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Der Israelit · 1898-12-29 · Heft 102-103 (29.12.1898) · page 51

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 102-103 (29.12.1898)
Date
1898-12-29
Page
– (sequence 51)
Language
German
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21 Schüler die Sehule verlassen, während nur 6 neue Zöglinge, welche für die erste Klasse vorbereitet waren, anfgenommen werden konnten. Von den ausgetretenen Schülern sind die meisten zu Handwerkern in die Lehre gegangen, 4 zogen nach den Kolonien, um daselbst ihre praktische Ausbildung zu Ackerbauern zu erlangen, ein einziger trat als Lehrling in ein Geschäft ein. Das neue Schuljahr begann am 27. April mit 108 Schülern, 60 vom vergangenen Schuljahre und 48 neu aufgenommenen. Hiervon besuchen die I. Klasse 9, die II. 8, die III. 29, die IV. 62. Nach der Klasseneinteilung im Hebräischen entfallen auf die I. 20, auf die II. 13, auf die III. 16, auf die IV. 59. Aschkenasim sind 77, Sephardim 31. Aus Russland stammen 23, aus Rumänien und Galizien je 2. Mehr als 20 Anmeldungen, bei denen die Knaben, zumeist Sephardim, nicht die Wahrscheinlichkeit boten, dass sie lange genug in der Schule verbleiben würden, um die angewandte Mühe nutzbringend zu machen, wurden zurückgewiesen. Von einigen wenigen Schülern wurde im Sommersemester Schulgeld bezahlt, im Ganzen 100 Piancs; ausserdem wurde mehreren Schülern auferlegt, sich Schreibmaterialien selbst anzuschaffen. Hingegen erhielten mehr als vierzig Schüler Mittagskost im Waisenhause. Noch hatte das neue Schuljahr nicht begonnen, da traf in Jerusalem die Trauerkunde von dem Hinscheiden des ersten Direktors der Waisenanstalt, Herrn Dr. Wilhelm Herzberg ein. Am 20. April raffte ihn eine Lungenentzündung hin, nachdem er erst ein Vierteljahr vorher seinen 70. Geburtstag unter allseitiger ehrender Theilnahme gefeiert hatte. Unter grossen Kämpfen legte Herzberg, von einigen Berliner Freunden des heiligen Landes beauftragt, den Grund zu dem Waisenhause. Schwierigkeiten aller Art stellten sich ihm in den Weg, allein durch Ausdauer und Geduld, durch Wohlwollen gegen Jedermann, namentlich gegen die Zöglinge, und durch Wohltähtigkeit gegen die Bedürftigen gelang es ihm, allmählich festeren Boden zu fassen. Länger als zehn Jahre stand er an der Spitze der Anstalt, dann musste er sich, da seine Gesundheit durch das Klima untergiaben war, zurückziehen. Er verschied in Brüssel, wohin er sein Domizil verlegt hatte. Auf unsere Anordnung wird während des Trauerjahres im Waisenhause für den Verewigten das tpnp gesprochen und ein Licht gebrannt; ein Gleiches wird auch alljährlich am Todestage stattfinden. Zu Ehren des um unseren Verein hochverdienten Mannes fand im Waisenhause und der Schule am 12. Mai eine Trauerfeier statt. Nach einer Ansprache, die Herr Direktor Ephraim Cohn in der Schule an sämmtliche Schüler hielt, und in welcher die trefflichen Eigenschaften Herzbergs gewürdigt wurden, begaben sich die drei oberen Klassen in Begleitung des Lehrkörpers nach dem Waisenhause, woselbst nach dem Minchahgebete und der Rezitation des 8. Kapitels der Psalmen, Herr Direktor Dr. Grünhut die Trauerrede hielt, welche gleichfalls den Charakter Herzbergs pries, und seine Bemühungen und Erfolge hinsichtlich des Waisenhauses mit warmen Worten hervorhob. Ein Gesang ausgewählter Verse und das ^#-Gebet beschlossen die ernste Feier. Auch die Verwaltung hat schwere Verluste zu beklagen. Im Juhre 1896 wurde Herr Stadtrath Casper Lachmann in Berlin, Mitglied des Verwaltungsraths seit Gründung des Vereins, aus dem Leben abberufen. Er hegte stets grosse Theilnahme für unsere Anstalten. Sein Andenken wird bei uns in Ehren gehalten werden. An seiner Statt trat in Folge von Cooptation Herr Grossrabbiner Zadoc Kahn in Paris in den Verwaltungsratb. Wir freuen uns von Herzen, diesen für alle jüdischen Interessen warmfühlenden und tatkräftigen Mann, der seit jeher uns ein Freund und Gönner war, und der gleich uns den Samen einer mit Religion gepaarten Bildung auf heiligem Boden ansstreuen will, als Mitarbeiter auf dem Felde der Jugenderziehung gewonnen zu haben. Leider wurde uns vor wenigen Monaten abermals ein alter Freund entrissen, der nicht nur Mitgründer, sondern auch Miturheber unseres Vereins war: Herr Ascher Lewy in Polzin. In Gemeinschaft mit Herrn Lewy und Herrn Prof. Dr. Graetz hatte er im Jahre 1878 das heilige Land besucht und erkannt, dass die allerunglücklichsten Kinder auf der Welt die Waisen Palästinas sind. Zurückgekehrt, Hessen die drei Menschenfreunde es ihre ernste Sorge sein, Anhänger für die Idee der Waisenerziehung in Palästina zu gewinnen, und mit der göttlichen Hilfe ist es ihnen gelangen. Ununterbrochen widmete Ascher Levy seine Aufmerksamkeit unseren Anstalten; ein letztes Zeichen der Fürsorge gab er in seinem Testamente, worin er dem Verein 1500 Mark vermachte. Unter den Wohltätern der Waisen Palästinas, unter den Mitgliedern unserer Verwaltung wird er für ewige Zeiten einen der hervorragendsten Plätze einnehmen. Sein Andenken sei gesegnet! (Fortsetzung folgt.) Um Jahrzeit-Stiftungen für das Jüdische Waisenhaus in Jerusalem bittet innigst Dr. A. Salvendi*

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