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Der Israelit · 1899-01-02 · Heft 1 (2.1.1899) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 1 (2.1.1899)
Date
1899-01-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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m JLIa. Jahrgang. M 1 Der Israelit. Ein Aentrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von Dr. aTefjmattu in Älflittj. Montag, den 2. Januar 5659 (1899). Leitender Artikel. Rückblick. Mainz, 2. Jan. Ein Blick auf das soeben abgelaufene, bürgerliche Jahr ladet mehr als sonst zu einer Rückschau auf das Jahrhundert, das mit diesem Jahre ganz nahe an seinen Abschluß gelangt ist, ein. Mehr denn hundert Jahre sind verflossen, seitdem in Frankreich die Menschenrechte verkündet wurden und der Ruf nach: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit vom Westen Europas durch alle Eulturstaaten Drang. Bvr Ruf erbebten die Stützen der alten Welt, sanken Throne und Altäre in Trümmer und aus diesen Trümmern entstand eine neue Aera, die mit verjährten Vorurtheilen aufräumte und auf Menschlichkeit drang zuallernächst den Menschen gegenüber. Von diesem edlen Zug beseelt, beeilten sich die Vertreter des französischen Volkes auch an uns Juden wieder gut zu machen, was die früheren Jahrhunderte verbrochen hatten. Sie beugten sich hinab zu dem verlassenen Bruderstamme, lösten ihm die Fesseln von Hand und Fuß und gestalteten ihm die freie Entfaltung seiner Kräfte gleich andern Bürgern. Diesem anregenden Beispiel ' ' die anderen (Staaten, welchen, nach diesem ^Frankreich-., das nunmehr beinahe beendeteJahrhundert die politische Gleichstellung der Juden mit allen anderen Staatsbürgern brachte. In dankbarer Hochachtung und mit sichtlichem Interesse folgen seitdem die Juden aller Herren Länder den politischen Vorgängen innerhalb des französischen Volkes, in dem sie das Morgenroth an dem Nachthimmel der Menschheit aufleuchten sehen und lassen zuerst ihren orientirenden Rückblick nach dem Westen, nach Frankreich schweifen. Welch' einen Rückschritt konstatirt aber ein solcher Rückblick! In dem Land, das vor hundert Jahren den Juden die Freiheit gebracht hat, ist sie heute ernstlicher als an vielen anderen Orten bedroht. Plünderung jüdischer Läden und Häuser, Beleidigung, Jnsultirung und Verfolgung der Juden haben in dem abgelaufenen Jahre m Frankreich an vielen Orten stattgefunden und haben besonders in Algier zu betrübenden, blutigen Ausschreitungen geführt. Und das alles durch den Verdacht, den einige gewissenlose hochgestellte Persönlichkeiten auf einen jüdischen Offizier fälschlicher Weise zu lenken wußten! Die Vorgänge der letzten Monate des abgelaufenen Jahres berechtigen zwar zu der Hoffnung, daß der Betrug entlarvt und der unschuldig verurtheilte jü- Dischr QsMn, u-ru. -y&em Verdachte einer Schuld freigesprochen wird; aber ob dieser Umschwung zum Guten auch einen solchen in der Gesinnung gegen die Juden im Allgemeinen zur Folge haben wird, erscheint mehr als zweifelhaft. Die Giftsaat ist mit vollen Händen ausgeftreut worden und hat schon zu viel verderbliche Früchte gezeitigt, als daß das Ausreißen der Wurzel heute die bestehenden Folgen abwenden könnte. Noch betrübender gestaltet sich ein solcher Rückblick, wenn man unsere französischen Brüder uno Schwestern vor hundert Jahren mit den Ze tgenössischen hinsichtlich ihrer Religiositäl, ihrer Sittenstrenge, ihrer Thorakunde, kurz hinsichtlich alles dessen vergleicht, was den Juden zum Juden macht. Wie ist die Uebung dieser spezifisch jüdischen Tugenden in dem Jahrhundert nach 17b9 zurückgegangen! Unter der strahlenden, schrankenlosen politischen Freiheit haben asrrrurrriL-sqoaA

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