedensten Fragen, die dem denkenden jüdischen Jünglinge sofort beim Hinaustritt ins Leben bei jedem Schritt entgegeutreten; genau dieselben An-